Bioenergie

Pflanzenenergie im Fördermahlwerk

Jürgen Heup, 11.10.13
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert, die Förderung von Bioenergie einzustellen. Dabei leidete die Biogasbranche ohnehin unter Zubauschwund und schöpfte gerade erst Hoffnung, sich als Systemdienstleister zu platzieren. Anders die Stimmung bei den Kollegen der holzbasierenden Bioenergie: Pelletheizungen sind bei den Deutschen gefragt.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) spricht sich in seinem aktuellen Gutachten gegen eine weitere Förderung von Bioenergie aus: „Wegen der zusätzlichen gravierenden ökologischen Folgen sowie unerwünschter Verlagerungseffekte“, so schreiben die Sachverständigen, „sollte die Beendigung der Förderung von Anbau-Biomasse unbedingt erwogen werden.“

Die Berater der Bundesregierung beziehen sich damit vor allem auf die Förderung der Bioenergie im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Eine drastische Forderung mit Einschränkungen: Bei den anstehenden Reformen des Strommarkts sei Weitsicht gefragt, sagte Martin Faulstich, Vorsitzender des SRU „Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien bis zur Vollversorgung muss das Ziel der Energiewende bleiben, genauso wie der Abbau inflexibler und klimaschädlicher Kohlekraftwerke.“ Das werde nur mit einer Reform des Erneuerbare Energien-Gesetzes funktionieren, nicht mit seiner Abschaffung.

Zur Reform des EEG empfehlen Faulstich und seine sechs Ratskollegen, die gleitende Marktprämie für alle neuen Anlagen zur Pflicht zu machen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2012 sei bereits die Hälfte der Leistung aus erneuerbaren Quellen in die Direktvermarktung übertragen worden.

Biogas in schwerem Fahrwasser

Für die Biogasbranche wäre ein Förderstopp ein schwerer Schlag. Bereits die EEG-Reform von 2012 sorgte dafür, dass die Zubauzahlen einbrachen. Der Fachverband Biogas zählte lediglich 340 neue Biogasanlagen im Jahr 2012. Ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um fast 74 Prozent. Anfang 2013 waren in Deutschland 7515 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 3352 Megawatt elektrisch in Betrieb.

Für das laufende Jahr prognostiziert der Fachverband Biogas einen Ausbau der Biogasleistung um 177 Megawatt, wobei der Verband davon ausgeht, dass erstmals der überwiegende Teil des Leistungszuwachses durch Repowering- und Erweiterungsmaßnahmen und nicht durch den Bau neuer Anlagen erfolgen wird. „Dieser massive Einbruch im Biogasmarkt stellt viele Unternehmen vor eine schwierige Situation“, erklärte Claudius da Costa, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas.

Dabei schöpfte die Biogasbranche gerade erst Hoffnung, sich als Systemdienstleister zu platzieren, denn die Blockheizkraftwerke (BHKW) der Biogasanlagen sorgen für eine garantierte Stromproduktion. Bei der Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien werden zunehmend Systemdienstleistungen aus regenerativen Anlagen benötigt. Diese Bereitstellung von Regelenergie und Blindstromkompensation übernehmen derzeit vor allem noch Braunkohlekraftwerke.

„Viele der rund 7500 Biogasanlagen in Deutschland können in den nächsten Jahren auf die Erbringung von Systemdienstleistungen für die Stabilität des Stromnetzes ausgerichtet werden“, macht Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas, deutlich. Dies erfolgt vor allem durch eine Erhöhung der installierten elektrischen Leistung bei den einzelnen Anlagen. „Mit einem zweiten Blockheizkraftwerk und einem Biogasspeicher können Biogasanlagen sogar positive Regelenergie anbieten oder den Strom nicht 24, sondern flexibel an acht Stunden des Tages ins Netz einspeisen“, erklärt Seide.

