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Klimawandel

Polarkreis brennt erneut

Foto: Alaska Division of Forestry

Foto: Alaska Division of Forestry

Feuerfront: Flächenbrand im Süden Alaskas nahe dem Tanana River.

Margit Hildebrandt, 28.05.20
Nach einem ungewöhnlich warmen Frühling drohen in der Arktis erneut große Flächenbrände. Satellitenbilder weisen darauf hin, dass sich bereits erste Feuer wieder entzündet haben. Eine intensive Brandsaison wie letztes Jahr ist sehr wahrscheinlich.

Rund um den nördlichen Polarkreis kündigen sich wieder heftige Wald- und Flächenbrände an. Satellitenbilder des EU-Atmosphärenüberwachungsdiensts Copernicus zeigen bereits erste Feuer. Die beteiligten Forschenden sprechen von „Zombie“-Bränden, die sich nach dem letzten Jahr wieder neu entzündet haben. Dies sei zunächst eine Hypothese, die noch durch Beobachtungen am Boden bestätigt werden müsse. Anlass zur Sorge gebe es aber.

Der ebenfalls im Projekt angeschlossene Klimawandeldienst (Copernicus Climate Change Service, C3S) berichtet von deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen im April im Norden und an den Küsten Grönlands sowie in weiten Teilen Sibiriens. „Durch die Daten von C3S wissen wir, dass die Regionen nördlich des Polarkreises, die von Bränden 2019 besonders stark betroffen waren, dieses Jahr sehr warmen und trockenen Bedingungen ausgesetzt sind, was ideale Voraussetzungen für die Entstehung und Ausbreitung von Feuern sind“, sagt Copernicus-Wissenschaftler Mark Parrington. Im April lagen die Temperaturen in manchen Gegenden Russlands bei annähernd 30 Grad Celsius. Schon seit Wochen stehen große Wald- und Steppenflächen in Flammen. Mehr als 5600 Brände seien laut russischem Katastrophenschutzministerium landesweit bereits gemeldet worden.

2019 war laut Wetterdienst Gidromedcentr das heißeste Jahr in Russland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Moskau erlebte den wärmsten Winter seit 1886. In Sibirien und Alaska brannten wochenlang die ausgetrockneten Torfmoore, die den Permafrostboden bedecken. Flächenbrände sind in der Region nicht ungewöhnlich, jedoch in dieser Intensität und Dauer schon.  Nach Angaben der russischen Forstverwaltung sind rund drei Millionen Hektar Wald in der auch für das Weltklima wichtigen Taiga vernichtet worden, mehr als die Größe Brandenburgs. 100 Jahre soll es dauern, bis der Wald sich erholt. Ökonomen schätzten die wirtschaftlichen Schäden der sibirischen Waldbrände auf mehr als 30 Millionen Euro.

Gewaltiger CO2-Ausstoß

Allein im Juni 2019 gelangten durch die Brände 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre – etwa die komplette jährliche Emission von Schweden. Durch die Brände wird das Auftauen der Permafrostböden weiter beschleunigt, was wiederum gewaltige Mengen Treibhausgase freisetzen könnte. Neben der reinen Zerstörung und der direkten Lebensgefahr durch Flächenbrände, stellt Rauch durch eine Kombination aus Partikeln, Kohlenmonoxid und anderen Schadstoffen auch ein gesundheitliches Risiko dar. Durch Winde kann er über hunderte bis tausende Kilometer weit transportiert werden.

In anderen Regionen der Welt gibt es laut Copernicus derzeit ebenfalls Wald- und Flächenbrände. In den Tropen etwa sei die Brandsaison vor Kurzem zu Ende gegangen. Dabei hätten die Emissionen in den zentralamerikanischen Ländern wie Guatemala, Nicaragua oder Panama über dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019 gelegen. Im Gegensatz dazu hätten Feuer in südostasiatischen Ländern wie Kambodscha, Laos oder Myanmar eher durchschnittliche Emissionen ausgestoßen. In Thailand und Vietnam registrierten die Wissenschaftler sogar unterdurchschnittliche Feuerausmaße. Dagegen sei Indonesien besonders betroffen, die Brände dort waren demnach unter den schlimmsten der letzten 20 Jahre. Die Forschenden schätzen die CO2-Emissionen der über drei Monate wütenden Feuer auf den kohlenstoffreichen Torflandschaften auf mindestens 708 Millionen Tonnen.

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