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Umwelt-Enzyklika

Papst bezieht deutlich Stellung zum Klimawandel

Tim Altegör, 18.06.15
Der Vatikan hat die mit Spannung erwartete Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus veröffentlicht, nachdem vorab bereits ein Entwurf kursierte. Das Dokument könnte dem Klimaschutz zusätzlichen Schub verleihen, hoffen Umweltschützer: Franziskus spricht sich klar für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien aus. Für untätige Regierungen und Wirtschaftsvertreter findet er deutliche Worte.

Die Liste der päpstlichen Enzykliken ist lang, immerhin gibt es die Rundschreiben zu Glaubensfragen bereits seit dem 18. Jahrhundert. Viele Päpste haben sich seitdem zu verschiedensten Themen geäußert, von den Vorteilen des Fastens bis zum Rosenkranzgebet, letzteres wurde sogar wiederholt behandelt. Auch der aktuelle Papst Franziskus hat schon Enzykliken verfasst. In puncto öffentliche Aufmerksamkeit werden sie jedoch von dem neuesten Schreiben unter seiner Ägide mit Sicherheit in den Schatten gestellt: Im Vatikan wurde heute die bereits mit Spannung erwartete erste Enzyklika eines Papstes zum Thema Umweltschutz vorgestellt.

Der 108 Seiten lange Text mit dem Titel „Laudato Si (zu Deutsch: Gelobt seist du): Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ behandelt unter anderem die bedrohte biologische Artenvielfalt und die menschliche „Wegwerfkultur“, widmet sich aber zentral dem Klimawandel. Der Papst bekennt sich deutlich zum wissenschaftlichen Konsens, dass der Klimawandel stattfindet und zu großen Teilen menschengemacht ist. An der Präsentation im Vatikan nahm unter anderen der renommierte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung teil.

Jene, die das Problem ignorieren oder davor resignieren, kritisiert die Enzyklika deutlich: „Die Haltungen, welche – selbst unter den Gläubigen – die Lösungswege blockieren, reichen von der Leugnung des Problems bis zur Gleichgültigkeit, zur bequemen Resignation oder zum blinden Vertrauen auf die technischen Lösungen.“ Es sei „dringend geboten, politische Programme zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren“, heißt es weiter.

„Ökologische Schuld" der Industriestaaten

Als Lösung nennt der Papst explizit den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien und den Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen. Eine Absage erteilt er dem Handel mit Emissionszertifikaten, der bloß von nötigen radikaleren Lösungen ablenke. Generell seien Politik und Wirtschaft – im Gegensatz zu Vertretern der Zivilgesellschaft – „weit davon entfernt, den weltweiten Herausforderungen gewachsen zu sein“. Stattdessen würden sie sich meist auf kurzfristige Macht- beziehungsweise Gewinnmaximierung konzentrieren und sich dann „in Sachen Armut und Umweltzerstörung gegenseitig die Schuld“ zuschieben.

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Zudem verknüpft Franziskus die Klima- mit der sozialen Frage: Die reichen Ländern müssten den ärmeren aus Gründen der Gerechtigkeit unter die Arme greifen, um ihre „ökologische Schuld“ auszugleichen. Diesen Aspekt betonte auch Schellnhuber bei der Präsentation. Für die globale Erwärmung sei der reiche Teil der Erdbevölkerung verantwortlich. Die Armen würden darunter als Erste leiden, letztlich jedoch alle Menschen „vom selben Fallschirm“, einem stabilen Klima, abhängen.

Damit greift Franziskus ein halbes Jahr vor der Klimakonferenz in Paris deren zentrale Themen auf: zum einen die Notwendigkeit eines Programms zur Eingrenzung der globalen Erwärmung auf ein vertretbares Maß, zum anderen die finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer zur Anpassung an den Klimawandel. Ab 2020 sollen dafür laut Beschluss von 2009 jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden, die Finanzierung zieht sich seitdem jedoch hin.

Druck auf Regierungschefs für Paris

Mit seiner Enzyklika könnte der Papst den Staatschefs zusätzlich Druck machen, eine Lösung zu finden. Seit seinem Amtsantritt 2013 hat er bei gesellschaftlichen Themen nicht nur bei Katholiken relativ schnell eine beträchtliche Deutungshoheit erlangt – einmal abgesehen von der Aussage, man dürfe Kinder schlagen, die ihm Kritik einbrachte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) etwa erhofft sich von der Enzyklika denn auch nicht weniger als einen „Weckruf zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas“. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete den Text als „großes Werk“ und als „starkes Signal für die Verhandlungen“.

Zugleich macht sich Franziskus mit seiner politischen Positionierung im Vatikan offenbar nicht nur Freunde: Ein Entwurf der Enzyklika wurde einige Tage vor der Veröffentlichung gestreut, durch konservative Kreise im Vatikan, spekulierten italienische Medien. Ob sich die dem Namen nach christlichen Parteien im Bundestag von der Enzyklika inspirieren lassen, bleibt abzuwarten. Vor allem die CDU tut sich derzeit schwer mit einem möglichen Einstieg in den Kohleausstieg. Angela Merkel ist zwar evangelisch, der Papst richtet sich aber explizit „an jeden Menschen, der auf diesem Planeten wohnt“. Zudem wurde auf dem evangelischen Kirchentag gerade Anfang Juni eine Resolution verabschiedet, die einen Klimaschutzbeitrag für Kohlekraftwerke und ein Ende für Kohle-Subventionen fordert.

 

Kommentare (1)

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  • 19.06.15 - 07:55, Pavicsits Wilhelm

    Kommt jetzt z.B. Hautkrebs vom CO2 oder von den "Brennspiegeln am Himmel"?
    Ich gehe doch davon aus, das es der Papst nicht haben will, dass noch mehr Menschen an Hautkrebs erkranken und er sich die Ursache des "Klimawandels" noch einmal ansehen wird.

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