Mögliche Firmenübernahmen

Windbranche im Umbruch

Tim Altegör, 10.10.19
Die Gerüchtewelle zu Übernahmen in der Windbranche rollt, beim Windradbauer Nordex und dem Projektentwickler PNE wird es konkret – während andere Branchengrößen Stellen abbauen.

Es geht gerade Schlag auf Schlag in der Windenergiebranche. Am 8. Oktober vermeldete der spanische Acciona-Konzern, dass er seine Anteile am deutschen Windkraftanlagenhersteller Nordex mit einer Investition von 99 Millionen Euro von knapp unter 30 auf 36,27 Prozent erhöht habe. Durch das Überschreiten der 30-Prozent-Marke muss nun ein Übernahmeangebot folgen. Acciona bietet den Aktionären 10,32 Euro je Aktie. Deren Wert schwankte in den vergangenen zwölf Monaten zwischen acht und 15 Euro.

Bereits zwei Tage später, am 10. Oktober, wurde die nächste mögliche Übernahme bekannt. Der Projektentwickler PNE mit Sitz in Cuxhaven hat demnach eine Vereinbarung mit der Photon Management GmbH geschlossen hat, einer Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die bietet nun vier Euro je PNE-Aktie, deren längerfristiger Kurs zuvor um 2,50 bis 3,70 Euro lag.

Der PNE-Vorstandsvorsitzende Markus Lesser bezeichnete den Aufschlag als „ attraktive Prämie für unsere Aktionäre“. Der neue Investor in spe, der laut Erklärung schon elf Prozent der Anteile übernommen hat, habe sich zu den Mitarbeitern und Geschäftsbereichen von PNE sowie zur Strategie „Scale Up“ bekannt. Sie besagt, dass PNE sein Portfolio als Windparkentwickler stärker diversifiziert und unter anderem das Servicegeschäft ausbaut.

Weniger Zubau, mehr Kostendruck

Hintergrund für die Gemengelage ist die komplizierte Situation, in der sich die Branche im einstigen Vorzeigemarkt Deutschland befindet. Der Bau neuer Onshore-Windparks ist massiv eingebrochen, die Bundesregierung sendet dennoch das Signal, einen deutlich gebremsten Zubau bis 2030 anzupeilen.

Zudem nimmt der Kostendruck auf die Hersteller kontinuierlich zu. Ende September verkündete der dänische Anlagenbauer Vestas, im Zuge einer Umstellung der Produktpalette 590 Jobs zu streichen, 500 davon in der Rotorenfertigung im brandenburgischen Lauchhammer. Beim Konkurrenten Siemens Gamesa stehen laut Medienberichten 600 Stellen in Dänemark in Frage.

Acciona betonte in seiner Erklärung zum Übernahmeangebot die „soliden Wachstumsperspektiven“ bei Nordex, aber auch das „herausfordernde Marktumfeld“ im Windsektor. Eine weitere Marktgröße, der Hersteller Senvion, hat im April Insolvenz angemeldet und steht nun wohl vor der Zerschlagung. Laut einer Mitteilung vom September könnte Siemens Gamesa ausgewählte Unternehmensteile aufkaufen.

 

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