Klimakrise

Gletscherschwund schreitet voran

Foto: Angelika Warmuth/picture alliance/dpa

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Weggeschmolzen: Der Südliche Schneeferner in den bayerischen Alpen (hier ein Bild aus 2021) hat seinen Status als Gletscher verloren.

Michael Hahn, 30.09.22
Die Extremtemperaturen in diesem Sommer haben Eisgebieten massiv zugesetzt, in Bayern ist einer der fünf deutschen Gletscher verlorengegangen. Auch andernorts beschleunigt sich die Schmelze rasant.

Der Südliche Schneeferner in den bayerischen Alpen hat seinen Status als Gletscher verloren. Das teilte die Bayerische Akademie der Wissenschaften mit. Der Sommer 2022 habe deutliche Spuren hinterlassen, der starke Eisschwund setze sich fort.

Georadar-Messungen von Mitte September würden zeigen, dass die Eisdicke des Südlichen Schneeferners „an den meisten Stellen nicht einmal mehr zwei Meter“ erreiche. An der tiefsten Stelle seien es mittlerweile weniger als sechs Meter, im Vergleich zu noch etwa zehn Metern 2018. Daraus lasse sich schließen, „dass das verbleibende Eis innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre vollständig abschmelzen wird. Gleichzeitig hat sich die Gletscherfläche auf weniger als einen Hektar reduziert und damit seit 2018 etwa halbiert“, schreiben die Wissenschaftler.

Weil wegen der geringen Eisdicke keine Eisbewegung mehr erwartet werden könne, werde der „Südliche Schneeferner nicht länger als eigenständiger Gletscher betrachtet“. Die seit 1892 durchgeführten Vermessungen würden eingestellt. Die Zahl der in Deutschland befindlichen Gletscher sinkt damit auf vier, sie befinden sich an der Zugspitze (Nördlicher Schneeferner und Höllentalferner) und in den Berchtesgadener Alpen (Blaueis und Watzmanngletscher).

„Sämtliche Rekorde der Eisschmelze pulverisiert“

Auch in der Schweiz hat sich die Situation der Gletscher dramatisch verschärft. 2022 hätten sie laut Schweizer Akademie der Naturwissenschaften bislang sechs Prozent ihres Volumens verloren – so viel wie noch nie zuvor. Kleine Gletscher seien besonders stark betroffen. Zuvor hätten Jahre mit Verlusten von zwei Prozent als „extrem“ gegolten. „Mit sehr wenig Schnee im Winter und anhaltenden Hitzewellen im Sommer wurden sämtliche Rekorde der Eisschmelze pulverisiert.“

Die Entwicklungen würden aber auch zeigen, „wie wichtig Gletscher in heißen und trockenen Jahren für Wasserhaushalt und Energieversorgung sind“. Die Eisschmelze in Juli und August habe gereicht, „um sämtliche Stauseen der Schweizer Alpen von null aufzufüllen“.

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis, der sogenannte „Weltuntergangsgletscher“ (Doomsday Glacier), bereitet Forscherinnen und Forschern ebenfalls Sorgen. Einer Studie zufolge, die in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht wurde, schmilzt er schneller als gedacht. Aktuell ziehe er sich mit 2,1 Kilometern pro Jahr doppelt so schnell zurück wie in den letzten zehn Jahren. Der Gletscher gilt als einer der weltweit breitesten und ist Teil des westantarktischen Eisschilds. Laut Forschern enthält dieses genug Wasser, um den Meeresspiegel bis zu drei Meter steigen zu lassen. Küstenstädte und tief liegende Länder würden dann teilweise unter Wasser stehen.

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