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Strommarkt

Der Preis soll es richten

Jörg-Rainer Zimmermann, 10.02.15
Wie muss ein Strommarkt ausgestaltet sein, der an die schwankende Stromerzeugung von Erneuerbaren-Anlagen angepasst ist? Diese Frage soll im Laufe des Jahres entschieden werden, nicht zuletzt durch das so genannte Weißbuch, an dem das Bundeswirtschaftsministerium derzeit arbeitet. Eine neue Studie macht nun konkrete Vorschläge, welche Komponenten für einen flexiblen Strommarkt der Zukunft nötig sind.

Um eine saubere und nachhaltige Energiegewinnung rasch und kosteneffizient weiter auszubauen, stünden bereits eine Vielzahl technischer Möglichkeiten zur Verfügung, fasst die im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) erstellte Studie „Strommarkt-Flexibilisierung – Hemmnisse und Lösungskonzepte“ zusammen. Man müsse sie nur entsprechend nutzen und den wirtschaftlichen Rahmen dafür schaffen, so die Autoren des Fraunhofer-Instituts IWES und des Berliner Beratungsunternehmens Energy Brainpool. „Deutschland kann mit Markt- und Ingenieurwissen der Welt zeigen, wie die Energiemärkte mit über 30 Prozent Wind- und Solarstrom funktionieren können“, erklärt BEE-Geschäftsführer Hermann Falk zur Zielsetzung. Die im Grunde einfache Formel lautet: Strom sollte dann im großen Stil verbraucht werden, wenn das Angebot hoch und damit der Preis niedrig ist.

„Die Studie geht der Frage nach, wie wir unter marktwirtschaftlichen Aspekten Inflexibilität im Strommarkt abbauen und dafür Flexibilität schaffen können. Wobei nicht von vornherein ein bestimmtes Instrument oder eine Technologie präferiert wurden. Es sollte sich einfach die beste Lösung durchsetzen“, sagt Malte Jansen vom Fraunhofer IWES. Ein grundlegendes Ergebnis der Analyse: Die Energieerzeugung wird umso sicherer und preiswerter, je direkter Preissignale auf die Nachfrage seitens Unternehmenskunden einwirken.

Dass dies im großen Stil bislang nicht genutzt wird, liegt an den noch weitgehend fehlenden finanziellen Anreizen, weniger an technischen Möglichkeiten.  „Die Stromnachfrage kann systematisch und zu einem hohen Grad an die fluktuierende Erzeugung von Wind- und Solarenergie angepasst werden. Das senkt sowohl die residuale Spitzenlast wie auch den Bedarf an gesicherter konventioneller Leistung erheblich“, erläutert Jansen. 

Zwar nutzen Unternehmen schon heute Strompreisschwankungen an den so genannten Spot-Märkten. Dort bestimmen ganz aktuell Angebot und Nachfrage, was Strom kostet. Wenn mit Sonne und Wind erzeugte Energie im Überfluss eingespeist wird, kann dies sogar für negative Preise sorgen. Beim Verbraucher kommt dieser Effekt jedoch bislang nicht an. Das soll sich grundlegend ändern. Energie sollte dann verbraucht werden, wenn sie gerade günstig ist. In der Regel sichern sich Unternehmen bisher jedoch die Preise über längerfristige Verträge ab, die über den Terminmarkt gehandelt werden. „Aktuell gibt es eine starke Verzerrung, die verschiedenen Marktteilnehmer erhalten derzeit unterschiedliche Preisanreize. Ziel der Studie war es auch, nach einem Weg zu suchen, dies zu nivellieren“, sagt Jansen.

Letztlich schlägt das Autorenteam vor, gleich drei Komponenten dynamisch auszugestalten, die direkten Einfluss auf den Strompreis haben: die EEG-Umlage, die Netzentgelte und den so genannten Kraft-Wärme-Kopplungsbonus. Damit richtet sich die Studie ganz direkt an die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium, wo man derzeit an einem neuen Energiemarktdesign arbeitet. Ende Mai will Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel dazu ein so genanntes „Weißbuch“, eine Sammlung von Vorschlägen, vorlegen. Erste Überlegungen hatte sein Ministerium in einem „Grünbuch“ bereits Oktober vergangenen Jahres formuliert.

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