Ausschreibungen

Was bringt der Bieter-Wettbewerb?

Nic Bothma/EPA/picture alliance

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Der Windpark Jeffreys Bay in Südafrika. In dem Land wurden 100 Prozent aller Windparks aus den ersten drei Auktionen bis zum jeweiligen Fristende gebaut.

Michael Hahn, 07.06.18
Weltweit wird der Ausbau von erneuerbaren Energien immer öfter durch Ausschreibungen geregelt. Eine aktuelle Studie hat einzelne Länder genauer unter die Lupe genommen und untersucht, wie sich das Instrument auf Preise, Ausbauziele und Akteursvielfalt auswirkt.

Immer mehr Länder setzen bei der Erneuerbaren-Vergütung auf Ausschreibungen. Dabei werden Ausbaukapazitäten an diejenigen versteigert, die die Energie am günstigsten produzieren wollen. In der Theorie sollen mit dem Instrument die Preise durch den Wettbewerb zwischen den Bietern sinken. Kritiker bezweifeln dagegen, dass so die für den Klimaschutz dringend nötigen Erneuerbaren-Mengen erreicht werden. Zudem steht die Befürchtung im Raum, dass Großkonzerne gegenüber kleineren Akteuren profitieren, weil sie das Risiko erfolgloser Gebote besser schultern können.

Eine Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (Izes) im Auftrag des österreichischen Verbands IG Windkraft ist nun der Frage nachgegangen, was sich aus den bisherigen Erfahrungen mit Ausschreibungen für Windenergie in den Ländern Argentinien, Brasilien, Deutschland, Italien, Spanien und Südafrika lernen lässt. Neben der Kostenentwicklung wurden dabei die Zielerreichung des Erneuerbaren-Ausbaus und die Akteursstruktur analysiert. Die Studie wurde heute (7. Juni) in Wien vorgestellt und lag neue energie vorab vor.

Kosten sinken auch ohne Ausschreibungen

In fast allen untersuchten Märkten gingen die Vergütungen der Studie zufolge mit jeder Ausschreibungsrunde zurück. Lediglich in Ländern, in denen die Teilnahmebedingungen erschwert wurden, stiegen die Preise wieder. Ein Beispiel ist Deutschland, wo für die Auktionen in 2018 eine Ausnahmeregel entfällt, sodass die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz für alle Bieter vorausgesetzt wird. In der ersten Runde stieg der Preis daraufhin wieder leicht an.

Die Autorinnen kommen jedoch zu dem Schluss, dass „die Kosten neuer Windenergieprojekte weltweit ohnehin seit Dekaden und insbesondere seit 2012 konstant rückläufig sind, in vielen Ländern jedoch andere Politikinstrumente als Ausschreibungen genutzt werden.“ Sinkende Preise sind demnach also nicht unbedingt den Ausschreibungen zu verdanken.

Bereits 2014 hatte das Izes, damals im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie, internationale Märkte untersucht und war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ein weiteres Ergebnis war damals, dass mit Ausschreibungen die Ausbauziele häufig verfehlt wurden. Das lag vor allem an den geringen Realisierungsquoten von vielen Projekten. Dabei versprechen sich Befürworter des Instruments genau das Gegenteil: Die zielgenaue Steuerbarkeit des Ausbaus.

Höchste Realisierungsrate in Südafrika

Auch 2018 kommen die Studienautorinnen zu keinem durchweg positiven Ergebnis, was die Zielerreichung beim Erneuerbaren-Ausbau angeht. So gebe es in Italien mit knapp 80 Prozent eine relativ hohe Realisierungsrate. Das liege aber nur daran, dass die Fristen für die Umsetzung der Projekte erheblich verlängert worden seien. Ebenso in Brasilien, wo es starke Verzögerungen gegeben habe und der Anteil der tatsächlich gebauten Projekte ebenfalls erst nach Fristverlängerungen deutlich anstieg.

Für Spanien, Argentinien und Deutschland waren noch keine Aussagen möglich, da die Fristen für die Umsetzung der Projekte erst begonnen hatten. Deutschland etwa vergibt Zuschläge für Windkraftprojekte erst seit 2017 über Auktionen.

Lediglich Südafrika bescheinigt die Studie „hervorragende Ergebnisse“. Hier wurden alle Windparks aus den ersten drei Auktionen (2011 bis 2013) bis zum jeweiligen Fristende gebaut. „Südafrika ist weltweit insofern eine Ausnahme, als über mehrere Runden 100 Prozent der Projekte umgesetzt wurden“, sagt Katherina Grashof vom Izes.

Große Konzerne dominieren Markt

Der Erfolg habe jedoch seinen Preis: Die Teilnahmebedingungen seien „extrem anspruchsvoll“ gewesen, sodass nach dem Zuschlag praktisch keine Risiken verblieben. Für die Bieter bedeutet das sehr umfangreiche Vorbereitungen, auf deren Kosten sie ohne Zuschlag sitzen bleiben.

Als Konsequenz wird der Markt dort von großen internationalen Konzernen dominiert – von Akteursvielfalt keine Spur. Auch in Brasilien und Spanien stellt die Studie eine Tendenz zur Marktkonzentration fest.

„Leider hat die Studie des Izes unsere Befürchtungen klar bestätigt, dass es zur Zeit bei Windfördersystemen in vielen Ländern große Schwierigkeiten gibt“, sagt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. In Österreich stünden gerade Reformen des Fördersystems an. „Um ein optimales Design eines Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu erreichen, sollten wir aus den doch vielen schlechten Erfahrungen, die derzeit in einigen Ländern mit Ausschreibungen gemacht wurden, lernen und auf Ausschreibungen verzichten“, so Moidl.

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