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Fridays for Future

Klimadebatte im Kanzleramt

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Markus Schreiber

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Die Klimaaktivistinnen bei der Pressekonferenz in Berlin nach dem Meeting mit der Kanzlerin. Von links: Luisa Neubauer, Greta Thunberg, Anuna de Wever, Adelaide Charlier.

Margit Hildebrandt, 20.08.20
Bundeskanzlerin Merkel hat sich mit vier Mitgliedern der weltweiten Umweltbewegung Fridays for Future zu einem Gespräch getroffen. Die Aktivistinnen sehen große Versäumnisse bei der deutschen und europäischen Klimaschutzpolitik.

Auf den Tag genau vor zwei Jahren hat die schwedische Klima-Aktivistin und Initiatorin von Fridays for Future (FFF) Greta Thunberg ihren „Schulstreik fürs Klima“ begonnen. Heute (20. August) war sie gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Luisa Neubauer aus Deutschland und den Belgierinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier im Berliner Kanzleramt zu Gast.

Anlass des Treffens war ein offener Brief vom Juli an die Staats- und Regierungschefs der EU, der inzwischen von rund 125.000 Menschen aus mehr als 50 Ländern unterstützt wird, darunter auch zahlreiche Prominente. Darin fordern die Unterzeichnerinnen unter anderem einen schnellen Stopp von Investitionen in fossile Energie und verbindliche CO2-Budgets. Der „Ökozid“, das Verbrechen gegen die Natur, müsse unter Strafe gestellt werden.

Angela Merkel nahm sich 90 Minuten Zeit, um den Inhalt des Briefs, der sich in besonderem Maße an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft richtet, mit den Klimaschützerinnen zu besprechen. Im Nachhinein gaben diese eine halbstündige Pressekonferenz am nahegelegenen Haus der Kulturen der Welt. „Wir haben Frau Merkel gebeten, die Klimakrise nicht als eine gewöhnliche Krise zu behandeln“, sagte Thunberg über die Diskussion mit der Kanzlerin.

Konkrete Forderungen

Neubauer erklärte, dass sie zwar die Situation aus einer anderen Perspektive betrachten würden, aber keine utopischen Ziele forderten. Konkret hätten sie etwa über Handelsabkommen und CO2-Preismechanismen diskutiert. „Wir brauchen Führungspersönlichkeiten und wollen einfach nur, dass nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand gehandelt wird“, so Neubauer. Die Kanzlerin habe versichert, dass sie als Physikerin die Wissenschaft verstehe, das Thema jedoch politisch komplex sei.

Die Forderungen im Brief bezeichnet Thunberg als „die Minimalforderungen, um die Klimaziele entsprechend dem Pariser Abkommen zu erreichen.“ Zum Abschluss sagte Adélaïde Charlier: „Es war wichtig, dass wir Frau Merkel jetzt getroffen haben, weil Deutschland aktuell eine sehr große Verantwortung aufgrund der Ratspräsidentschaft im kommenden halben Jahr hat.“ Zuletzt wiesen die vier auf den globalen Klimastreik am 25. September hin, der sowohl online als auch „coronakonform“ auf den Straßen stattfinden werde.

Besondere Verantwortung

Die Kanzlerin musste gleich weiterreisen, um Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron in seiner Sommerresidenz Fort de Brégançon am Mittelmeer zu besuchen. Durch ihren Regierungssprecher Steffen Seibert ließ sie mitteilen, beide Seiten seien sich einig gewesen, dass die Erderwärmung eine globale Herausforderung sei und den Industriestaaten bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine besondere Verantwortung zukomme. Basis dafür sei die konsequente Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

Vorab gab es aus den Reihen der Klimabewegung auch viel Kritik am Treffen im Kanzleramt: Es sei nur dazu geeignet, Bilder zu generieren, bringe letztlich aber nicht den Klimaschutz ausreichend voran. Das hätten derartige Treffen mit hochrangigen Politikern in den letzten zwei Jahren bereits gezeigt. Außerdem sei der Termin wie auch der Brief an die EU nicht abgesprochen gewesen, die FFF-Basisgruppen seien erst wenige Tage zuvor über das Vorhaben informiert worden. Thunberg wies darauf hin, dass sie nie behauptet hätten, FFF insgesamt zu vertreten. Der Brief sei im Namen individueller Klimaaktivisten geschrieben worden.

 

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