Dazu seien weder mehr Biomasse noch mehr Fläche notwendig. Denn dieselbe Strommenge werde lediglich in kürzerer Zeit produziert und eingespeist. „Biogasanlagen bringen ihren Strom dann verstärkt ins Netz, wenn Wind und Sonne nicht liefern können. Biogas ist mit seiner Flexibilität ein Problemlöser bei der Energiewende“, so das Plädoyer des Verbandspräsidenten.

Mit der Flexibilitätsprämie des EEG 2012 habe der Gesetzgeber einen wichtigen Impuls für die Flexibilisierung von bestehendenund neuen Biogasanlagen gesetzt, erläutert Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirats im Fachverband Biogas . Die Unternehmen der Biogasbranche hätten innerhalb kürzester Zeit die technischen und logistischen Lösungen für Systemdienstleistungen und bedarfsgerechte Stromeinspeisung aus Biogas entwickelt, beschreibt Rückert eine gewisse Aufbruchsstimmung in der Biogas-Unternehmerschaft. Die wäre bei einem Förderstopp gänzlich dahin. „Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen und das klare politische Signal für Biogas als wichtigem erneuerbarem Systemdienstleister“, so der Firmenbeiratssprecher.

Holzland Deutschland

Der Zubau an Pelletfeuerungen verlief nach Einschätzung des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) im ersten Halbjahr 2013 sehr erfreulich. Über 20.000 Anlagen wurden neu installiert, sodass erstmals mehr als 300.000 Heizungen und Öfen in Deutschland mit Pellets befeuert werden. Zum Jahresende sollen es rund 325.000 Anlagen sein.

„Der Einbau von neuen Ölheizungen kann heute schon komplett durch erneuerbare Alternativen wie Pelletheizungen ersetzt werden“, sagt Martin Bentele, Vorsitzender des DEPV. „Wenn die Energiewende am Wärmemarkt erfolgreich sein soll, muss die Politik aber endlich mittelfristige Konzepte anbieten, wie bis 2030 der aktuelle Bestand von sechs Millionen Ölheizungen ausgetauscht werden kann.“

Sowohl die vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Zahlen der über das Marktanreizprogramm (MAP) geförderten Pelletheizungen als auch die Marktzahlen des Bundesindustrieverbands Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) bestätigen für das erste Halbjahr 2013 die genannten Steigerungsraten bei Pelletfeuerungen  oder gehen sogar darüber hinaus. Nach DEPV-Statistik setzt sich der Bestand an Pelletfeuerungen in Deutschland zu rund zwei Dritteln aus Kesseln mit einer Leistung bis 50 Kilowatt (kW), zu 30 Prozent aus Pelletkaminöfen und zu zwei Prozent aus Kesseln mit einer Leistung von über 50 kW zusammen.

Den Boom bei den Pellets will auch der Solarverband nutzen. Zum Start der Heizperiode besiegeln der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und der DEPV ihre im letzten Jahr begonnene Zusammenarbeit im Rahmen der bundesweiten Woche der Sonne. „Pellets und Solarwärme sind eine ideale Ergänzung“, so Jörg Mayer, Geschäftsführer des BSW. „Viele Fachhandwerker, die an der solaren Aktionswoche teilnehmen, bieten neben Solartechnik auch Pelletlösungen an.

Endkunden, die sich über Heiztechnik informieren, wünschen sich ein breites Angebot mit verschiedenen umweltfreundlichen Lösungen. Diesen ganzheitlichen Beratungsansatz wollen wir mit der Fortführung der Partnerschaft unterstützen.“ Der Heizungsaustausch sei ein guter Anlass, um über den Einbau einer solarthermischen Anlage mit einer Pelletfeuerung nachzudenken.

Die Investition werde durch eingesparte Brennstoff- und Energiekosten schnell ausgeglichen, so der BSW. Außerdem unterstützt der Staat den umweltfreundlichen Wärmewechsel mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen.

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