Filmrezension

Warnung vor der Flut

Michael Hahn, 02.11.16
Eine aktuelle Dokumentation von und mit dem Schauspieler Leonardo DiCaprio zeigt die katastrophalen Folgen des Klimawandels. Der Film ist nicht nur ein Plädoyer für mehr Klimaschutz, sondern auch ein Appell an die amerikanischen Wähler.

Der Hollywoodstar Leonardo DiCaprio setzt sich schon lange für Umweltschutz und den Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel ein. Von den Vereinten Nationen wurde er deshalb zum Klimawandel-Friedensbotschafter ernannt. Nach drei Jahren Arbeit wurde eines von DiCaprios Projekten nun veröffentlicht: der Dokumentarfilm „Before the Flood“, gemeinsam realisiert mit dem Regisseur Fisher Stevens.

Die Filmemacher reisten dafür rund um die Welt, sprachen mit Wissenschaftlern und Experten zum Thema Klimawandel. DiCaprio hat die Rolle des Fragestellers übernommen und wird zur Identifikationsfigur des Publikums. Auch ohne sich vorher mit dem Thema beschäftigt zu haben, findet so jeder Zuschauer den Einstieg. Komplexe Zusammenhänge werden mithilfe von Animationen und Grafiken möglichst leicht verständlich erklärt.

In erstklassig fotografierten Bildern zeigen DiCaprio und sein Team die verheerenden Auswirkungen fossiler Energiegewinnung, ausufernder Nahrungsmittelproduktion und grenzenlosen Konsums: Die Teersandproduktion in Alaska, bei der ganze Landstriche in Mondlandschaften verwandelt werden. Die Brandrodung riesiger Urwaldflächen in Indonesien, um Palmöl anzubauen. Die Sprengung von Bergkuppen zur Kohleförderung und die Problematik der Massentierhaltung. Von schmelzenden Gletschern bis zu bedrohten Spezies werden die Folgen des menschlichen Handelns für Natur und Tiere gezeigt. Die Aufnahmen sind ebenso erschreckend wie eindringlich.

Miami Beach schon vom steigenden Meeresspiegel betroffen

Der Film zeigt auch die Konsequenzen der Klimakatastrophe für die Menschen. Und das nicht nur in Schwellen- oder Entwicklungsländern wie Indien, wo Bauern komplette Ernten durch Fluten verlieren oder im Inselstaat Kiribati, der akut vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht wird. Auch die USA sind in Gefahr: In Miami Beach im Bundesstaat Florida werden Straßen höher gelegt und Wasserpumpen installiert, um Überschwemmungen durch den steigenden Meeresspiegel entgegenzuwirken. Die Investitionen von 400 Millionen US-Dollar erkaufen dabei immerhin Sicherheit für die nächsten 40 bis 50 Jahre.

„Before the Flood“ spart die politische Ebene nicht aus, zeigt die Verquickung von US-Senatoren mit der Fossil-Wirtschaft, klagt korrupte Regierungen an und warnt vor Flüchtlingsströmen, die durch den ungebremsten Klimawandel und eine Politik des „weiter so“ folgen könnten. Mitstreiter findet DiCaprio in Persönlichkeiten wie US-Präsident Barack Obama oder Papst Franziskus.

Der Film will aber nicht nur anprangern, sondern auch Lösungen präsentieren. Tesla-Chef Elon Musk sieht seine Gigafactory als eine davon. Weltweit einhundert dieser Fabriken für Stromspeicher könnten alle Energieprobleme lösen, sagt Musk im Film. Europäische Länder wie Deutschland oder Dänemark werden als Energiewende-Vorreiter präsentiert. Auf die durchaus noch vorhandenen Probleme vor Ort geht der Film jedoch nicht ein. Wenn gezeigt wird, dass China und Indien mehr in Solarenergie investieren als die USA, ist das als Aufforderung für mehr Engagement der reichen Nationen zu verstehen.

Film steht kostenlos zur Verfügung

Die Veröffentlichung der Dokumentation zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Filmemacher machen keinen Hehl daraus, dass sie vor den anstehenden US-Präsidentschaftswahlen eine Politik unterstützen wollen, die gegen den Klimawandel kämpft, die zu erneuerbaren Energien wechselt, und die eine CO2-Bepreisung fordert. Zwar ist der Appell am Ende des Films nicht explizit an die US-Wählerschaft gerichtet, die Absicht ist jedoch mehr als deutlich: Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der nicht viel vom Kampf gegen den Klimawandel hält, darf nicht an die Macht kommen. Der energieintensive „American Way of Life“ muss ein Ende haben.

„Es gibt keine größere Gefahr für die Zukunft unserer Gesellschaft als den Klimawandel. Dies sollte auch eine Priorität für die großen anstehenden Wahlen sein. Fisher Stevens und ich wollten einen Film machen, der die Menschen überall auf der Welt auf dieses große Problem aufmerksam macht und sie gleichzeitig inspiriert, Teil dessen Lösung zu sein“, sagt DiCaprio.

Auch abseits dieser offensichtlichen politischen Mobilmachung ist den Filmemachern ein eindringliches und beklemmendes Plädoyer für den Klimaschutz gelungen. Um möglichst viele Zuschauer zu erreichen, kann der Film noch bis einschließlich 6. November auch auf Deutsch kostenlos auf der Homepage des National Geographic Channels oder den zugehörigen Social-Media-Plattformen sowie YouTube angeschaut werden.

Kommentare (1)

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  • 03.11.16 - 10:53, Gerhard WERNER

    für die Produktion dieses , meiner Meinung nach hervorragenden Dokumentarfilms möchte ich herzlichen Dank an alle Beteiligten sagen und darlegen, dass ich voll inhaltlich dem Ansinnen des Films zustimme und mich gerne an der Verbreitung der Meinung und der Beteiligung mit notwendigen Verhaltensweisen innerhalb meiner Möglichkeiten beteilige
    G.WERNER, Mannheim.

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