Ausbauzahlen

Deutlicher Rückgang bei Wind an Land

Foto: BWE/Silke Reents

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V.l.: Matthias Zelinger (VDMA), Hermann Albers (BWE), Pierre Tardieu (WindEurope)

Michael Hahn, 26.07.18
Der Ausbau der Windenergie an Land geht in diesem Jahr stark zurück. Auch bei den Genehmigungen gibt es laut Branche einen deutlichen Einbruch. Die Unternehmen geraten zunehmend unter Druck, Entlassungen sind die Folge.

Die Befürchtungen der Windbranche sind eingetreten: Der Ausbau der Onshore-Windenergie ist hierzulande im ersten Halbjahr deutlich eingebrochen. Insgesamt wurden von Januar bis Juni 497 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1626 Megawatt (MW) aufgestellt, wie der Bundesverband WindEnergie (BWE) und der Maschinenbauverband VDMA Power Systems heute (26. Juli) in Berlin bekannt gegeben haben. Das sind 29 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum 2017 (damals: 2281 MW).

Im Gesamtjahr 2018 könnte der Ausbau im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel auf weniger als 3500 MW zurückgehen, fürchten die Verbände (2017: 1792 Neuanlagen mit 5333 MW). Der aktuelle Ausbau gehe vor allem auf die Übergangsregelung des alten EEG zurück und passe nicht zu dem im Koalitionsvertrag verabredeten Ziel von 65 Prozent erneuerbare Energie bis 2030.

Die Branche hatte seit Langem vor dieser Entwicklung gewarnt: Die Umstellung auf das Ausschreibungssystem in Verbindung mit Mengenbegrenzungen führt zu starken Verwerfungen im Markt. Als weitere Belastung erwiesen sich die – mittlerweile zurückgenommenen – Ausnahmeregeln für Bürgerenergieprojekte, für die 2017 keine Genehmigungen nötig waren, um an Auktionen teilzunehmen. Das lässt ihre spätere Umsetzung unsicher werden.

„Dramatischer Einbruch“ bei Genehmigungen

BWE-Präsident Hermann Albers erklärte, dass das zu einem „dramatischen Einbruch“ an Genehmigungen für neue Windprojekte geführt habe: „Teilweise wurden Verfahren nicht mit Nachdruck geführt, weil zu lange offenblieb, ob die Genehmigung als Grundlage für die Teilnahme an Ausschreibungen bestehen bleibt.“ Gleichzeitig würden sich die Verfahren immer mehr in die Länge ziehen und derzeit Projekte mit einem Volumen von rund 10 000 MW darin gebunden sein. Die Regierung müsse sich deshalb grundsätzlich zum 65-Prozent-Ziel bekennen, so Albers.

Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, forderte, dass schnell ein Teil der Sonderausschreibungen umgesetzt werden müsse, um die 2019 drohende Lücke im Ausbau abzufedern. Bereits jetzt ist die Branche unter Druck: Einer Umfrage unter Betriebsräten im Auftrag der Gewerkschaft IG-Metall Küste zufolge sind seit Anfang 2017 bereits über 2000 Arbeitsplätze in der Windindustrie gestrichen worden. 65 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer negativen Marktentwicklung, 40 Prozent erwarten bis Ende des Jahres Entlassungen.

Europaweit lag der Windzubau laut des Dachverbands WindEurope bei 3200 MW, sei aber im Wesentlichen nur in drei Ländern – Deutschland, Frankreich und Dänemark – erfolgt. Im Offshore-Bereich befanden sich in Deutschland im ersten Halbjahr fünf neue Windparks mit 1944 MW Leistung im Bau. 1000 MW sollen davon voraussichtlich bis Ende des Jahres ans Netz gehen.

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