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Klimaziele

Im Kriechgang nach Paris

Joachim Wille, 01.03.21
Ein neuer UN-Bericht zeigt: Die nationalen CO2-Pläne reichen bisher bei weitem nicht, um die 2015 beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Im Herbst steht in Glasgow die große Bilanz an – ein Jahr später als geplant.

Das aktuelle Jahrzehnt ist entscheidend, um die Ziele des Pariser Weltklimavertrags zu erreichen. Bis 2030 müssen die globalen Treibhausgas-Emissionen um 25 bis 45 Prozent gesenkt werden, verglichen mit dem Wert von 2010, um auf einen Pfad für eine maximale Erderwärmung von 1,5 bis zwei Grad zu kommen. Eine neue Auswertung des UN-Klimasekretariats in Bonn zeigt aber: Die Weltgemeinschaft hinkt diesen Zielen weit hinterher. Die bisher vorliegenden Klimapläne bringen bis 2030 nur eine CO2-Reduktion um 0,7 Prozent.

Der Paris-Vertrag wurde 2015 verabschiedet. Problem damals: Die CO2-Pläne der Länder reichten gar nicht für das von ihnen beschlossene Temperaturlimit aus, sondern nur für eine Begrenzung der Erwärmung auf drei bis vier Grad. Im Abkommen wurde indes festgelegt, dass die Regierungen der Vertragsstaaten ihre Pläne aktualisieren müssen, um den Zielen nahezukommen. Bis Ende 2020 haben das freilich – inklusive der 27 EU-Staaten – nur 75 von fast 200 Ländern getan. Ihre Pläne decken 30 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen ab.

Keine Bewegung bei Ländern wie Australien, Russland oder Japan

Positiv stechen unter anderem die EU, Großbritannien, Norwegen sowie Argentinien, Chile, Kenia und die Ukraine heraus, sie haben in ihren neuen Plänen bereits deutlich nachgelegt. Das zeigt eine Analyse von Wissenschaftlern der in Berlin ansässigen Initiative „Climate Action Tracker“. Die EU zum Beispiel will ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um rund 55 Prozent senken, das alte Ziel lag bei 40 Prozent. Australien, Japan, Südkorea, Russland, Neuseeland und die Schweiz hingegen hätten nur Pläne vorgelegt, die die Ziele von 2015 faktisch nicht erhöhen. Zu Brasiliens Plan merkt die Initiative an, dass er keine Ziele zur Eindämmung der zunehmenden Entwaldung unter anderem in Amazonas-Regenwald enthält.

Die offizielle Frist für die Einreichung der verschärften Ziele beim UN-Klimasekretariat endete Ende 2020. Bilanz hätte eigentlich auch beim turnusmäßigen UN-Klimagipfel (COP26) gezogen werde sollen, der für November 2020 im schottischen Glasgow angesetzt war. Wegen der Corona-Krise wurde COP26 dann aber auf Herbst 2021 verschoben. Erwartet wird nun, dass die beiden Obereinheizer des Planeten, China und die USA, strengere CO2-Pläne für 2030 im Vorfeld eines weiteren internationalen Gipfels am 22. April vorlegen werden. Dieses Treffen hat der neue US-Präsident Joe Biden angesetzt, der als eine seiner ersten Amtshandlungen den Wiedereintritt seines Landes in das Paris-Abkommen beschlossen hatte. China und die USA sind zusammen für rund 40 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

„Das kann nicht so weitergehen"

Angesichts der großen Klimaschutz-Lücke zeigten sich viele Beobachter des Paris-Prozesses sehr besorgt. Der designierte COP26-Präsident Alok Sharma meinte: „Dieser Bericht sollte als dringender Aufruf zum Handeln dienen.“ Er fordere insbesondere die Länder mit hohem CO2-Ausstoß auf, ehrgeizige Ziele für 2030 vorzulegen. „Wir müssen erkennen, dass sich das Zeitfenster für Maßnahmen zum Schutz unseres Planeten schnell schließt.“

Mohamed Adow, Direktor der Klima-NGO „Power Shift Africa“ kommentierte: „Es ist erschütternd, wie weit die Länder bei der Bewältigung der Klimakrise vom Weg abgekommen sind.“ Einige Staaten hätten ihre Zusagen aus dem Pariser Abkommen gut erfüllt, aber viele andere, wie Brasilien, Japan, Australien, Mexiko und sogar Neuseeland, hätten beschämenderweise nichts getan. „Das kann nicht so weitergehen und wir müssen erreichen, dass sich die Dinge auf dem COP26-Gipfel in Großbritannien in diesem Jahr dramatisch ändern“, sagte er.

 

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