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Fossil-Investments

Großinvestoren setzen weiter auf Öl, Gas und Kohle

Isaac Bah, 27.05.15
Mehr als 180 Staats- und Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und andere institutionelle Großanleger haben ihr Kapital im Zuge der globalen Kampagne „Fossil Free“ aus dem fossilen Energiesektor abgezogen. Öffentlichkeitswirksam haben sich auch die Rockefeller-Stiftung, der britische Thronfolger Prinz Charles und zuletzt der französische Versicherungskonzern Axa angeschlossen. Eine britische Studie kommt trotzdem zu einem ernüchternden Ergebnis.

Einen Tag vor Beginn  des letztjährigen Klima-Sondergipfels in New York hatte der Rockefeller Brothers Fund, die Familienstiftung der Nachfahren des einstigen Ölmagnaten John D. Rockefeller, den Ausstieg aus sämtlichen Investitionen in Kohle, Fracking und Öl angekündigt. Damit schloss sich die Stiftung der von der Klimaschutzorganisation 350.org ins Leben gerufenen Divestment-Kampagne „Fossil Free“ an. Rockefellers Erben seien sich sicher, „dass er als scharfsinniger Geschäftsmann mit Blick in die Zukunft, wenn er heute noch leben würde, sich von fossilen Energieträgern verabschieden und in saubere, erneuerbare Energie investieren würde“, erklärte Rockefeller-Erbe und Stiftungspräsident Stephen Heintz die künftige Ausrichtung des mit rund 860 Millionen US-Dollar dotierten Familien-Fonds. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles hat unlängst mitgeteilt, sowohl mit seinen privaten Investitionen als auch mit jenen seiner gemeinnützigen Stiftung „The Prince‘s Trust“ aus dem fossilen Energiebereich auszusteigen.

Fast die Hälfte der Großanleger bleibt Kohle und Co treu

Tatsächlich machen die Stiftungsmillionen des Prinzen und der Rockefeller-Erben aber nur einen Bruchteil des über Staats- und Pensionsfonds, Versicherungen oder Stiftungen eingebrachten weltweiten Anlagevermögens aus. In Summe beträgt dieses nach Angaben des Londoner Thinktanks „Asset Owner Disclosure Project“ (AODP) über 70 Billionen US-Dollar. AOPD bewertet in einem jährlichen Ranking das Anlage-Risiko institutioneller Investoren hinsichtlich ihrer Anfälligkeit für die Folgen des Klimawandels. Dabei folgt AOPD dem Ansatz, dass fortgesetzte Investitionen im Bereich fossiler Energieträger ein beträchtliches unternehmerisches Risiko darstellen. Dennoch hält nahezu die Hälfte der 500 größten Anleger weltweit an derartigen Beteiligungen fest. In Summe beträgt ihre Gesamtinvestition im CO2-intensiven Fossilbereich mehr als 30 Billionen US-Dollar.

Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, dürfen jedoch rund zwei Drittel der bekannten fossilen Energiereserven nicht mehr gefördert werden, um das Ziel einer maximalen Erderwärmung von zwei Grad Celsius noch zu erreichen. Eine Studie des University College London kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Mittel- und langfristig müssten Anleger demnach ihre Investitionen in Unternehmen, die auf die fortgesetzte Ausbeutung dieser Reserven setzen, unter hohen Verlusten abschreiben. Insbesondere bei Pensionsfonds stünde damit auch die Altersversorgung von Millionen Arbeitnehmern auf dem Spiel.

Milliardenschaden durch Naturkatastrophen

Doch auch Versicherungen haben ein beträchtliches Eigeninteresse daran, ihr Kapital klimafreundlich anzulegen. Laut Angaben des Versicherungskonzerns Münchener Rück verursachten Naturkatastrophen im Jahr 2014 einen globalen Gesamtschaden von 110 Milliarden US-Dollar. Stürme, Überschwemmungen, Dürren und extreme Wintereinbrüche machten dabei den Großteil der Schadenssumme aus. Für die Versicherungskonzerne beliefen sich die Haftungskosten auf 31 Milliarden US-Dollar. „Schadenrelevante, durch Gewitter bedingte Unwetter, in der Fachsprache konvektive Ereignisse, nehmen in verschiedenen Regionen wie etwa den USA und in Mitteleuropa nachweislich zu“, sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei der Münchener Rück.

Der französische Versicherungskonzern Axa hat nun reagiert und ist im Begriff, sein Kohle-Portfolio im Wert von 500 Millionen Euro zu liquidieren. „Als langfristiger institutioneller Investor liegt es in unserer Verantwortung, Kohle als Risiko einzuordnen und die globale Energiewende zu begleiten“, so Axa-Vorstandschef Henri de Castries.

 

Ergänzung (28.5.2015): Nach einem einstimmigen Beschluss des Finanzausschusses des norwegischen Parlaments soll der staatliche Pensionsfonds „Oljefondet“ künftig von Investitionen in Energie- und Bergbauunternehmen Abstand nehmen, deren Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent am Umsatz oder Geschäft ausmacht. Mit einem Finanzvolumen von 835 Milliarden Euro ist der „Oljefondet“ der größte Staatsfonds der Welt.

 

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