Arbeitsmarkt

BMWi-Studie endlich veröffentlicht

Jörg-Rainer Zimmermann, 11.06.15
Mehr als 230.000 neue Jobs können durch die Energiewende entstehen, und zwar netto. Das besagt eine Studie renommierter Forschungsinstitute, die das Wirtschaftsministerium nach langem Zögern nun publiziert hat. neue energie hatte über die Studie, die der Redaktion vorab vorlag, bereits im April berichtet.

Es war eine schwere Geburt: Mit rund einem dreiviertel Jahr Verspätung hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) jetzt die Studie „Beschäftigung durch erneuerbare Energien in Deutschland: Ausbau und Betrieb, heute und morgen“ veröffentlicht. Die Analyse ist das Ergebnis eines großangelegten Forschungsprojekts, das von einem Konsortium aus fünf renommierten deutschen Wissenschaftseinrichtungen durchgeführt wurde. Kernaussage: Die Energiewende wird langfristig sehr viel mehr Jobs schaffen, als in den fossilen Erzeugungsbereichen verloren gehen. Im Idealfall kommen unterm Strich über eine Viertelmillion neuer Stellen hinzu.

Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung in der laufenden Debatte um den Umbau der klassischen Energieindustrie – veröffentlicht wurden sie jedoch, ohne wie sonst üblich die Medien zu informieren. Das Magazin „neue energie“, dem eine Vorabfassung der Studie vorgelegen hatte, berichtete bereits in der April-Ausgabe. Verrechnet man die durch den Umbau des Energiesystems entstehenden positiven Arbeitsmarkteffekte mit dem Stellenabbau in der Kohle- und Atombranche, dann ergibt sich laut der Studie ein dickes Plus für die gesamte Volkswirtschaft – zusätzlich zur massiven Emissionsreduktion von klimaschädlichem CO2.

Erstmals Nettoeffekte betrachtet

Die Analyse, an der die wissenschaftlichen Einrichtungen DLR, Prognos, GWS, DIW und ZSW beteiligt waren, bezieht Daten ab dem Jahr 2004 ein und beschreibt mögliche Entwicklungspfade bis 2050, ohne verbindliche Prognosen zu geben. Neu ist nicht nur der weite Blick in die Zukunft. Auch dass es sich bei den Ergebnissen des Expertenteams erstmals um so genannte Nettobeschäftigungswerte handelt, könnte die aktuelle Diskussion nachhaltig beeinflussen. Denn damit liegen jetzt Zahlen zu künftigen Energiewende-Effekten auf den gesamten deutschen Arbeitsmarkt vor.

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Das Fazit der Autoren ist eindeutig: Wenn der dezentrale Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland und Europa fortgesetzt wird und der heimische Export moderat bis gut läuft, überwiegen klar die Vorteile. So kann bis zum Jahr 2030 die Mehrbeschäftigung unterm Strich auf rund 100.000 Personen ansteigen. Sei bis dahin durch den Ausbau erneuerbarer Energien noch mit Mehrkosten zu rechnen, würden Sonne, Wind und Co später den Verbraucher entlasten, was positiv auf den privaten Konsum wirke. Auch dadurch würden die Netto-Beschäftigungszahlen weiter auf 190.000 (Jahr 2040) und später bis über 230.000 (Jahr 2050) steigen. Für den Fall, dass sich der Export sehr gut entwickelt, sehen die Zahlen sogar noch besser aus. Traditionelle Energieversorger verlieren allerdings: Deren Geschäftsmodell sei mit zunehmendem Ausbau erneuerbarer Energien weniger erfolgreich, so die Studie. Im Jahr 2020 würden dort 16.000 Stellen abgebaut, 2030 seien es 14.000.

Ministerium zögert und schweigt

Angesichts der positiven Ergebnisse für die Energiewende erstaunt das zögerliche Verhalten des Bundeswirtschaftsministeriums bei der Veröffentlichung der rund 200 Seiten starken Studie, die auf den Internetseiten des Ministeriums abgerufen werden kann. Die Berichterstattung von „neue energie“ wurde in der Frankfurter Rundschau, dem Online-Portal „Klimaretter“ und der Deutschen Welle aufgegriffen. In der Folge stellte die Linken-Abgeordnete Eva Bulling-Schröter mit Verweis auf „neue energie“ im Bundestag die Anfrage, wann die Studie veröffentlicht werde. Staatssekretär Rainer Baake erklärte in seiner Antwort die Verzögerung mit der Absicht, ein zweites paralleles Gutachten veröffentlichen zu wollen, das einen anderen methodischen Ansatz verfolge und „dementsprechend zu anderen Ergebnissen“ komme.

Dies ist nun geschehen. Das Ergebnis der ergänzenden 63 Seiten umfassenden Studie „Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte der Energiewirtschaft“, die ebenfalls auf der BMWi-Seite zum Download bereitsteht, scheint allerdings zu keinen grundsätzlich anderen Ergebnissen zu kommen als die Hauptstudie. Anfragen der Redaktion zur Arbeitsmarktstudie an das Ministerium wurden nicht beantwortet.

 

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