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Studie zum Winterpaket

EU-Kommission rechnet mit falschen Kosten

Foto: Valentin Flauraud/picture alliance/KEYSTONE

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Schon heute 50 Prozent günstiger als von der EU-Kommission für 2030 angenommen: Strom aus Wind- und Solaranlagen.

 

Michael Hahn, 01.06.17
Erneuerbare Energien sind laut einer Analyse viel günstiger als von der EU-Kommission angenommen. Die Autoren kritisieren deshalb das vorgeschlagene Ausbauziel bis 2030 als zu gering. Kritik gibt es auch an den Annahmen bei der Wärme- und Kälteerzeugung.

Die EU-Kommission schätzt die Kosten für erneuerbare Energien viel höher ein, als sie tatsächlich sind. Zu diesem Ergebnis kommt ein Diskussionspapier der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende. Darin wurden die grundlegenden Annahmen der EU-Kommission für das sogenannte Winterpaket mit dem Titel „Clean Energy for All Europeans“ untersucht. Der Maßnahmenkatalog sieht unter anderem vor, dass erneuerbare Energien in der EU bis 2030 einen Anteil von 27 Prozent am Energieverbrauch haben sollen und der CO2-Ausstoß bis dahin um 40 Prozent gegenüber 1990 sinkt.

Die Agora-Analysten kritisieren jedoch, „dass die in den Modellierungen der EU-Kommission für 2030 angenommenen Kosten von Wind- und Solarstrom bereits heute um 50 Prozent und mehr unterboten werden.“ Ursachen dafür seien vor allem eine zu niedrig angesetzte Auslastung von Erneuerbaren-Anlagen, insbesondere bei Offshore-Windkraft, und zu hoch angesetzte Kapitalkosten für Investitionen in erneuerbare Energien auf den Hauptmärkten in Europa. Das Ausbauziel von 27 Prozent bis 2030 könne deshalb ohne zusätzliche Kosten merklich erhöht werden, schreiben die Experten.

"Erneuerbaren-Ausbau sollte schneller erfolgen"

„Erneuerbare Energien sind deutlich günstiger als von der Kommission angesetzt wird. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sollte deshalb schneller erfolgen, um die europäischen Klimaschutzziele kosteneffizient zu erreichen“, sagte Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende und einer der Autoren des Diskussionspapiers. Das dürfte Wasser auf die Mühlen von Umweltverbänden sein. Sie haben massive Kritik am EU-Gesetzespaket geäußert, vor allem wegen des vergleichsweise langsamen Erneuerbaren-Ausbaus.

Auch im erneuerbaren Wärme-und Kältesektor blieben die Annahmen der EU-Kommission für das Winterpaket hinter der Realität zurück, schreibt zudem der europäische Rat für geothermische Energie (European Geothermal Energy Council – EGEC). Das Winterpaket sieht für die Mitgliedsstaaten einen jährlichen Anstieg von einem Prozent erneuerbarer Energie bei der Wärme- und Kälteerzeugung zwischen 2020 und 2030 vor. Zu wenig, findet der EGEC. Das Wachstum sei in den vorherigen Jahren schneller gewesen. Um zumindest das bisherige Niveau beibehalten zu können, müsste mindestens ein jährliches Wachstum von 1,5 Prozent erfolgen.

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