Energiewende

EU-Richtlinie soll Bürgerenergie wiederbeleben

Foto: picture alliance/JOKER/Paul Eckenroth

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Michael Hahn, 11.03.20
Von der anfänglichen breiten Beteiligung an der Energiewende ist nicht mehr viel übrig. Um wieder mehr Teilhabe zu ermöglichen, setzen einige Akteure auf eine Vorgabe der EU. Doch die muss erst noch in deutsches Recht umgesetzt werden.

Einen Schub für bürgerschaftliches Engagement bei der Energiewende: Das erhoffen sich mehrere Verbände von der Umsetzung einer EU-Richtlinie. Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) und der Bundesverband Erneuerbare Energie haben dazu heute (11. März) ein Impulspapier vorgestellt.

Darin geht es um die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU, die bis Mitte 2021 umgesetzt werden muss. Sie enthält unter anderem Passagen zur Eigenversorgung aus erneuerbaren Energien innerhalb von Gebäuden und Mehrfamilienhäusern sowie zur Etablierung von „Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften“. Für diese ist in der Richtlinie das Teilen von Energie („Energy Sharing“) vorgesehen.

Laut dem Impulspapier birgt Artikel 22 der Richtlinie, der dieses Recht für alle EU-Bürger festschreibt, verschiedene Potenziale: Erneuerbare Energien könnten verstärkt ausgebaut werden und auf größere Akzeptanz stoßen, zudem könnten neue Möglichkeiten zum Weiterbetrieb von Anlagen entstehen, die in Deutschland ab 2021 aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz fallen.

Ausbau bleibt hinter Potenzial zurück

Aktuell sei das Recht zur gemeinsamen Stromproduktion nicht verwirklicht. Der Erneuerbaren-Ausbau bleibe deshalb „hinter seinem ökologischen und ökonomischen Potenzial zurück“, heißt es in dem Papier, das vom Analyseinstitut Energy Brainpool stammt.

Es enthält einen Vorschlag, wie die Erneuerbaren-Richtlinie „in Deutschland akzeptanzstiftend und energiewirtschaftlich ausgewogen“ umgesetzt werden könnte. Vereinfacht gesagt sollen Stromverbraucher und -erzeuger in regionale Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften eintreten können, indem sie Anteile erwerben.

Mit dem Modell lasse sich etwa „die lokale Akzeptanz von Windenergieprojekten stärken“, sagte Marcel Keiffenheim, BBEn-Aufsichtsrat und Politikchef beim Stromversorger Greenpeace Energy. „Die Anwohnerinnen und Anwohner können sich am Park beteiligen – und günstigen Ökostrom direkt aus den Anlagen erhalten.“

BBEn-Vorstand Malte Zieher appellierte an die Bundesregierung, der Energiewende auf diesem Weg „neuen Schwung“ zu verleihen. Denn sie entscheidet letztlich, wann und auf welche Weise die EU-Richtlinie ihren Weg ins deutsche Recht findet.

Kommentare (1)

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  • 13.03.20 - 19:10, Ernst Träbing

    Es war einmal ......... in Ihrer Ausgabe 8/1999 ab Seite 76, als Sie über Öko-Energiegemeinschaften berichtet haben.
    Das beschriebene "Modell Bad Zwesten" könnte sofort die EE-Akzeptanz zur Energiewende entfesseln. Der dort beschriebene Lösungsansatz wurde zwar gnadenlos politisch abgewürgt, aber der lokale Verein "Bad Zwestener Energiegemeinschaft e.V." wurde kürzlich umgewandelt in "Kurhessische Energiegemeinschaft e.V." mit Sitz in Kassel. Das weckt Hoffnung.....

    Gerade Ihr Verlag ist prädestiniert, in 2020 Impulse zum grundlegenden Strukturwandel zu starten. Aus der grundlegenden Erfahrung, Analyse der damaligen Ansätze und den daraus entwickelten physikalisch-ökonomischen Prinzipien biete ich Ihnen Lösungsansätze zur Veröffentlichung, die sich vom aktuellen Energiewende-Blabla unserer "Elektrizitäts-Glaubensgemeinschaft" ebenso grundlegend unterscheiden, wie der Start des Columbus von der seinerzeitigen "Erdscheiben-Glaubensgemeinschaft".

    Der Klimaschutz und die Energiewende erfordern eigentlich keine "Förderung", sondern lediglich Entfesselung zur Entwicklung von dezentraler, kostensenkender Eigendynamik ....
    Die Zeit bis zur juristischen Lähmung des EU-Ansatz durch unser "Elektrizitätsversorgungssystem" per deutschem Gesetzgeber bietet Beeinflussungs-Chancen per "Klimaschutz-Befreiung über Stromkostensenkung"........
    mfg Ernst Träbing

    Nachsatz: Simple Innovationen haben es manchmal gegen Denkgewohnheiten schwer. Weil man sich nicht vorstellen konnte, dass der Lenker des Zweirades vorrangig dem Gleichgewichtsausgleich dienen kann, wurde das Fahrrad erst lange nach der Dampfmaschiene oder dem Verbrennungsmotor erfunden!

    mfg Ernst Träbing

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