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BETD 2022

Energiewende-Dialog im Zeichen des Kriegs

Foto: Janine Schmitz/picture alliance/photothek

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Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei der Eröffnung des Berlin Energy Transition Dialogue.

Michael Hahn, 31.03.22
In Berlin haben Gäste aus aller Welt über die Energiewende diskutiert, bestimmendes Thema war der Krieg in der Ukraine. Einer Studie zufolge unternehmen die Regierungen noch deutlich zu wenig für den Systemumbau – und damit für die Energiesicherheit.

Gestern Abend (30. März) ging der 8. Berlin Energy Transition Dialogue (BETD) im Auswärtigen Amt zu Ende. Auf der zweitägigen Konferenz diskutierten nach Angaben der Veranstalter* „Ministerinnen und Minister sowie hochrangige Delegationen aus über 50 Ländern mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft“ über die weltweite Energiewende. Bestimmendes Thema war dabei der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die Frage, wie es gelingen kann, von fossilen Energien unabhängig zu werden.

Der Krieg habe „auch dem letzten die problematische Abhängigkeit vieler Staaten von fossilen Energieimporten klargemacht“, erklärte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. „Die globale Energiewende und die Bekämpfung der Klimakrise sind heute harte Geopolitik.“ Den Klimawandel zu bewältigen, könne nur mit internationalen Partnerschaften und Strategien sowie gegenseitigem Austausch gelingen.

Erneuerbare entscheidend für Energiesicherheit

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck sagte, wichtigster Schlüssel für Energie-Souveränität sei der Ausbau der erneuerbaren Energien. „Er ist eine Frage der nationalen, europäischen und internationalen Sicherheit.“ Neben dem weltweiten Erneuerbaren-Ausbau müsse die Steigerung der Energieeffizienz entschlossen vorangetrieben werden.

Nur einen Tag nach seiner Rede auf dem BETD verkündete Habeck, dass die Bundesregierung die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat, um auf mögliche Liefereinschränkungen oder -ausfälle vorbereitet zu sein. Die Versorgungssicherheit sei weiter gewährleistet und es gebe aktuell keine Engpässe. „Dennoch müssen wir die Vorsorgemaßnahmen erhöhen, um für den Fall einer Eskalation seitens Russlands gewappnet zu sein“, so Habeck. Gleichzeitig sei ein Krisenteam zusammengetreten, das bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen könne.

Das Wirtschaftsministerium erklärte, ab sofort sei „jeder Gasverbraucher – von der Wirtschaft bis zu Privathaushalten – auch gehalten, seinen Verbrauch so gut wie möglich zu reduzieren“. Hintergrund ist die Forderung Russlands, für die Bezahlung von Gasimporten nur noch Rubel akzeptieren zu wollen. Die G7-Staaten lehnen dies ab und verweisen auf die bestehenden Verträge.

Auf dem BETD wurde unterdessen deutlich, vor welchen Herausforderungen die Staatengemeinschaft beim Umbau des Energiesystems steht. Wie aus dem auf der Konferenz vorgestellten „World Energy Transitions Outlook“ der Internationalen Erneuerbaren-Agentur Irena hervorgeht, müssten die Länder beim Ökostrom-Ausbau und der Energieeffizienz deutlich an Geschwindigkeit zulegen, um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können.

Jährliche Billionen-Investitionen nötig

Aktuell würde weltweit erst 14 Prozent der Energie aus Erneuerbaren stammen, 2030 müsse der Anteil 40 Prozent betragen. Dafür brauche es einen massiven Erneuerbaren-Ausbau in allen Sektoren, gleichzeitig müssten fossile Energieträger schrittweise abgebaut werden. Bis 2030 müssten laut Irena jährlich 5,7 Billionen US-Dollar in die Energiewende investiert und 700 Millionen Dollar aus fossilen in erneuerbare Energien umgeleitet werden.

Durch die Investitionen in die Energiewende komme es zu „konkreten sozioökonomischen Vorteilen“, bis 2030 entstünden etwa weltweit 85 Millionen Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien, welche die zwölf Millionen verlorenen Jobs bei den Fossilen deutlich übersteigen würden.

Irena-Generaldirektor Francesco La Camera mahnte, die Energiewende sei „noch weit vom richtigen Weg entfernt und wenn wir in den kommenden Jahren nicht auf radikale Maßnahmen setzen, werden die Chancen, unsere Klimaziele zu erreichen, geschmälert oder sogar zunichte gemacht“. Es sei höchste Zeit, zu handeln. „Die jüngsten Entwicklungen haben deutlich gezeigt, dass hohe Preise für fossile Brennstoffe zu Energiearmut und zum Verlust der industriellen Wettbewerbsfähigkeit führen können.“

La Camera sieht vor allem große Energieverbraucher und Treibhausgasverursacher wie die G7- und die G20-Staaten in der Pflicht. Bis 2030 müssten diese einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie bei der Stromerzeugung erreicht haben.

Daneben wurden beim BETD, der dieses Jahr unter dem Motto „From Ambition to Action“ stand, Themen wie Frieden und Sicherheit, grüner Wasserstoff, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung, Energieeffizienz in Städten, grüne Finanzen, Zugang zu Energie oder klimaneutrale Industrie diskutiert.

 

*Der BETD findet auf Einladung der Bundesregierung statt, Mitveranstalter sind der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW), die Deutsche Energie-Agentur (Dena) und das Beratungsunternehmen Eclareon.

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