Braunkohle-Verkauf

Vattenfalls Kohle geht an EPH

Clemens Weiß – energiezukunft.eu, 19.04.16
Der tschechische Kohlekonzern EPH übernimmt das Lausitzer Braunkohlegeschäft von Vattenfall. Die Tschechen kaufen in ganz Europa alte Kohlekraftwerke und setzen damit auf eine langsame Energiewende.

Die erfolgreichen Verkaufsverhandlungen gaben beide Seiten am Montag in Berlin bekannt. EPH übernimmt von Vattenfall unter anderem vier Braunkohletagebaue und drei Kraftwerke, die zu den schmutzigsten Europas zählen. EPH galt als Favorit für den Zuschlag, dem Unternehmen gehört bereits seit 2012 der mitteldeutsche Braunkohleförderer MIBRAG aus Sachsen-Anhalt. Als zweiter Bieter war bis zum Ende noch das ebenfalls tschechische Unternehmen Czech Coal Group im Rennen. Auch der deutsche Konzern Steag aus Essen hatte mit dem Vorschlag eines Stiftungsmodells keinen Erfolg. Das letzte Wort hat nun die schwedische Regierung. Sie muss dem Deal des Staatskonzerns noch zustimmen und dürfte dies wohl auch tun, da sie die schmutzige Braunkohle abstoßen und die CO2-Emissionen des Konzerns drastisch reduzieren will.

Zwar gehört EPH mittlerweile zu den größten Energieversorgungsunternehmen Europas, dennoch ist nicht viel über das Unternehmen mit Sitz in Prag bekannt. Die Konzernstruktur mit Holding-Gesellschaften, die laut dem Rundfunk Berlin-Brandenburg größtenteils im Steuerparadies Zypern angesiedelt sind, ist unübersichtlich. Zwei Drittel der Unternehmensanteile hält der tschechische Millionär Daniel Kretínský gemeinsam mit dem slowakischen Geschäftsmann Patrik Tkác. Die Investment-Firma J&T, bei der Kretínský als Partner arbeitete, kontrolliert die restlichen Anteile.

Tschechischer Millionär steht hinter EPH

Besonders in Westeuropa wollen oder müssen viele alte Energiekonzerne ihre Kohlekraftwerke oder ganze Sparten verkaufen. Ihnen ist der Markt aufgrund des Wandels in der Energiepolitik zu ungewiss geworden oder sie sind in finanzielle Schieflage geraten. EPH kommt so günstig an schmutzige Kraftwerke, die wegen der unsicheren Zukunft oft unter Wert verkauft werden. Kretínský wettet darauf, dass die Energiewende doch nicht so schnell vorangeht und versucht, mit den fossilen Anlagen weiter Geld zu machen.

Greenpeace nennt den Verkauf des Vattenfall-Braunkohlegeschäfts an EPH „skandalös“. „Wenn die schwedische Regierung jemals an das Klimaabkommen geglaubt hat, dann darf sie diesen schmutzigen Deal nicht durchwinken. Verantwortung für den Klimaschutz lässt sich nicht verkaufen“, sagte Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid. Die Probleme der Braunkohle samt ihrer hohen Folgekosten würden durch den Deal nur anderen aufgehalst und am Ende müsse womöglich der deutsche Steuerzahler dafür aufkommen, so Smid. Der schwedische Ableger der Umweltschutzorganisation hatte ursprünglich ebenfalls ein Angebot für Vattenfalls Braunkohle eingereicht. Der Plan für ein Stiftungsmodell, mit dem bis 2030 der Kohleausstieg in der Region umgesetzt werden sollte, wurde jedoch vom Verfahren ausgeschlossen.

Clemens Weiß – energiezukunft.eu

 

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