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Klimawandel

1,5-Grad-Ziel verlangt rasches Handeln

Astrid Dähn, 08.10.18
Der lange erwartete Sonderbericht des Weltklimarats IPCC ist da. Die Wissenschaftler halten es zwar weiterhin für möglich, das international anvisierte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen – jedoch nur mit einer drastischen CO2-Minderung.

Die globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken ist technisch möglich. Eine solche Begrenzung erfordert allerdings „schnelle und weitreichende Veränderungen“, nicht nur in wirtschaftswichtigen Sektoren wie Energie, Transport oder Industrieproduktion, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen, etwa im Städtebau, bei der Konzeption neuer Infrastrukturen und der Nutzung von Land.

Zu diesem Schluss kommt der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Sonderbericht zu den Realisierungschancen des 1,5-Grad-Ziels. Für ihre Metastudie haben die Autorinnen und Autoren aus 40 Ländern mehr als 6000 wissenschaftliche Arbeiten zum Klimawandel ausgewertet. Danach hätte es entscheidende Vorteile, die Erderwärmung bereits bei deutlich weniger als zwei Grad zu stoppen.

So stiege beispielsweise der Meeresspiegel im Mittel bis 2100 um rund zehn Zentimeter weniger als beim Zwei-Grad-Szenario. Das Abtauen der Pole würde sich verlangsamen, die Wahrscheinlichkeit für einen eisfreien Sommer in der Arktis sänke auf einen Fall pro Jahrhundert statt pro Jahrzehnt. Zugleich würden die Meeresbiotope geschont: Die Fischbestände und damit die voraussichtlichen Fangmengen der internationalen Fischereiflotte würden zwar weiterhin zurückgehen, aber in deutlich geringerem Umfang als bei einem stärkeren Temperaturanstieg. Auch das Korallensterben verliefe weniger rapide.

Deutschland und die EU müssten ihre Ziele verschärfen

Für den Menschen ergäbe sich noch ein weiterer Vorzug: Der Anteil der Erdbevölkerung, der klimabedingt an Wasserknappheit leidet, wäre um bis zu 50 Prozent kleiner als in einer um zwei Grad wärmeren Welt. „Jedes bisschen zusätzlicher Erwärmung zählt“, fasst Hans-Otto Pörtner, Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und Co-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe II, die Ergebnisse zusammen.

Um das Klima entsprechend zu stabilisieren, ist laut dem Bericht eine erhebliche Minderung der menschengemachten CO2-Emissionen nötig: Bis 2030 müsste der globale Kohlendioxid-Ausstoß gegenüber dem Jahr 2010 um etwa 45 Prozent zurückgehen, bis 2050 müsste er schließlich bei nahezu null angekommen sein. Die bisherigen Zusagen der Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens reichen dazu bei weitem nicht aus.

Nach derzeitigem Stand würde die 1,5-Grad-Grenze bereits zwischen 2030 und 2050 überschritten, warnen die IPCC-Autoren. „Nimmt man die Zahlen das Berichts ernst, dann müssten Deutschland und die EU ihre mittelfristigen Klimaziele drastisch verschärfen“, kommentiert Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik die Analyse. Und sein Kollege Niklas Höhne, Professor für Klimaschutz an der niederländischen Universität Wageningen ergänzt: „Der Report sendet ein klares Signal an die Politik: Jetzt handeln, es ist fast schon zu spät!“


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