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Photovoltaik

Solarworld ist pleite

Foto: Jürgen Lösel/Zentralbild/dpa

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Mit Solarworld streicht auch der letzte verbliebene deutsche Modulhersteller die Segel.

Michael Hahn, 11.05.17
Die Umstrukturierung ist gescheitert, Solarworld geht in die Insolvenz. Erst im Februar hatte der PV-Spezialist Sparmaßnahmen und Stellenabbau angekündigt. Stark gesunkene Modulpreise, Billigimporte und Schadensersatzforderungen setzten dem Unternehmen zu.

In einer Ad-hoc-Mitteilung erklärte der angeschlagene Bonner Photovoltaik-Konzern am Mittwochabend (10. Mai), „dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht, die Gesellschaft damit überschuldet ist und somit eine Insolvenzantragspflicht besteht“. Einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht werde der Vorstand unverzüglich stellen. Für die Solarworld-Tochtergesellschaften werde die jeweilige Insolvenzantragspflicht geprüft.

„Dies ist ein bitterer Schritt für Solarworld, den Vorstand und die Belegschaft und auch für die Solarindustrie in Deutschland. Wir werden uns nach allen Kräften dafür einsetzen, so viele Arbeitsplätze und Produktionen wie möglich zu erhalten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Frank Asbeck. Mit Solarworld streicht auch der letzte verbliebene deutsche Modulhersteller die Segel, die Krise in der PV-Branche setzt sich fort.

Schon 2013 drohte Insolvenz

Noch im Februar versuchte Asbeck, Solarworld durch Stellenabbau und Umstrukturierung zu retten. Dabei sollte bis 2019 die Anzahl der weltweit mehr als 3300 Mitarbeiter um rund 400 reduziert werden. Wie das Unternehmen damals mitteilte, wollte es sich zukünftig vollständig auf die Herstellung und den Vertrieb von Produkten konzentrieren, die auf monokristalliner Siliziumtechnologie und der sogenannten PERC-Technologie (Passivated Emitter Rear Cell) basieren. Dafür sollte die Produktion an den Standorten in Thüringen und Sachsen gebündelt werden. Dies verringere den Aufwand bei Produktion, Vertrieb und Verwaltung und senke damit auch den Personalbedarf.

Schon 2013 stand Solarworld kurz vor der Insolvenz und konnte nur weitermachen, weil die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichteten. Wegen stark sinkender Modulpreise und Billigimporten aus Asien war das Unternehmen erneut in wirtschaftliche Schieflage geraten und verzeichnete 2016 einen Verlust von 92 Millionen Euro. Auch gerichtlich bestätigte Schadensersatzforderungen des amerikanischen Siliziumherstellers Hemlock in Höhe von mehr als 720 Millionen US-Dollar wegen nicht eingehaltener Lieferverträge bedrohten das Unternehmen. Gegen das Urteil hatte Solarworld Berufung eingelegt, das zweite Verfahren steht noch aus.

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