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Wind-Europe-Statistik 2017

Zubaurekord mit Vorbehalten

Isaac Bah, 08.03.18
Der europäische Windenergie-Dachverband Wind Europe hat im vergangenen Jahr einen Rekordzubau von Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen verzeichnet. Allein in den 28 EU-Mitgliedsstaaten stieg die installierte Leistung um 15,7 Gigawatt.

Laut Wind Europe hat die Zahl der Windparks in der  EU gegenüber 2016 um 20 Prozent zugenommen. In Leistung umgerechnet betrug der Zuwachs bei der Windenergie an Land 12,5 Gigawatt (GW), die Offshore-Wind-Kapazität verzeichnete ein Plus von 3,2 GW. Für Gesamt-Europa – inklusive EU-Aufnahmekandidaten, assoziierten Staaten und kontinental zugehörigen Ländern – weist der Verband Neuinstallationen im Umfang von 16,8 GW aus.

Kumuliert beträgt die Leistung aller EU-Windkraftanlagen rund 169 GW. Damit verfügen lediglich die europäischen Gaskraftwerke mit insgesamt 188 GW über eine höhere Energieerzeugungskapazität. Bereits 2016 hatte Windkraft die Kohle als zweithäufigste Energiequelle abgelöst, 2017 ist der Abstand zu dem fossilen Energieträger weiter gewachsen.

Deutschland legt vor

Maßgeblichen Anteil am europäischen Zubaurekord hatten die Märkte in Deutschland (6,6 GW), Großbritannien (4,3 GW) und Frankreich (1,7 GW), auf die vier Fünftel der Neuinstallationen entfielen. Nationale Rekorde gab es zudem auch inBelgien (476 Megawatt (MW)), Irland (426 MW) und Kroatien (147 MW).

Mit nunmehr 56 GW an installierter Leistung baute Deutschland seinen Status als europäisches Windenergieland Nummer eins weiter aus. Auf den Plätzen folgen Spanien (23 GW), Großbritannien (19 GW) and Frankreich (14 GW). Auch gemessen am tatsächlich geleisteten Beitrag zur Energieversorgung innerhalb der EU war 2017 mit 336 Terawattstunden ein Rekordjahr, der Wert entspricht zwölf Prozent des gesamten Stromverbrauchs in den Mitgliedsstaaten.

Die europäischen Zahlen korrespondieren mit starken weltweiten Zubauwerten. Das vierte Jahr in Folge lag die kumulierte Leistung der Neuinstallationen jenseits der  50-Gigawattmarke. Laut statistischer Auswertung des internationalen Branchenverbands Global Wind Energy Council (GWEC) lag der Zubau zum Jahresende 2017 bei rund 53 Gigawatt (GW). Damit hat die global installierte Windenergieleistung erstmals 500 GW überschritten und liegt mittlerweile bei 540 GW.

Preis und Leistung stimmen

In Anbetracht der Gesamtentwicklung zeigte sich Wind-Europe-Geschäftsführer Giles Dickson zufrieden. Das starke Jahr 2017 zeige, dass Windenergie im Mainstream angekommen sei und Leistung und Preis stimmten. Sie sei „günstig, zusehends stabil und auch Kunden aus dem Industriesektor betrachten sie mittlerweile als bevorzugte Form der Energieversorgung“, so Dickson.  

Dennoch können die Rekorde nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung in der Branche eher gedrückt ist. Experten gehen für 2018 von einem rückläufigen Zubau aus. Mit Blick auf die in vielen Ländern eingeführten Ausschreibungsverfahren könnten die damit verbundenen Unsicherheiten in den kommenden Jahren zu einer Verringerung der Investitionen in die Windenergie führen, befürchtet man in der Branche.

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