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Britische Atomkraft-Pläne

EU-weiter Protest

Rebecca Raspe - energiezukunft.eu, 09.04.14
Großbritannien will neue Atomreaktoren bauen und mittels hoher und langfristig festgeschriebener Einspeisevergütungen fördern. Die Meiler sollen mehr Subventionen erhalten als deutsche Solarstromanlagen. Aus vielen EU-Ländern kommt heftige Kritik an den AKW-Plänen.

Unternehmen, Verbände, Privatpersonen und sogar Regierungen haben bei der EU-Kommission Einspruch gegen die geplanten Beihilfen für die Erweiterung des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point eingelegt. Damit protestieren sie gegen das Vorhaben, den Bau neuer Atomkraftwerke umfassend staatlich zu subventionieren.

Die britische Regierung plant, für den in den neuen Reaktoren produzierten Atomstrom 35 Jahre lang eine Einspeisevergütung zu garantieren, die bei umgerechnet rund elf Cent pro Kilowattstunde liegen soll. Das entspricht dem Doppelten des derzeitigen Marktpreises in Großbritannien. Es ist auch mehr, als größere, neu installierte Photovoltaikanlagen in Deutschland für eingespeisten Strom erhalten.

„Damit leistet die Atomindustrie einen Offenbarungseid", kritisiert Sönke Tangermann, Vorstand des unabhängigen Ökostromanbieters Greenpeace Energy. Die unberechenbaren Risiken der Atomenergie würden nun offiziell zu einem deutlich höheren Preis vergütet als erneuerbare Energieträger. Das Beispiel Hinkley Point C zeige, dass sich Atomkraft ohne eine extrem hohe finanzielle Förderung aus Steuergeldern nicht rentiere.

Größter Widerstand kommt aus Österreich

Die Europäische Kommission hält den Fördertarif für eine staatliche Beihilfe und hat ein entsprechendes Untersuchungsverfahren gegen Großbritannien eingeleitet. Bis zum 7. April konnten Bürger, Unternehmen, Verbände und Staaten im Rahmen dieses Verfahrens Stellungnahmen abgeben.

Auch deutsche Branchenverbände und Unternehmen wie die IG Windkraft oder die Solarpraxis AG haben innerhalb der Frist entsprechende Schreiben eingereicht. Ursula Sladek, Umweltpreisträgerin und Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS), appelliert an die EU-Kommissare, dem Antrag Großbritanniens auf Genehmigung der Förderung auf keinen Fall stattzugeben und hat zu einer Unterschriftenaktion aufgerufen. Dieser sind über 16.000 Bürger gefolgt. In Frankreich beteiligten sich an einer ähnlichen Aktion 4600 Menschen. Der größte Widerspruch kam aus Österreich, wo über das Netzwerk GLOBAL 2000 mehr als 20.000 Einsprüche gezählt wurden. Auch Österreichs Regierung reichte eine Protestnote ein, in der sie sich gegen den Bau neuer Atomreaktoren in Hinkley Point ausspricht.

Rebecca Raspe - energiezukunft.eu

 

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