Windbranche

Messe mit Maskenpflicht

Foto: Tim Riediger/Nordpool

Foto: Tim Riediger/Nordpool

Margit Hildebrandt, 18.08.21
Nur noch wenige Wochen bis zum Start der Husum Windmesse. Das Hygienekonzept steht, ein Großteil der Messestände ist gebucht. Der größte Branchentreff der Windindustrie ist gut vorbereitet auf die Besucherströme in Pandemiezeiten.

Der Countdown läuft, die Husum Wind rückt näher. Vom 14. bis 17. September wird sich die Windbranche wieder auf ihrer wichtigsten Plattform treffen. Im Mittelpunkt der Messe unter Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stehen in diesem Jahr neben der Windenergie an Land und an See Zukunftstechnologien wie Wasserstoff, Speicher und nachhaltige Mobilität. Die Nachricht einer rein analogen Messe nach altbewährtem Prinzip vor Ort kam in der Branche gut an (neue energie 07/21).

Seit der zweiten Corona-Welle im vergangenen Herbst fanden nur wenige Messen statt, mit hohen Gesundheitsstandards. Deutschlandweit soll das Messegeschäft laut Verband der deutschen Messewirtschaft Auma 2020 um etwa 70 Prozent eingebrochen sein. Messeveranstalter haben während der letzten Monate der Corona-Pandemie zwar Ersatzformate entwickelt, wie digitale Events mit Firmenpräsentationen, Interaktionsmöglichkeiten und digitalem Bildungsprogramm. Aber um Innovationen zu präsentieren und neue Kunden zu gewinnen, gelten Präsenzveranstaltungen immer noch als geeignetste Plattform.

Ein Hygieneleitfaden soll sicherstellen, dass sich auf dem über 27 000 Quadratmeter großen Gelände der Messe Husum tausende von Menschen aufhalten können, ohne sich mit Covid-19 zu infizieren. Im Zuge des im Juni veröffentlichten Stufenplans für Veranstaltungen der schleswig-holsteinischen Landesregierung sind Messen unter Einhaltung der bekannten AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – für Geimpfte, Genesene sowie Getestete wieder möglich – ab August sogar ohne Begrenzung der Anzahl gleichzeitig anwesender Personen und der Quadratmeter, solange die Inzidenzen entsprechend niedrig sind.

Ganz so wie in den Jahren vor der Corona wird die Husum Wind dennoch nicht ablaufen, die längst noch nicht besiegte Pandemie macht Einschränkungen erforderlich. Ein detailliertes Hygienekonzept wurde ausgearbeitet und mit den zuständigen Behörden wie dem Gesundheitsamt und der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei abgestimmt. Darin werden die für alle Personen auf dem Messegelände geltenden Abstands- und Hygieneregeln beschrieben. „So eine große Veranstaltung in der aktuellen Situation ist für alle Neuland“, sagt der Hygienebeauftragte der Messe Husum, Torsten Meier. Daher gebe es viel Abstimmungsbedarf bei der Suche nach dem besten und sichersten Weg, der zugleich auch umsetzbar ist.

Optimistischer Ausblick und hohe Maßstäbe

Meier ist positiv gestimmt. „Anfang des Jahres haben wir mit der Ausarbeitung des Konzepts begonnen, als die Inzidenzwerte deutlich höher waren und die Impfquote wesentlich niedriger“, sagt er. Dadurch seien die Maßstäbe sehr hoch angesetzt worden. „Das wird uns helfen, falls die Infektionszahlen wieder steigen.“ Laut Pressesprecherin Nelly Bubenheim werden 350 ausstellende Unternehmen und Einrichtungen erwartet - Mitte Juli hatten bereits knapp 310 einen Stand gebucht - und bis zu 10 000 Besucher. 2019 waren es 550 Aussteller und 15 000 Gäste (hier geht es zum aktuellen Hallenplan mit Ausstellerliste, Stand 18.08.2021).

Es wird darauf geachtet, dass sich die Personenströme nicht stauen und dass ein direkter Kontakt zwischen den Besuchern in den Gängen und an den Ständen möglichst vermieden wird. Zentral dafür ist die Wegeführung durch die fünf Messehallen: Die zwei Meter breiten Gänge dürfen nur in eine Richtung begangen werden. Laut Torsten Meier gibt es allerdings die Möglichkeit, zu jedem Stand zurückkehren, falls etwa Termine das erfordern. Man müsse dafür zwar Umwege laufen, aber auch nicht wieder am Haupteingang beginnen.

Es wird geputzt, desinfiziert, getestet, belüftet – und kontrolliert. Mehr Sicherheitspersonal wurde eingestellt, das dafür sorgt, dass keine Menschenansammlungen in den Gängen entstehen, sich alle an die Einbahnstraßen-Laufrichtung und einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten. Für den Zutritt zur Messe ist ein tagesaktueller Schnelltest, eine vollständige Impfung oder der Nachweis über eine erfolgte Infektion mit Covid-19 nötig. „Bei unseren Maßnahmen haben wir eine einheitliche Linie. Die Testpflicht gilt für alle, Mitarbeiterinnen, Dienstleister, die Leute vom Auf- und Abbau“, sagt Meier.

