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Firmenübernahme

MVV holt sich Windwärts

Isaac Bah, 26.09.14
Das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie weitet sein Erneuerbaren-Engagement aus und übernimmt überraschend den insolventen Hannoveraner Windprojektentwickler Windwärts. Zuvor war in den vergangenen Wochen spekuliert worden, dass der Energieversorger einen Einstieg beim angeschlagenen Wörrstädter Erneuerbaren-Projektentwickler Juwi vorbereitet.

Drei Milliarden Euro will die MVV Energie AG bis 2020 in erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Kraft-Wärme-Kopplung, energetische Abfallnutzung und den Ausbau umweltfreundlicher Fernwärme investieren. Das hatte das Mannheimer Energieunternehmen, aktuell der siebtgrößte deutsche Stromversorger, im Februar bei der Vorstellung des ersten Quartalsberichts 2014 angekündigt. Während in den vergangenen Wochen nach entsprechenden Berichten des Handelsblatts verstärkt über einen Einstieg der MVV beim angeschlagenen Erneuerbaren-Projektentwickler Juwi spekuliert worden war, machte das Unternehmen an anderer Stelle bereits Nägel mit Köpfen.

Etwas überraschend teilte die MVV Energie Ende September mit, dass sie zum 1. Oktober den insolventen niedersächsischen Projektentwickler Windwärts übernehmen werde. „Wir decken damit auch im Bereich der erneuerbaren Energien die gesamte Wertschöpfungskette von der Projektentwicklung über den Anlagenbetrieb bis zur Stromvermarktung ab“, sagte der Vorstandsvorsitzende der MVV Energie, Georg Müller. Gleichzeitig solle so auch die Verknüpfung erneuerbarer und konventioneller Energien vorangetrieben werden, einer der strategischen Ansätze der MVV Energie. Windwärts sei der ideale Partner, um am Wachstum der erneuerbaren Energien teilzunehmen, so Müller. Das Unternehmen werde im Zuge im Zuge der Übernahme auf eine MVV-Gesellschaft übertragen und in die Konzernstruktur des Energieunternehmens eingegliedert, hieß es in einer Mitteilung des Hannoveraner Projektentwicklers. Der Firmenname bleibe dabei ebenso erhalten wie auch der Standort in Hannover.

Auch die nach der Restrukturierung verbleibenden 90 Windwärts-Mitarbeiter gehen demnach in die neue Gesellschaft über, die von Windwärts-Gründer Lothar Schulze und Björn Wenzlaff als Geschäftsführer geleitet werden soll. Dabei soll Wenzlaff, der zugleich Geschäftsführer der MVVWindenergie GmbH ist, laut Windwärts-Insolvenzverwalter Volker Römermann künftig die operative Leitung des Unternehmens übernehmen. Über den Kaufpreis machen die Unternehmen keine Angaben. Laut Windwärts ist aber gesichert, dass nicht nur die vorrangigen Gläubiger n ihre Forderungen in voller Höhe beglichen bekommen, sondern auch die Inhaber von Windwärts-Genussrechten etwa ein Drittel ihres angelegten Geldes zurück erhalten. Diese für ein Insolvenzverfahren außerordentlich hohe Quote hatte Römermann bereits auf der Gläubigerversammlung Ende Juli 2014 als Zielsetzung genannt. „Was ich in der Gläubigerversammlung als hochgestecktes Ziel angekündigt habe, das haben wir im Wesentlichen erreicht“, sagte Römermann. Laut Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wurde der Wert des Unternehmens bei der Versammlung auf 20 Millionen Euro taxiert.

Angesichts der drei Milliarden Euro, die MVV Energie in den kommenden Jahren in Erneuerbare investieren möchte, ein moderater Preis, der Spielraum für weitere Akquisitionen und Beteiligungen lässt. Auch für einen möglichen Einstieg bei Juwi?  „Für sinnvolle Investments bei den Erneuerbaren halten wir unsere Augen entlang der gesamten Wertschöpfungskette offen. Das beginnt bei der Projektentwicklung und geht über den Anlagenbereich bis hin zur Vermarktung“, sagte ein MVV-Sprecher.

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