Windenergiemarkt

„Wir brauchen die Unterstützung der Berliner Politik – trotz Wahlkampf“

Foto: Roland Horn

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Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 06.05.21
… sagt EWE-CEO Stefan Dohler. Gemeinsam mit Heiko Janssen, dem Vorstandschef der Aloys-Wobben-Stiftung, hat er ein Joint Venture, die Alterric GmbH, ins Leben gerufen. Dort wird die Betriebsführung der Windparkportfolios von Enercon und EWE gebündelt, zudem soll das Pro-jektgeschäft stark ausgebaut werden. Damit das auch am deutschen Heimatmarkt gut klappt, se-hen beide Manager die Bundesregierung in der Pflicht.

neue energie: Wie kam es zu der Idee eines Joint Ventures?

Heiko Janssen: Das Motto der Aloys-Wobben-Stiftung lautet „Energie für die Welt“. Das ist ein großes Ziel. Um es zu erreichen haben wir schon längere Zeit nach einem Partner gesucht, der wie wir regional verwurzelt ist. Anfang 2020 kam es dann zu den ersten Gesprächen und es wurde schnell klar, dass die EWE mit ihrer Vermarktungs- und Kundenkompetenz ein sehr verlässlicher Partner für uns sein könnte.

Stefan Dohler: Wir auf der Betreiberseite und Enercon als Hersteller sind Windpioniere. Teil der EWE-Strategie ist, das Thema erneuerbare Energien voranzubringen. Wir haben uns vorgenommen, bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen und unser Erneuerbaren-Portfolio stark auszubauen. Mit dem jetzt geschaffenen Portfolio sind wir nach unserer Analyse Marktführer für Onshore-Wind in Deutschland und auch einer der großen Player in Europa. Damit sind wir deutlich wettbewerbsfähiger. Der Markt ist ja hart umkämpft. Besonders hierzulande, wo wir ein ziemliches Trauerspiel erleben. 

ne: Konzentriert sich Alterric nur auf Wind an Land? Oder werden auch andere erneuerbare Energien Thema sein?

Dohler: Onshore-Wind ist die Stärke des neuen Joint Ventures, das wollen wir nutzen. Aber wir wollen auch andere Optionen nutzen. Freiflächen-Photovoltaik ist sicher ein Thema. Schließlich wollen wir deutlich wachsen.

ne: In meinem im November mit der Enercon-Geschäftsführung geführten Interview hatten wir intensiv über die laufende Restrukturierung des Unternehmens diskutiert. Wie muss man diesen Prozess im Zusammenhang mit dem Joint Venture sehen? Geht es auch um Synergien und mehr Effizienz?

Janssen: Nein. Es geht darum, unser Unternehmensziel noch besser verfolgen zu können. Wir wollen unsere Kernkompetenzen für die ENERCON-Gruppe, die Anlagenherstellung und den Anlagenservice stärken. Deshalb haben wir einen Partner für den Bereich Projektierung und Betrieb eigener Windparks einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen gesucht. Für einen Hersteller ist es eigentlich nicht möglich, zu immer günstigeren Preisen auf dem Weltmarkt anbieten zu können und gleichzeitig den Aufbau eigener Windenergieanlagen zu betreiben.

ne: Ganz praktisch betrachtet, wie werden die Bereiche von EWE und Enercon zusammengeführt?

Dohler: Wir führen die jeweiligen Gesellschaften von EWE und Enercon einschließlich des gesamten Personals in der neuen GmbH zusammen. Anfangs werden wir seitens der Stammhäuser sicher noch in bestimmten Bereichen unterstützen, zum Beispiel bei der IT oder beim Personalservice. Wir werden auch als privilegierte strategische Marktpartner zur Verfügung stehen. Ziel ist es aber, eine eigenständige Marke zu etablieren, die aus sich selbst heraus erfolgreich sein soll.

ne: Das erklärt den Ansatz, dass Alterric prinzipiell herstellerunabhängig arbeiten soll?

Janssen: Genau. Das Ziel der beiden Gesellschafter ist, unser Joint Venture so gut wie möglich am Markt zu platzieren. Man darf sich dabei also nicht gleich von Anfang an selbst Ketten anlegen. Es geht darum, wettbewerbsfähig zu sein. Das funktioniert nicht, wenn Alterric gezwungen wäre, nur bei einem Hersteller Anlagen zu kaufen.

ne: Wird es durch die Zusammenführung zu Stellenabbau kommen?

Dohler: Im Gegenteil. Wir planen einen starken Aufbau in den nächsten Jahren, wir brauchen die Kompetenzen. Denn wir sprechen ja davon, dass hier ein großer Player entsteht, mit einer Bilanzsumme von drei Milliarden Euro und einem Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren. Mit 200 Mitarbeitern ist das perspektivisch nicht zu leisten.

Janssen: Wobei aufgrund der verschiedenen Standorte die Mitarbeiter auch nicht gezwungen sein werden, umzuziehen. Es geht darum, ein Unternehmen mit einer gut ausgewählten Mannschaft aus beiden Häusern aufzustellen und die gesetzten Ziele umzusetzen. Das führt natürlich dazu, dass zum Beispiel auf der Enercon-Seite die Projektentwicklungsteams fehlen werden. Die Enercon-Gruppe möchte das Projektgeschäft aber nicht aufgeben. Vielmehr wird Alterric an dieser Stelle zu unserem Dienstleister.

ne: Das operative Geschäft wird in den Händen der EWE liegen, der Vorsitz im Aufsichtsrat geht an die Aloys-Wobben-Stiftung. Wie kam es zu genau dieser Arbeitsteilung?

Dohler: Die EWE hat bei der Betriebsführung und bei der Vermarktung bereits viel Erfahrung, deshalb passt die operative Führung gut zu unserer Expertise. Aber wir haben uns zu einer 50:50-Partnerschaft entschlossen und agieren auf Augenhöhe. Deshalb ging der Aufsichtsratsvorsitz an die AWS.

Janssen: Solch ein Gemeinschaftsunternehmen wird ja für Jahrzehnte geplant. Wir haben uns dabei die Frage gestellt, wie bei einer gleichgewichteten Beteiligung vermieden werden kann, dass es bei anstehenden Entscheidungen irgendwann zu einer Pattsituation kommt. Die jetzt gewählte Struktur scheint mir dafür eine sehr gute Lösung zu sein. Wobei aufgrund der Unternehmensform wesentliche Entscheidungen von den beiden Gesellschaftern getroffen werden.

Dies ist eine gekürzte Fassung des Interviews. Den ausführlichen Text lesen Sie in der Ausgabe 05/2021 von neue energie.

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