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Leserbrief

„Ruhig bleiben ist nicht mehr möglich"

Foto: Silke Reents

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Jan Teut, 09.05.16
Zum Beitrag „Die ‚Weltformel‘: Wachstum nahe Null?“ in neue energie 4/2016. Liebe Windfreunde, Planer, Betreiber und Energiewendebefürworter! Ruhig bleiben in dieser Situation, mit der drohenden „Weltformel“, das ist nicht mehr möglich. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften und die Verunsicherung steigt ...

Liebe Windfreunde, Planer, Betreiber und Energiewendebefürworter

Ruhig bleiben in dieser Situation, mit der drohenden „Weltformel“, das ist nicht mehr möglich. Täglich kommen neue Hiobsbotschaften und die Verunsicherung steigt mehr und mehr. Manchmal denke ich, dass es vielleicht besser wäre, mit Protest, mit Pauken und Trompeten unterzugehen als mit den Wölfen zu heulen.Ich glaube, es ist immer wieder wichtig, den eigenen Standort zu bestimmen. Dazu gehört auch, sich die Frage zu stellen, ob man überhaupt mit den Großen mitspielen will und ob die einen eigentlich lassen und wirklich ernst nehmen. Wenn man sich die heutige Politik anschaut, entsteht der Eindruck, dass man uns nicht wirklich ernst nimmt. Warum sonst unternimmt man alles, uns, den kleinen Mittelstand, der die Akteursvielfalt sichern könnte, plattzumachen.

Es ist immer wieder wichtig, zu fragen, wer ein Interesse daran hat, dass das kommt, was uns droht. Ich denke, es sind die großen EVUs, die die Entwicklung verpennt haben. Jetzt heulen sie, RWE schüttet keine Dividende aus, die Armen. Hätten die großen EVUs nur in Ansätzen früher geahnt, zu welcher Erfolgsstory das Stromeinspeisegesetz und das spätere EEG werden würde, man hätte uns viel früher das Wasser abgegraben.

Vielleicht war das unter Rot-Grün nicht so möglich. Aber die Grünen haben kein Profil mehr und sind in der Opposition. Wir haben heute eine unheilige Allianz von CDU/Kapital mit SPD/Gewerkschaften. Schaut euch an, wer im Ausschuss für Energie der Bundesregierung sitzt. Es geht nochmal ums Ganze und um die Verteilung. Der große Kuchen Energiemarkt soll neu verteilt werden. Wir haben jetzt etwas über ein Viertel davon und wollen mehr. Das will man mit Macht verhindern, dafür ist jedes Mittel recht! Möglicherweise ist es nicht das „Letzte Gefecht“, aber es ist ein harter Kampf. Das sollten sich sämtliche Branchenvertreter bewusst machen. Es gibt immer noch zu viele Mittelständler, die glauben, dass der Kelch schon an uns vorübergehen wird.

Ich bin anderer Meinung. Man sehe sich nur die Punkte EEG-Ausschreibung, Weltformel mit 500 MW Zubau, Ausbaustopp-Moratorium, 10-H-Regelung und fehlende Leitungstrassen an. Glaubt jemand, dass etwas beim Endverbraucher ankommt, wenn über Ausschreibungen die Gestehungskosten tatsächlich gesenkt werden könnten? Ich denke, kein Cent käme beim Endverbraucher an. Energiewende wird nur gelingen, wenn wir die Bürger mitnehmen. Die Menschen wollen das und sind bereit dazu. Es braucht eine neue Revolution, eine Energierevolution, Netze und Produktion gehören in Bürgerhand. Für mich ist die SPD – zumindest was unseren Bereich betrifft – nicht mehr wählbar. Zuviel Verrat und Inkonsequenz. Der Bundeswirtschaftsminister macht, was er will, obwohl er keine Ahnung hat. Und unsere Kanzlerin (ehemalige Umweltministerin) schaut zu. Hat ja im Moment auch andere Sorgen.

Wir müssen enorm aufpassen, dass bei dem politischen Wirrwarr, das zurzeit herrscht (Flüchtlinge, AfD, Pegida), nicht mal so eben kurz vor Feierabend die Gesetzesänderungen zum EEG durchgewunken werden. Super ist, dass zumindest die IG Metall mit auf unserer Seite ist (ist aber ja auch nicht IG Bergbau und Energie – MdB Ulrich Freese aus der Lausitz lässt grüßen). Warum gehen wir nicht raus auf die Straße, machen Mahnwachen und Sitzstreiks vor dem BMWi, starten Petitionen und sind laut, sagen deutlich NEIN! Wir haben als Wirtschafts- und Industrienation die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, zu zeigen, dass es mit der Energiewende geht und dass dabei nicht die Lichter ausgehen und massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen. Wir wissen, dass es machbar ist. Man muss es nur wollen.

Herzliche Grüße
Jan Teut

 

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