Anzeige
Wasserstoff

Grün und blau

Foto: Virginia Mayo/ AP/ picture alliance

Foto: Virginia Mayo/ AP/ picture alliance

Die Kommissionsmitglieder Frans Timmermans (Green Deal) und Kadri Simson (Energie) bei der Vorstellung der EU-Strategie.

Joachim Wille, 08.07.20
Kurz nach der Bundesregierung stellt auch die EU-Kommission ihre Wasserstoffstrategie vor. Geplant ist die Herstellung mit Sonne und Wind, aber auch aus Erdgas.

Europa soll Vorreiter beim Einsatz von Wasserstoff als Energieträger werden. Die EU-Kommission stellte am Mittwoch (8. Juli) ihre Strategie zur Umsetzung dieses Ziels vor. Vorrang soll dabei „grüner Wasserstoff“ haben, der durch Elektrolyse unter Nutzung von Wind- und Solarstrom produziert wird. Für eine Übergangszeit will Brüssel aber auch andere Herstellungsformen auf Basis von fossilen Energien fördern, bei denen CO2 entsteht.

Wasserstoff respektive daraus hergestellte synthetische Brenn- und Kraftstoffe sollen laut Kommission genutzt werden, um fossile Energieträger vor allem in Industrie, Verkehr und Gebäudeheizung zu ersetzen. Auch als Speicher für fluktuierende Wind- und Solarenergie sind sie einsetzbar.

Wirtschaftswachstum im Blick

Brüssel sieht die Strategie als Teil ihres „Green Deal“, der Europa bis 2050 zum klimaneutralen Kontinent machen soll. Der zuständige Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans sagte: „Die Wasserstoffwirtschaft kann ein Wachstumsmotor werden, um die ökonomischen Schäden durch Covid-19 zu überwinden.“ Mit ihr sollen öffentliche und private Investitionen mobilisiert werden, unter anderem aus dem Corona-Wiederaufbauprogramm der Union.

Aktuell werden in der EU im Jahr knapp zehn Millionen Tonnen Wasserstoff produziert, und zwar vor allem auf Basis von Erdgas – der so genannte graue Wasserstoff. Daneben sollen nun Kapazitäten für die „saubere“ Variante aufgebaut werden: bis 2024 für eine Million Tonnen und bis 2030 für zehn Millionen Tonnen. Das kann allerdings auch „blauer“ Wasserstoff“ aus Erdgas sein, bei dem das CO2 im Prozess abgetrennt und unterirdisch gespeichert wird, die sogenannte CCS-Technologie. Zwischen 2030 und 2050 soll dann die grüne Variante kräftig hochgefahren werden.

Umweltschützer warnen

Erst jüngst hatte die Bundesregierung ihre nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt. Sie sieht dafür neun Milliarden Euro vor. Ziel ist hier die Förderung des grünen Wasserstoffs. Umweltorganisationen kritisierten, dass die EU auch den blauen Wasserstoff fördern will. Der Deutsche Naturschutzring  befürchtet dadurch einen „Lock-In-Effekt“ in die weitere Nutzung von fossilem Erdgas. Zudem sei die CCS-Technologie riskant.

Die Erdgasbranche, kaum verwunderlich, sieht das  anders. Wichtig sei, dass auch die „Erzeugung von CO2-neutralem Wasserstoff durch Erdgas“ berücksichtigt werde. Dies bringe Kostenvorteile, so „Zukunft Erdgas“, eine Initiative der deutschen Gaswirtschaft. Grauer Wasserstoff koste pro Kilogramm rund 1,50 Euro pro Kilo, blauer laut EU-Kommission zwei Euro, grüner aber bis zu 5,50 Euro.

 

Kommentare (0)

Kommentar verfassen»

Kommentar verfassen

Aktuelles Magazin

Ausgabe Nr. 07 / 2020

Startschuss für die Langstrecke: Die deutsche Wasserstoffstrategie lässt noch viele Fragen offen

Bisherige Ausgaben »
Anzeige

Social Media

Anzeige