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Unep-Bericht

Weniger Investitionen, mehr Erneuerbare

Foto: Wladimir Bulgar/Shotshop/picture alliance

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Michael Hahn, 07.04.17
Ein aktueller Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen betrachtet die weltweite Entwicklung der erneuerbaren Energien: Die Investitionen nehmen ab, der Ausbau nimmt zu, die Kosten sinken. Für die Klimaziele muss aber noch deutlich mehr passieren, sagen Experten.

Weltweit weniger Investitionen, aber trotzdem mehr Ausbau – die Erneuerbaren werden immer günstiger. Das ist das Ergebnis des Berichts „Global Trends in Renewable Energy Investment“ der am Donnerstag (6. April) veröffentlicht wurde. Erstellt wurde er vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School und Bloomberg New Energy Finance.

Demnach sind die globalen Investitionen in Erneuerbare 2016 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 241,6 Milliarden US-Dollar gesunken. Der Rückgang sei vor allem auf die gesunkenen Kosten von Wind und Co zurückzuführen, so der Bericht. Denn gleichzeitig ist die neu installierte Ökostrom-Leistung um acht Prozent auf 138,5 Gigawatt (GW) gestiegen. In 2015 waren es 127,5 GW.

Der Anteil der Erneuerbaren-Stromerzeugung steigt dadurch auf 11,3 Prozent (2015: 10,3 Prozent). So würden zusätzliche circa 1,7 Gigatonnen an Kohlenstoffdioxid-Ausstoß vermieden, heißt es in dem Papier. Die Autoren stellten jedoch einen Rückgang beim Ausbau der Windenergie fest, von 63 GW in 2015 auf 54 GW letztes Jahr. Solar hingegen kletterte auf einen Spitzenwert von 75 GW.

Ausbautempo reicht nicht für Klimaschutz

„Photovoltaik- und Windkraftanlagen gehören in vielen Regionen der Erde inzwischen zu den preiswertesten Möglichkeiten, mit Neuanlagen Strom zu erzeugen. Die vergleichsweise geringen Steigerungen bei der Stromerzeugung zeigen aber auch, dass der Ausbau erneuerbarer Energien noch lange nicht das für den Klimaschutz nötige Tempo aufweist“, kommentiert Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Neben den gesunkenen Technologiekosten seien auch schwächelnde Märkte in China, Japan und einigen Schwellenländern die Ursache für den Investitionsrückgang, sagen die Autoren des Unep-Berichts. In China etwa wurde mit 78,3 Milliarden US-Dollar 32 Prozent weniger in Erneuerbare gesteckt und somit ein elfjähriger Aufwärtstrend durchbrochen. In Europa hingegen haben 59,8 Milliarden US-Dollar zu drei Prozent mehr Investitionen geführt, hauptsächlich in Offhore-Wind. Deutschland landete hier mit 13,2 Milliarden US-Dollar nach England (24 Milliarden) auf Platz zwei der größten Erneuerbaren-Finanzierer – ein Rückgang von 14 Prozent zu 2015.

Kohlerenaissance noch nicht zu Ende

In der Bundesrepublik sind Zubau und Umsatz laut Volker Quaschning überproportional zurückgegangen. „Während im Jahr 2012 noch 7,6 Gigawatt an neuen Photovoltaikanlagen installiert wurden, ist die Zahl der Neuinstallationen im Jahr 2016 auf gerade einmal 1,5 Gigawatt geschrumpft.“ Bei der Windenergie sei bislang noch kein entsprechender Einbruch zu verzeichnen. Die Bundesregierung plane aber, auch den Zubau an Windkraftanlagen deutlich zurückzufahren. „Damit hat Deutschland keinerlei Chance, die Verpflichtungen des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten“, sagt Quaschning, der Mitte vergangenen Jahres eine Studie vorgestellt hatte, die einen weitaus stärkeren Zubau für nötig erachtet.

Auch international gesehen warnen Experten vor zu viel Enthusiasmus angesichts des aktuellen Berichts: „Die erneuerbaren Energien setzen auch global ihren Siegeszug fort – daran ändern auch leichte Rückgänge in den Investitionen im Jahr 2016 nicht viel. Trotzdem erscheint die Kohle in vielen Regionen noch immer als zu billig“, sagt Jan Steckel, Leiter der Arbeitsgruppe Klimaschutz und Entwicklung beim Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate. Im Schnitt gingen weltweit pro Woche ungefähr fünf neue Kohlekraftwerke ans Netz. Der Wert unterscheide sich nicht signifikant vom Ausbautempo der letzten zehn Jahre. „Die Kohlerenaissance ist also noch nicht zu Ende“, warnt Steckel.

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