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Offshore-Windkraft

Sorge vor der Delle

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

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Tim Altegör, 19.01.17
Von knapp 2300 auf 818 Megawatt – auch wenn sie 2016 deutlich weniger Zubau erlebte als im Jahr davor, sind Verbandsvertreter der Offshore-Branche zufrieden. Für Stirnrunzeln sorgt die Zeit nach 2020.

156 neue Offshore-Windräder sind 2016 in Deutschland ans Netz gegangen, weitere 21 stehen schon und warten noch auf den Anschluss. 818 Megawatt (MW) Leistung sind damit im vergangenen Jahr vor der Küste dazugekommen, insgesamt waren es zum Jahreswechsel etwas mehr als 4100 MW. Diese Zahlen, erhoben vom Beratungsunternehmen Deutsche Windguard, präsentierten Vertreter verschiedener Windkraftverbände heute (19. Januar) gemeinsam in Berlin.

Das sei zwar deutlich weniger als 2015, als fast 2300 MW angeschlossen wurden, sagte Anna-Kathrin Wallach von Deutsche Windguard. Damals seien aber auch Nachholeffekte von 2014 verantwortlich gewesen. Insgesamt zeigten sich die Branchenvertreter zufrieden, zumal die Stromerzeugung auf See infolge des starken Zubaus im Vorjahr um fast 57 Prozent gewachsen ist, auf etwa 13 Terawattstunden.

Für 2017 erwarten die Verbände ein Wachstum von 1400 MW, für die folgenden beiden Jahre noch jeweils etwa 1000 MW. „Wir sind jetzt in einem normalen Zyklus“, sagte Norbert Giese, Vorsitzender des Lenkungskreises Offshore-Windenergie im Maschinenbauverband VDMA. 2020 ist dann ein Stopp eingeplant und ab 2021 der Wechsel in ein Ausschreibungssystem. Was Giese monierte, sind die geringen Werte, die bis 2026 vorgesehen sind: zunächst 500, ab 2023 dann 700 MW. Das sei „ein dürftig kaschierter Fadenriss“, so Giese. „Hier wird eine Delle produziert, über die wir nicht glücklich sein können.“ Es gehe auch darum, Industrie und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.

Kosten sollen weiter sinken

International rechnet der VDMA Anfang der 2020er mit einem deutlichen Schub, vor allem in Europa und Asien. Der Finanzdienstleister Bloomberg hatte jüngst – entgegen dem Gesamttrend bei erneuerbaren Energien – ein Plus von 40 Prozent bei Investitionen in Offshore-Parks verzeichnet.

Durch die Ausschreibungen – die erste Runde startet am 1. März – erwarten die Verbände, dass der Preis für Offshore-Wind weiter fällt. „Wir sind in der Phase, in der wir Kosten massiv senken“, sagte Martin Skiba aus dem Vorstand der Stiftung Offshore-Windenergie. Als Gründe nannte er technische Entwicklungen, Skaleneffekte durch einen größeren Markt, gesammelte Erfahrungen und niedrige Zinsen. Von einer durchschnittlichen Vergütung von derzeit etwa elf bis 13 Cent pro Kilowattstunde werde man „deutlich herunter kommen.“ Norbert Giese schickte dann noch eine Spitze in Richtung EU-Kommission, die sich für technologieneutrale Ausschreibungen stark macht. Die Kostensenkung zeige, wie wichtig separate Ausschreibungen seien, „sonst wird sich eine neue Technologie nie durchsetzen“.

 

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