Interview

„Das ganze Ausmaß werden wir erst Ende 2018 sehen“

Foto: Dirkshof

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Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 06.04.17
…erwartet Claas Arlt, Geschäftsführer beim Windparkentwickler Dirkshof im nordfriesischen Reußenköge, mit Blick auf das neue EEG. Die ersten negativen Effekte seien aber schon jetzt sichtbar.

neue energie: Entlassungen bei Senvion, Gewinnwarnung bei Nordex – tritt die Konsolidierung in der Windbranche deutlich früher ein als erwartet?

Claas Arlt: Definitiv ja. Und die Effekte des neuen EEG wirken sich nicht nur früher, sondern auch in größerem Umfang aus, als es die Politik erwartet hatte. Auch Zulieferer befinden sich jetzt bereits in einem harten Wettbewerb. Es werden sämtliche Verträge noch einmal aufgemacht, egal ob für Komponenten oder für Wartung und Service. 

neue energie: Was bedeutet das für die Akteursvielfalt?

Arlt: Schon heute sehen wir die Akteursvielfalt eingeschränkt. Wir nehmen in unserem Umfeld sehr viele Stimmen kleinerer Betreiber wahr, die am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind. Das heißt, die Akteursvielfalt, mit der die Windindustrie groß geworden ist, scheint es im Grunde wohl bald nicht mehr zu geben.

neue energie: Gibt es regionale Besonderheiten in Schleswig-Holstein?

Arlt: In Schleswig-Holstein wird die Situation durch eine nicht sauber verabschiedete Regionalplanung verschärft, die nochmals überarbeitet werden muss. Die Fertigstellung wird erst für 2018 erwartet. In der Zwischenzeit müssen die Projekte über Ausnahmegenehmigungen des Landes realisiert werden, was nochmals zu erheblichen Zeitverlusten beigetragen hat. Für kleinere Betreiber heißt das, dass sie sich in jedem Fall größere Partner suchen müssen, die über größere Projektvolumina Preisvorteile bei den Anlagen realisieren können.

neue energie: Sollte es zu sehr niedrigen Ausschreibungsergebnissen kommen, hört man von Nachverhandlungen bei Anlagenpreisen. Können Sie das bestätigen?

Arlt: Das ist zumindest vorstellbar. Sicher ist es möglich, mit den Herstellern darüber zu sprechen, was geschehen kann, wenn man mit seiner Kalkulation keinen Zuschlag in der Ausschreibung bekommt. Man muss dann ja bei den Kosten an sämtlichen Stellschrauben drehen.

neue energie: Wie könnte sich die Gesamtentwicklung auf den Arbeitsmarkt auswirken?

Arlt: Bundesweit werden sich die Wartungs- und Servicedienstleister warm anziehen, wenn die Anlagen in die Ausschreibungen gehen. Die Dienstleistungen müssen günstiger werden, um dem Kostendruck standhalten zu können. Wenn die Mitarbeiterzahl unverändert bleiben soll, müssten dabei mehr Anlagen unter Vertrag genommen werden. Sonst drohen Entlassungen. Und wir kennen ja die Zubaudeckel, mit denen wir die Aufstellungszahlen der jüngeren Vergangenheit nicht mehr erreichen werden. Aber im Grunde sind aus meiner Sicht sämtliche Bereiche betroffen, die Planung und die Herstellung, aber auch bei den Finanzierern und Versicherern dürfte es zu Einschnitten kommen. Die Banken bauen ja jetzt schon ab. Vor Jahren wurden die Abteilungen für den Energiesektor aufgebaut, um den jeweiligen Änderungen im EEG gerecht zu werden. Das wird jetzt langsam reduziert, vor allem bei den vielen regionalen Banken und Sparkassen, die ja gerade bei kleineren Projekten selbst aktiv wurden. Das wird sich nach oben hin verjüngen. Das ganze Ausmaß werden wir erst Ende 2018 sehen.

Zur Person: Claas Arlt ist Geschäftsführer bei Dirkshof in Reußenköge (Nordfriesland). Das Unternehmen plant und errichtet Windparks, zudem bietet es die technische und betriebswirtschaftliche Betriebsführung an. Das Portfolio umfasst nach Unternehmensangaben Parks mit über 500 Megawatt installierter Leistung.

Einen ausführlichen Bericht zur Lage der deutschen Windindustrie finden Sie in der April-Ausgabe von neue energie.

 

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