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RWE-Bilanz 2014

Sehr schlecht, wie erwartet

Tim Altegör, 11.03.15
Dem Energiekonzern RWE macht die Energiewende weiter schwer zu schaffen: 2014 brach das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent ein. Während Vorstandschef Peter Terium den Blick auf neue Geschäftsmodelle richtet, prognostiziert eine Studie den Konzernen auch künftig schwierige Zeiten – und sieht die Schuld dafür beim Management.

Die Krise der ehemals marktbeherrschenden Energiekonzerne hält an. Bei der Vorstellung der RWE-Bilanz für 2014 musste Vorstandschef Peter Terium verkünden, dass die Geschäfte zurückgehen. Fast alle Kennziffern haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert: RWE hat weniger Strom und Gas verkauft, insgesamt ist der Umsatz um 7,5 Prozent zurückgegangen. Das Betriebsergebnis ist sogar um ein Viertel gesunken, es liegt nun bei vier Milliarden Euro (2013: 5,37 Milliarden).

Das Unternehmen hat seine Investitionen um 13,5 Prozent reduziert und knapp acht Prozent weniger Mitarbeiter als noch im Vorjahr. Einen der wenigen Anstiege verzeichnete der Schuldenstand: Er erhöhte sich leicht von 30,7 auf 31 Milliarden Euro. Bei RWE waren die negativen Zahlen bereits erwartet worden: Man habe seine Ertragsziele für 2014 erreicht, verkündete das Unternehmen.

Terium, dessen Vertrag jüngst bis 2021 verlängert wurde, sagte bei der Vorstellung der Zahlen, der Konzern habe getan was in seiner Macht stehe. Allerdings verschlechtere sich die Situation konventioneller Stromerzeugung „schneller und stärker als wir gegensteuern können.“ Das werde „auch weiterhin unsere Ertragssituation prägen“. Die Zukunft sieht der RWE-Chef vor allem in neuen Geschäftsmodellen für Energiekunden wie „smarten“ Messgeräte. Auch die Erzeugung aus erneuerbaren Energien solle weiter ausgebaut werden. Bis 2017 wolle man rund eine Milliarde Euro vor allem in Windenergieprojekte investieren.

Allerdings bedeutet das für die Erneuerbaren-Sparte RWE Innogy einen Einschnitt: Allein im Jahr 2014 konnte sie laut Terium noch 750 Millionen Euro in Projekte stecken. Am Ende stand auch hier ein Rückgang von acht Prozent beim Betriebsergebnis auf 186 Millionen Euro. RWE nennt als Grund in erster Linie außerplanmäßige Abschreibungen auf ein schottisches Biomassekraftwerk.

Zweifel am Kurswechsel

Ob die Energiekonzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW überhaupt zu einem solchen Kurswechsel in der Lage sind, daran meldet eine aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace starke Zweifel an. „Es wird ganz schwer für die großen Vier, in die Märkte für erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen zu gehen. Diese Märkte halten wir für verteilt“, sagte Heinz-Josef Bontrup von der Westfälischen Hochschule, Co-Autor von „Die Zukunft der großen Energieversorger“, bei der Präsentation.

Die ehemaligen Oligopolisten hätten nach der Öffnung des Strommarkts ab 1998 und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zu lange an ihren atomar-fossilen Geschäftsmodellen festgehalten, so das Fazit der Studie, die Bontrop gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Marquardt verfasst hat. Die Ursache für die prekäre Wirtschaftslage der Konzerne sehen sie entsprechend nicht in der Energiewende selbst. „Man kann schlicht und ergreifend sagen: Das Management hat den Strategiewechsel verpennt“, so Marquardt.

Das treffe nun vor allem die Beschäftigten. Auch Terium machte deutlich, dass die Zahl der Mitarbeiter bei RWE weiter zurückgehen werde. Das sei jedoch wiederum problematisch für eine radikale Neuausrichtung, so die Autoren. Hierfür fehle zudem das Kapital, das in fossilen Kraftwerken gebunden sei. Immerhin: Bei RWE werden die Schulden im kommenden Bericht aller Voraussicht nach geringer ausfallen. Der Verkauf der Tochtergesellschaft RWE Dea, die in der Öl- und Gasförderung tätig ist, an den russischen Oligarchen Mikhail Fridman soll 5,1 Milliarden Euro in die Kassen spülen.

 

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