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Interview der Woche

„Nicht alle Anbieter über einen Kamm scheren“

Interview: Sascha Rentzing, 24.01.14
Die Insolvenz des Windparkbetreibers Prokons hat die Diskussion um die Sicherheit von Windkraftbeteiligungen entfacht. Werner Daldorf, Vorsitzender des Anlegerbeirats im Bundesverband WindEnergie, warnt jedoch vor Panikmache: Wer gut sondiert, findet attraktive und sichere Angebote.

Interview: Sascha Rentzing

neue energie: Für Kritiker des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist die Insolvenz des Windkraftbetreibers Prokon ein Beleg, dass auf dem Energiemarkt normale ökonomische Gesetze Einzug halten. Das Unternehmen halte dem Druck der Realitäten nicht stand. Ist das EEG schuld an Prokons Scheitern?

Werner Daldorf: Die Ursachen für die Insolvenz sind nicht im EEG zu suchen. Es stellt mit der auf lange Zeit garantierten Stromvergütung eine verlässliche Basis für Windenergie-Projekte dar. Es wäre auch falsch, jetzt alle Anbieter von grünen Geldanlagen über einen Kamm zu scheren. Prokon ist ein Einzelfall. Es geht hier um das Geschäftsmodell einer Firma und ein spezielles Finanzprodukt.

ne: Ist das Geld der Prokon-Anleger nun verloren?

Daldorf: Die Genussrechtseinlagen der Anleger sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht völlig verloren. Der Insolvenzverwalter wird prüfen, ob Prokon im Wege einer Sanierung fortgeführt werden kann oder als Ganzes oder in Teilen verkauft werden muss. Für einige Jahre werden die Anleger nichts bekommen, weder Zinsen noch eine Kapitalrückzahlung. Vielleicht gibt es irgendwann vom Insolvenzverwalter das Angebot einer Insolvenzquote oder den Vorschlag der Umwandlung der Genussrechte in Eigenkapital. Ich glaube aber nicht, dass bei dem von Prokon selbst mitgeteilten Verlustvortrag im Konzern von rund 210 Millionen Euro eine Rückzahlung der Einlagen in voller Höhe möglich ist. Die Sanierung wird tiefe Einschnitte im Unternehmen erfordern und zu hohen Verlusten bei den Anlegern führen. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben die Genussrechts-Anleger derzeit keine Handlungsspielräume.

ne: Verbraucherschützer warnen derzeit vor riskanten Investments, damit sind auch grüne Finanzprodukte betroffen. Ist die Kritik berechtigt?

Daldorf: In den letzten zehn Jahren sind durchaus grüne Projekte gescheitert, die vorher zumeist lautstark und mit viel bedrucktem Papier beworben wurden. Die Ursachen waren oft eine zu optimistische Planung, überhöhte Provisionen und ähnliche Kosten in der Planungs- und Vertriebsphase sowie unternehmerische Fehlentscheidungen. Eine große Rolle spielt dabei der „Graue Kapitalmarkt“, also der Teil der Finanzmärkte, der nicht der staatlichen Finanzaufsicht oder ähnlichen Regulierungen unterliegt. Er vermittelt daher zu wenig Anlegerschutz und zu wenig Kontrolle der Geschäftsführungen. Aber eine generelle Kritik an grünen Investments halte ich für überzogen. Gerade im Bereich der Bürgerwindparks sehe ich gute und sichere Beteiligungsmöglichkeiten.

ne: Welche grünen Geldanlagen sind sicher und von welchen sollten Privatanleger besser die Finger lassen?

Daldorf: Dazu lassen sich keine allgemeinen Aussagen machen. Entscheidend ist immer die Bonität desjenigen, dem man sein Geld anvertraut. Prokon hat sich geweigert, auf kritische Anfragen der Medien plausible Antworten zu geben und zeitnah Jahresabschlüsse für den gesamten Konzern zu veröffentlichen. So konnten die Vermutungen entstehen, einzelne Geschäftsbereiche liefen mit Verlust. Im Windparkbereich gibt es viele schlecht laufende Projekte, bei denen Anleger über viele Jahre keine oder nur geringe Ausschüttungen bekommen haben. Daneben gibt es aber auch gut laufende Windparks, die selbst in schlechten Windjahren ausgeschüttet haben. Es liegt meist nicht an der Geschäftsidee, wenn Projekte scheitern. Anleger sollten bei Geldanlagen vorher genau prüfen, welches Vertrauen sie in die Beteiligten haben und ob sie das beabsichtigte Geschäft verstanden haben. Von Beteiligungen durch unerfahrene Privatpersonen über Kommanditanteile rate ich grundsätzlich ab, weil damit immer eine unternehmerische Beteiligung eingegangen wird.

ne: Prokon garantierte Anlegern acht Prozent Zinsen auf ihr eingesetztes Kapital – und ist gescheitert. Auch andere Anbieter locken mit Renditen in dieser Höhe. Kann man sich darauf einlassen?

Daldorf: Hohe Erträge bedingen immer ein hohes Risiko. Eine genaue Grenze zwischen hoch und wenig riskant lässt sich nicht angeben. Als Anleger sollte man sich vor einer Kapitalentscheidung gründlich über das Anlageprodukt und seinen Herausgeber informieren. Und man sollte sich von unabhängigen Experten über Inhalte und Risiken der Kapitalanlagen beraten lassen. Entscheidungen sollten nicht aus dem Bauch heraus und nicht allein auf den Rat von Nachbarn und Freunden hin getroffen werden.

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