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EEG-Novelle

Investitionsrückgang bei Bürgerenergie?

Nicole Allé - energiezukunft.eu, 08.07.14
Jede dritte Energiegenossenschaft will aufgrund der Änderungen im EEG keine weiteren Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien tätigen. Doch den Hürden der Politik setzen die Energiebürger Kreativität entgegen – die Kommunen sind dabei wichtige Partner.

Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat zu Verunsicherung bei den Energiegenossenschaften geführt. Das zeigt das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV), die jetzt gemeinsam mit der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) in Berlin vorgestellt wurde.

„Das neue EEG droht die Energiewende auszubremsen und dabei vor allem die kleinen Marktakteure wie Energiegenossenschaften zu treffen. Obwohl im Koalitionsvertrag mehr Bürgerbeteiligung versprochen wurde, wird die Aktivität von Energiegenossenschaften nun deutlich eingeschränkt“, kritisiert Eckhard Ott, Vorsitzender des DGRV-Vorstands.

718 seit 2008 gegründete Energiegenossenschaften haben bislang rund 1,35 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert. Mit 708 Megawatt installierter Leistung erzeugen sie  jährlich 830 000 Megawattstunden Strom – damit können rund 230 000 Durchschnittshaushalte versorgt werden. Rein rechnerisch produzieren die neuen Energiegenossenschaften mehr Strom, als für die Haushalte aller Mitglieder benötigt wird. 145 000 Mitglieder in Energiegenossenschaften engagieren sich unter dem Dach des DGRV, darunter 130 000 Privatpersonen.

Allein in diesem Jahr werden nun aufgrund der EEG-Novellierung nach Schätzungen des Verbands rund 300 Millionen Euro an Investitionen zurückgehalten. Die Genossenschaften kritisieren vor allem die volle EEG-Belastung von selbst produziertem Ökostrom, der an Mitglieder oder Abnehmer vor Ort verkauft wird. Bei den künftig geplanten Ausschreibungen werden Energiegenossenschaften zudem kaum zum Zuge kommen, so die Befürchtung des DGRV.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Bagatellgrenze von 100 Kilowatt für die Pflicht zur Direktvermarktung, die zukünftig noch weiter abgesenkt werden soll. Potenzial wird vor allem noch im Bereich der Nahwärmenetze gesehen. „Es gibt noch viele Biogasanlagen ohne Wärmekonzept. Das ist die Chance für Energiegenossenschaften, die Wärmenetze für Dörfer oder Stadtteile betreiben“, so Ott. Allein in den vergangenen drei Jahren sind 70 neue genossenschaftliche Nahwärmenetze entstanden, 16 Prozent der Genossenschaften sind im Wärmebereich aktiv. Bisher dominiert bei Projekten die Photovoltaik deutlich vor Biomasse und Windenergie, allerdings ist ihr Anteil gegenüber dem Vorjahr deutlich von 53 auf 39 Prozent zurückgegangen.

Etwa jede vierte Genossenschaft investiert laut Umfrage mittlerweile allein mit Eigenkapital, fast zwei Drittel des aufgenommenen Fremdkapitals stammen von Genossenschaftsbanken. Wichtige Partner der Genossen sind die Kommunen Sie stellen Dachflächen und Gebäude zur Verfügung, engagieren sich als Mitglied und sind teilweise in den Leitungsgremien der Genossenschaft aktiv.

Eine Befragung der Gemeindevertreter durch die AEE macht deutlich, dass in fehlender Planungssicherheit aufgrund von unsicheren Rahmenbedingungen sowie in der Deckelung der Ausbauziele die größten Hemmnisse für die dezentrale Energiewende gesehen werden. „Es sind mit Kommunen, Genossenschaften und Energiebürgern nun genau jene Akteure irritiert, die bisher die Treiber der Energiewende waren“, bedauert Philipp Vohrer, Geschäftsführer der AEE. „Es bleibt abzuwarten, wie sich der neue politische Rahmen auf die bisher so engagierte Gruppe auswirken wird.“

Im westfälischen Saerbeck wurde ein ehemaliges Munitionsdepot zu einem Bioenergiepark, dessen Erneuerbare-Energien-Anlagen doppelt so viel Ökostrom erzeugen, wie die Stadt benötigt. Örtliche Investoren brachten die gesamte Summe auf – auch für das eigene Windrad im Bioenergiepark. Seit 2012 ist auch das Stromnetz in kommunaler Hand. 

Durch die vielen Änderungen im EEG nehme die Bürokratie jetzt jedoch zu und würden die Projekte vor Ort erschwert, sagt Bürgermeister Wilfried Roos. „Die beschlossene Reform begünstigt vor allem die großen Energieversorger, die bisher den Ausbau der erneuerbaren Energien verschlafen haben. Das macht die Energiewende für die Stromverbraucher nicht günstiger, sondern unterm Strich noch teurer.“

Trotz allem: Die Energiewende ist längst bei den Bürgern angekommen und wird tatkräftig umgesetzt. Wichtig bleiben dabei die Kommunikation und die Möglichkeit zur Teilnahme. Bildungsarbeit begleitet mittlerweile fast in allen Energiekommunen die Projektumsetzungen, das stärkt den Gemeinschaftssinn und das Umweltbewusstsein. Auch Eckhard Ott hat Hoffnung, dass die Energiebürger sich nicht von der Politik kleinkriegen lassen werden. Bislang habe sich gerade bei den Energiegenossenschaften eine große kreative Kraft gezeigt, Hürden, die von der Politik in den Weg gestellt werden, zu nehmen – oder mit Ideenreichtum und Flexibilität zu umgehen. „Im Praxisbetreib wird es sich erst zeigen, wie es weitergeht“, schließt Ott.

 

Nicole Allé – energiezukunft.eu

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