Interview

„Es ist absolut negativ, wenn der Heimatmarkt schrumpft“

Foto: GP Joule

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Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 06.04.17
...sagt Ove Petersen, Geschäftsführer beim Energieunternehmen GP Joule, über die Entwicklungen im Windkraft-Sektor. Er erwartet aber, dass aus Deutschland auch weiterhin Innovationen kommen werden.

neue energie: Entlassungen bei Senvion, Gewinnwarnung bei Nordex – tritt die Konsolidierung in der Windbranche deutlich früher ein als bislang erwartet?

Ove Petersen: Bei solchen Unternehmen besteht natürlich ein gewisser Investorendruck, wie bei allen Unternehmen, die sich internationaler aufstellen. Wir glauben an dieser Stelle, dass sich das deutsche Ausschreibungssystem in diesen Fällen schon sehr stark auswirkt. Da muss man vorsichtig sein. Es kommt ja stark darauf an, wie sich bei den einzelnen Herstellern das Verhältnis des nationalen zum internationalen Absatz darstellt. Was wir aber sehen ist, dass in Deutschland hoch entwickelte Technologien an den Markt gebracht wurden, die im Ausschreibungssystem gar nicht honoriert werden. Das macht den Weg frei für Anbieter, die immer darauf gesetzt haben, in höchstem Maß auf Skaleneffekte zu setzen, die in die Massenproduktion gegangen sind und weniger in die individuelle Auslegung der Anlagen investiert haben. Dieser Trend ist wohl kaum noch aufzuhalten. Das gilt beispielsweise auch für den US-Markt, wo es einfach darum geht, einen günstigen Kilowattstundenpreis zu generieren. Das geht nur mit der Vereinheitlichung von Plattformen und mit günstigen Komponenten. Während man bei der alten Vergütung versucht hat, jeden noch möglichen Ertrag auszureizen, setzt man andernorts auch gar nicht auf die hochentwickelten Drei- oder Vier-Megawatt-Anlagen sondern auf 2,5 MW. Das ist ein Fehler im System. Bei einigen Herstellern hat man sich ja viel Gedanken darüber gemacht, was nach der Einspeisung des Stroms geschieht, also ob man auch Systemdienstleistung anbieten kann. Aber das wird in Deutschland jetzt nicht honoriert. Das schadet der Branche.

neue energie: Was geschieht mit den Entwicklern?

Petersen: Auf Seiten der Entwickler kennt keiner das wirkliche Risiko der Ausschreibungen jetzt schon ganz genau und bis ins letzte Detail. Zumal es zu einer regionalen Verschiebung der Windstandorte kommen kann. Obwohl die alten Standorte gut sind, könnten dort aufgrund der Netzengpassregionen weniger Projekte entstehen beziehungsweise bezuschlagt und umgesetzt werden. Wir sehen, dass viele Entwickler die Risiken nicht mehr mittragen wollen, dass sie Projektrechte verkaufen und sich mit Partnern zusammentun, die finanziell stärker aufgestellt sind.

neue energie: Welche Auswirkungen sehen Sie am Arbeitsmarkt?

Petersen: Was ganz klar ist: Es ist absolut negativ, wenn der Heimatmarkt schrumpft. Langfristig kommt es dann zu einer Abwanderung unter den Unternehmen. Am Ende wird es also bei den aktuellen Voraussetzungen zu einer Konsolidierung kommen. Sicher werden wir aber weiterhin in Deutschland die ingenieurtechnische Entwicklung vorantreiben können. Da geht es dann um Themen wie Vermarktung oder die Umwandlung des produzierten Stroms, etwa in Wärme. Das wird die nächste Generation prägen, und wir werden wiederum Exportschlager entwickeln. Zumal wir hierzulande ja etliche technische Fragestellungen lösen müssen, bei der Netzintegration oder der Sektorenkopplung etwa. Das sind Themen, die man andernorts noch gar nicht richtig kennt.

Einen ausführlichen Bericht zur Lage der deutschen Windindustrie finden Sie in der April-Ausgabe von neue energie.

 

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