Flutkatastrophe

Fridays for Future rufen zur Unterstützung der Opfer auf

Foto: Luise Evers/picture alliance/dpa

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Klimaaktivistinnen bei der Fridays-for-Future-Demo am 23. Juli

Margit Hildebrandt, 23.07.21
Die Klimaschutzbewegung ist heute in Solidarität mit den Betroffenen der Hochwasser auf die Straße gegangen. Die Aktivistinnen fordern politische Konsequenzen aus der Flutkatastrophe und eine ambitioniertere Klimapolitik. Kurz vor der Bundestagswahl wollen sie einen weiteren globalen Klimastreik abhalten.

Heute haben die Fridays for Future (FFF) in Hamburg eine Solidaritätskundgebung für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands veranstaltet. „Das Leid hat uns schockiert, das Ausmaß der Zerstörung hat uns schockiert“, sagte die FFF-Aktivistin Luisa Neubauer im Vorfeld in einem Video. „Diese Katastrophe ist auch eine Konsequenz einer politischen Weigerung auf Warnungen der Wissenschaft zu hören.“ Die Klimagruppe sammelt Spenden und ruft zum Helfen in den betroffenen Regionen auf.

In einer Pressekonferenz zu Klimafolgen, den Hochwasserereignissen der letzten Woche und welche politischen Maßnahmen auf die Katastrophe folgen müssten schilderten Jonas und Julia Wischnewski, wie sie das Hochwasser im Ahrtal erlebt haben und wie enttäuscht sie über die Klimaschutzpolitik sind. „Dieses Gefühl, den Halt zu verlieren, gibt mir zurzeit auch die Politik“, sagte Julia Wischnewski. „Als ich nach zwei Tagen ohne Kontakt zur Außenwelt wieder Zugang zu Social Media hatte, war das erste, was ich gesehen habe, Armin Laschet, der mir erzählt, dass das ganze nichts an der Politik ändern wird“, sagte Wischnewski. „Das hat mir in dem Moment den Boden unter den Füßen weggerissen.“

Klimaschutz zahlt sich aus

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Carl Schleussner vom Berliner Thinktank Climate Analytics ordneten bei der Pressekonferenz die Extremwetter und ihren Zusammenhang mit der Erderwärmung wissenschaftlich ein. Die Ökonomin Kemfert plädierte für eine ökologisch-soziale Transformation der Wirtschaft: „Jeder Euro, den wir jetzt investieren, spart 15 Euro Klimaschäden ein.“ Klimaschutz zahle sich aus. Sie verwies auf eine aktuelle DIW-Studie im Rahmen von Scientists for Future, nach der Deutschlands Energiebedarf schon bald vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden könnte, sollten die Ausbauziele für Solar- und Windenergie vervierfacht werden.

Fridays-for-Future-Bundessprecherin Annika Rittmann kritisierte die bisherige Politik der Bundesregierung, die nicht ausreichen würde, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. „Wir wissen, dass wir eine Regierung brauchen, die endlich Verantwortung übernimmt und nicht nur weiter leere Versprechungen in den Raum stellt“, sagte Rittmann. „Die Union hat mit ihrem Wahlprogramm gezeigt, dass sie diese Verantwortung nicht weiter übernehmen kann. Der Kanzlerkandidat hat das mit mangelndem Katastrophenschutz und fehlender Ernsthaftigkeit nochmal unterstrichen.“ Immer noch habe keine Partei einen Plan für das 1,5-Grad-Ziel. „Das wissen wir. Und deshalb werden wir auch weiter streiken“, so Rittmann.

Anfang Juli hatte Fridays for Future bereits bekanntgegeben, dass sie zwei Tage vor der Bundestagswahl wieder weltweit für mehr Klimaschutz demonstrieren wollen. Sie rufen für den 24. September zum globalen Klimastreik auf, auch in zahlreichen Städten in Deutschland. Bislang haben sich bereits 150 Ortsgruppen dafür angemeldet. An diesem Tag sollen „hunderte Aktionen weltweit und in ganz Deutschland“ stattfinden. Welche Form die vielfältigen Proteste haben sollen, ist derzeit noch in Planung. Der globale Streik steht unter dem Motto „Another world is possible – eine bessere Welt ist möglich, deswegen stehen wir #AlleFürsKlima!“. Die Organisation und Umweltverbände halten die Pläne der deutschen Regierung für zu zaghaft und fordern, das Ziel der Klimaneutralität um zehn Jahre auf 2035 vorzuziehen.

Sozial gerechte Klimapolitik gefordert

Viele Monate waren die Proteste der Klimaaktivisten aufgrund der Pandemie kaum möglich und fanden nur im Internet statt. Seit Mitte Juni gehen sie wieder jeden Freitag in dutzenden deutschen Städten für einen ambitionierteren Klimaschutz und eine sozial gerechte Klimapolitik auf die Straße. „Unterstützt von diversen Bündnissen machen wir vor der Wahl klar: Eine klimagerechte Politik ist von der gesamten Gesellschaft gefordert“, sagte die Kölner FFF-Sprecherin Pauline Brünger. Auch Vertreter von Verbänden, Gewerkschaften, NGOs und Kirchen beteiligten sich bislang an den Protestaktionen.

Erst diese Woche Donnerstag am 22. Juli lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer wohl letzten Bundespressekonferenz die FFF-Klimaaktivistinnen und nannte sie „Antriebskraft der Bundesregierung“. Sie halte „das Einfordern der Jugend für sehr wichtig“ und verwies als Erfolg daraus auf das „wegweisende“ Bundesverfassungsgerichtsurteil, das zum Nachbessern des deutschen Klimaschutzgesetztes aufforderte.

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