Vor Ort werden zur Messelaufzeit zwei Teststände eingerichtet. Um lange Wartezeiten vor dem Einlass zu vermeiden, wird empfohlen auch die Testmöglichkeiten rund um Husum selbst zu nutzen. Nordfriesland war Mitte des Jahres Modellregion für den Tourismus und daher damals gut mit Testzentren ausgestattet. Allerdings: „Wie die Bestückung in der Region aussehen wird“, ist laut Pressesprecherin Nelly Bubenheim „leider aktuell noch nicht absehbar und bekannt“.

Sichere Kontaktverfolgung, individuelle Konzepte

Besucher und Aussteller müssen sich online registrieren, etwa beim Ticketkauf, und dabei ihre Daten für eine möglicherweise erforderliche Kontaktverfolgung hinterlegen. Beim Betreten und Verlassen der Messe oder einer einzelnen Halle sowie im Restaurantbereich müssen sie sich per QR-Code an- und abmelden. Mit welcher gängigen Smartphone-App, Luca oder die Corona-Warn-App des Bundes, die Aufenthalte dokumentiert werden, wird noch beraten und letztlich auch vom Land mitentschieden. Die erfassten Daten können nur vom zuständigen Gesundheitsamt zur Nachverfolgung von Infektionsketten verschlüsselt abgerufen werden.

Durchgehend muss zudem ein medizinischer Mund- und Nasenschutz getragen werden. Nur im Restaurantbereich darf die Maske etwa hinter Schutzscheiben sitzend abgenommen werden. Jeder Aussteller darf kleine Catering-Bereiche schaffen, unter Einhaltung der Mindestabstände oder mit einer Scheibenabtrennung. „Ich finde es richtig, den Ausstellern solche Serviceleistungen für die Kunden nicht zu untersagen“, sagt Meier. Letztendlich würden wahrscheinlich nur die großen Aussteller ein solches Angebot machen, wegen des hohen Flächenbedarfs und weil es an viele Auflagen gebunden sei.

Für die Aussteller wird der Messebesuch in diesem Jahr insgesamt aufwendiger. Ihre Stände müssen mindestens einmal am Tag gereinigt werden. Alles Weitere ist laut Meier bedarfsorientiert: Falls etwa am Stand Touchscreens liegen, sollten die nach jedem Personenwechsel desinfiziert werden. „Jeder schreibt uns im eigenen Hygienekonzept kurze Eckdaten auf, welche Bereiche geplant sind, wer die Ansprechpartnerinnen sind“, sagt Meier.

Das Personal muss täglich erfasst werden und ebenso die nötigen Reinigungen. Die Aussteller müssen auch selbst kontrollieren, dass sich nicht zu viele Leute gleichzeitig an ihrem Stand drängen, und dass die Kunden ihre Kontaktdaten abgeben. Denn alle Besucher der Stände müssen erfasst werden, sollten sie länger als zehn Minuten verharren. So können die Gesundheitsämter im Bedarfsfall eine möglichst lückenlose Kontaktverfolgung starten.

Detaillierter Leitfaden und „doppelter Boden“

Bis ins kleinste Detail geht der Hygieneleitfaden, der auf der Messehomepage runtergeladen werden kann. So solle etwa auch sichergestellt werden, dass Werbegeschenke oder Kataloge nicht in die Hand genommen und dann wieder zurückgelegt werden. Kurz vor Beginn der Messe wird der Leitfaden anhand der dann aktuellen Coronalage abschließend festgelegt, aber Meier erwartet keine großen Änderungen mehr, auch wenn derzeit mancherorts die Tagetest- oder Maskenpflicht im Zuge der fortschreitenden Impfungen entfällt. „Wir haben keine Lockerungen geplant und halten an den strengen Auflagen fest“, sagt auch Nelly Bubenheim.

Durch das umfassende Hygienekonzept sind die Kosten der Veranstaltung dieses Jahr um einiges höher als in den Vorjahren. „Spezielle Klimatisierungen der Hallen und der Tagungsräume, überall Schutzvorkehrungen wie Plexiglas, eine Vielzahl an Hygienevorrichtungen und mehr Platzbedarf sowie eine große Anzahl an Sicherheitspersonal sind nur ein Auszug der vorzuhaltenden Maßnahmen“, sagt Bubenheim. Die Mehrkosten übernehme die Messe Husum & Congress, sie werden nicht auf die Aussteller oder Besucher umgelegt. Eventuell höhere Kosten beim Messebau müssten die Aussteller aber selbst zahlen.

Auch auf eine mögliche Verschlechterung der Pandemielage im Herbst ist man in Husum eingestellt. Selbst bei höheren Inzidenzen erlaubt das Konzept, die Messe stattfinden zu lassen. „Die einzelnen Maßnahmen alleine wie Tests, Masken, Belüftung sind für sich genommen nicht hundertprozentig sicher und zuverlässig“, sagt auch Torsten Meier. Aber alle Maßnahmen zusammen würden die Infektionswahrscheinlichkeit immens reduzieren, und es sei sehr unwahrscheinlich, dass alle gleichzeitig versagen. „Mir ist dieser doppelte Boden sehr wichtig“, so Meier.

Bleibt nur ein einziger Wermutstropfen: Auch die sonst sehr beliebten Partys mit Mitarbeitern und Kundinnen an vielen Ständen sind aus Hygienegründen untersagt.


Weitere Informationen zur Messe finden Sie unter https://husumwind.com und den aktuell gültigen Hallenplan (Stand 18.08.2021) hier

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