„Haus mit Zukunft“

Solarstrom für Mieter lohnt sich noch

Nicole Allé – energiezukunft.eu, 07.08.14
Durch die EEG-Novelle gibt es neue Hürden für Mieterstrom aus Photovoltaikanlagen, er wird schlechter gestellt als der Eigenverbrauch privater Hausbesitzer. Dennoch ist den Bürgern die Lust an der ökologischen Energieerzeugung noch längst nicht abhandengekommen. Ein nachhaltiges Bauprojekt in Regensburg zeigt, was trotz EEG-Reform möglich ist.

Das „Haus mit Zukunft“, ein genossenschaftliches Mehr-Generationen-Wohnprojekt für 35 Haushalte im Regensburger Stadtteil Burgweinting, wird derzeit von der Wohnungsbaugenossenschaft NaBau eG errichtet. In dem Neubau stammen Strom und Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. „Nicht nur der Strom für die Wohneinheiten, der Hausstrom, der Strom für die Elektroauto-Ladestation und die Wärmepumpe kommt aus regenerativen Quellen – wir gehen einen Schritt weiter und versorgen uns zum Teil direkt mit Solarstrom vom Dach“, erläutert Michael Kroll, Vorstand der NaBau.

Auf zwei Dächern des Hauses – das dritte ist der Solarthermie vorbehalten – betreibt die Bürgerenergiegenossenschaft Region Regensburg eG (BERR) Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von 97,9 Kilowatt. Diese sollen pro Jahr rund 91 000 Kilowattstunden Ökostrom liefern. Rund 25 Prozent des Stroms werden dann direkt vor Ort von den Verbrauchern einschließlich der Wärmepumpe abgenommen, die überschüssigen Strommengen ins Netz eingespeist.

„Der Grundgedanke unserer Genossenschaft ist, auch jenen eine aktive Rolle bei der Energiewende zu ermöglichen, die nicht über ein eigenes Dach verfügen – im ersten Schritt durch eine Beteiligung an einer unserer Photovoltaikanlagen“, sagt BERR-Vorstand Joachim Scherrer. „Durch die Mieter-Solartarife können darüber hinaus noch weitere Haushalte von den stark gesunkenen Preisen für Sonnenstrom profitieren. Das ist ein toller Schritt auf dem Weg zu einer dezentralen, bürgernahen Energiewende.“

Gemeinsam mit dem Ökostromhändler Naturstrom bietet die BERR den künftigen Mietern des Hauses einen Stromvertrag an, der die Belieferung aus dem Solarstrom vom „eigenen“ Dach in Kombination mit Strom des Energieversorgers beinhaltet. Mit 24,16 Cent brutto liegt der Arbeitspreis für den Verbrauch einer Kilowattstunde Strom dabei rund vier Cent unterhalb des bundesweit durchschnittlichen Grundversorgungstarifs.

Mittels eines Solar-Log-Systems könnte in Zukunft auch das Verbraucherverhalten der Stromabnehmer ausgewertet und visualisiert werden – ein wichtiger Schritt in Richtung einer optimierten Direktversorgung. Der Stromverbrauch könnte so in jene Zeiten verlagert werden, zu denen die hauseigene Photovoltaikanlage besonders viel Sonnenstrom liefert. „Das Projekt zeichnet sich durch eine besonders günstige Konstellation aus“, sagt Naturstrom-Projektleiter Norbert Müller. „Ohne die zu erwartende sehr hohe Beteiligung an der solaren Direktbelieferung wäre das Projekt womöglich nicht zu realisieren gewesen. Dennoch sehen wir Potenzial für solche Projekte.“

Seit Inkrafttreten der EEG-Novelle am 1. August dieses Jahres müssen Mieter für die Lieferung lokal erzeugten Solarstroms die volle EEG-Umlage zahlen, selbst wenn dieser auf dem eigenen Dach erzeugt wird. Das bislang geltende solare Grünstromprivileg, bei dem Energieversorger ihren Kunden einen Rabatt von zwei Cent pro Kilowattstunde auf den in unmittelbarer räumlicher Nähe produzierten Sonnenstrom einräumen konnten, wurde von der Bundesregierung auf Druck der EU-Kommission abgeschafft. Im Gegensatz zu Mietern bleiben selbstversorgende Eigenheimbesitzer jedoch von der EEG-Umlage befreit, sofern ihre Anlagen die Bagatellgrenze von zehn Kilowatt installierter Leistung nicht überschreiten.

Nicole Allé – energiezukunft.eu

 

 

 

 

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