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Klimawandel und Vertreibung

Klimaflucht könnte stark zunehmen

Foto: Jill Gralow/Reuters/picturealliance

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Margit Hildebrandt, 01.04.21
Überflutungen werden voraussichtlich durch den Klimawandel immer schwerer und häufiger. Eine Studie hat nun berechnet, wie sehr dadurch das Risiko steigt, dass Menschen zur Flucht gezwungen sind.

Umweltkatastrophen sind ein wesentlicher Faktor für Vertreibung und Flucht. Mit jedem zusätzlichen Grad Erderwärmung steigt das Risiko, durch Überschwemmungen vertrieben zu werden um 50 Prozent an – verglichen mit der Gefährdung im Jahr 2010. Das ist das Ergebnis einer Studie der ETH Zürich, die in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler verknüpften dafür globale Modellierungen zu Klima, Hydrologie und Bevölkerungsverteilung.

Falls die Weltbevölkerung im aktuellen Tempo weiter anwächst, wird demnach das Vertreibungsrisiko bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 110 Prozent steigen – und das auch nur, wenn das Pariser Klimaziel von höchstens zwei Grad Erwärmung eingehalten wird. Sollte sich der Klimawandel weniger stark bremsen lassen und der Graben zwischen Arm und Reich vertiefen, könnte das Risiko sogar bis zu 350 Prozent höher sein, berechneten die ETH-Wissenschaftlerinnen. 

Jahrhundertflut vertreibt Australier

Millionen Menschen weltweit müssen jedes Jahr aufgrund von Unwettern alles zurücklassen und flüchten. In den letzten sechs Monaten allein sollen laut Internationaler Rotkreuz-​ und Rothalbmondbewegung über zehn Millionen vertrieben worden sein, viermal mehr als zur gleichen Zeit durch Kriege und Konflikte. So mussten auch aktuell zehntausende Menschen im Südosten Australiens wegen der schlimmsten Fluten seit einem halben Jahrhundert ihr Zuhause verlassen.

Der Weltklimarat IPCC warnt seit langem davor, dass der Klimawandel einhergeht mit einem Anstieg des Meeresspiegels, Küstenerosion sowie dem Verlust landwirtschaftlicher Produktivität und deshalb zu mehr Vertreibungen führen wird. Diese Risiken könnten mit geeigneter Raumplanung oder dem Bau von Dämmen laut der ETH-Studie durchaus noch abgeschwächt werden.

„Unsere Erkenntnisse machen deutlich, dass wir rasch handeln müssen, sowohl bei der Bekämpfung der Klimaerwärmung als auch bei Anpassungsmaßnahmen, um künftige Risiken insbesondere für verletzliche Bevölkerungsgruppen zu verringern“, sagt Studienautorin Pui Man Kam. Überschwemmungen würden oft die sozioökonomisch verwundbarsten Gruppen treffen, da diese in Gegenden siedeln, die vor Naturkatastrophen schlecht geschützt seien.

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