Klimaschutz

Hoffnungsschimmer in der CO2-Bilanz

Foto: Celal Gunes/picture-alliance/AA

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IEA-Geschäftsführer Fatih Birol

Joachim Wille, 13.02.20
2019 sind die weltweiten CO2-Emissionen im Energiesektor nicht weiter angestiegen, Hoffnungen werden laut, der Scheitelpunkt sei erreicht. Doch Experten täuschten sich damit schon einmal.

Endlich wieder ein grünes Licht am Ende des Tunnels: Im letzten Jahr sind die globalen CO2-Emissionen aus dem Energiesektor nicht weiter angestiegen, wie die Internationale Energieagentur (IEA) jetzt gemeldet hat. Und das, obwohl die Weltwirtschaft um fast drei Prozent wuchs. Die IEA zeigte sich erstaunt darüber: Eigentlich sei allgemein mit einem weiteren Wachstum des CO2- Ausstoßes in diesem Sektor gerechnet worden. Damit keimt etwas Optimismus auf, dass der „Peak“ der Emissionen endlich erreicht sein könnte, wie Klimaforscher es für notwendig halten.

Die energiebedingten CO2-Emissionen betrugen 2019 rund 33 Milliarden Tonnen, genauso viel wie im Jahr zuvor. Hinzu kommen die Treibhausgase aus anderen Sektoren, etwa Methan, Lachgas und CO2 aus der Landwirtschaft. In den beiden Jahren zuvor hatte der CO2-Ausstoß deutlich zugelegt. IEA-Geschäftsführer Fatih Birol gab sich denn auch zuversichtlich: Der Stillstand beim CO2-Ausstoß lasse hoffen, „dass wir die Klimaherausforderungen dieses Jahrzehnts bewältigen können“.

Weniger CO2 in Industrieländern

Die Herausforderungen sind groß. Der Weltklimarat IPCC hat vorgerechnet, dass die globalen Emissionen in allen Sektoren ab 2020 jährlich um rund sieben Prozent sinken müssen, wenn das 1,5-Grad-Limit der globalen Erwärmung noch eingehalten werden soll. Aber auch beim Zwei-Grad Ziel, der zweiten Sicherheitslinie aus dem Paris-Klimavertrag, wäre eine spürbare Absenkung von 2020 an notwendig.

Für die aktuelle Stagnation sind vor allem Industrieländer verantwortlich – dank sinkender Kohlenutzung und eines Booms bei den erneuerbaren Energien. Am meisten CO2 in einem Land, nämlich 140 Millionen Tonnen, sparten ausgerechnet die USA ein, deren Präsident den Ausstieg aus dem Paris-Abkommen sowie – bislang erfolglos – eine Renaissance der Kohle angekündigt hat. Auch die EU konnte punkten. Ihre Emissionen sanken um 160 Millionen Tonnen. Die Windkraft liefert hier inzwischen fast so viel Strom wie die Kohle, zudem stieg die Nutzung des relativ klimafreundlichen Erdgases an. Positiv auch die Bilanz aus Japan – minus 45 Millionen Tonnen, unter anderem, weil nach Fukushima abgeschaltete AKW wieder ans Netz genommen wurden. Unter dem Strich liegen die Emissionen in den Industriestaaten inzwischen wieder so niedrig wie in den 1980er Jahren, trotz stark angestiegener Wirtschaftsleistung.

Schwellenländer legen weiter zu

Sorgen macht jedoch weiterhin die Situation  in den Schwellen- und Entwicklungsländern, vor allem in Asien. Hier legte der CO2-Ausstoß wegen höherer Kohleverstromung auch 2019 weiter zu, um fast 400 Millionen Tonnen. Das fraß die Einsparungen in den Industriestaaten wieder auf. Und hier liegt auch das große Risiko für die Zukunft. Da  immer noch neue Kohlemeiler ans Netz genommen werden, zementiert das hohe Emissionen noch für mehrere Jahrzehnte – ein Szenario, das mit den Klimaschutz- Notwendigkeiten à la Weltklimarat gar nicht zusammenpasst.

Für ein Aufatmen ist es also noch zu früh. Das lehrt auch die jüngste Vergangenheit. Schon in den Jahren 2014 bis 2016 stagnierte der energiebedingte CO2-Ausstoß einmal, und die Experten dachten, der „Peak“ sei da. Doch Fehlanzeige, 2017 und 2018 ging die Kurve wieder nach oben. Helfen kann nur eine aktive Politik, die in allen Ländern die Energiewende beschleunigt.

 

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