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#fridaysforfuture

Forscher machen Front

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Maja Göpel (r.), Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen und Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist.

Jörg-Rainer Zimmermann, 12.03.19
Über 12.100 Wissenschaftler warnen vor den Folgen der Erderwärmung und unterstützen mit einer Unterschriftenaktion die Klimastreiks der Schüler. Für kommenden Freitag wird die bislang größte bundesweite Protestaktion erwartet.

Innerhalb von rund einer Woche haben über 12.100 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an einer Unterschriftenaktion teilgenommen, um jene jungen Menschen zu unterstützen, die seit drei Monaten freitags für den Klimaschutz auf die Straßen gehen. Das wurde heute (12. März) im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin bekanntgegeben. Wobei die Aktion mit dem Titel #scientists4future noch weiterläuft. Bis Freitag (15. März) ist es möglich, die Stellungnahme der Forscherinnen und Forscher zu unterzeichnen. An diesem Tag soll es dann auch zu der größten Schüler-Klimademo kommen, die es hierzulande bislang gegeben hat.

„Unsere Befunde zeigen, dass sich die Einschätzung des technologisch Sinnvollen und auch des ökonomisch Machbaren rasant verändern, wenn wir das ökologisch Notwendige ernst nehmen“, erklärte Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), anlässlich der Bekanntgabe der Zahl der Unterzeichner. Die Forderung der unter dem Motto #fridaysforfuture streikenden Schüler nach schnellem Klimaschutz werde von den Wissenschaftlern „voll unterstützt“.

Die teils auch seitens der Bundespolitik mit Verweis auf die Schulpflicht geäußerte Kritik an den Klimaprotesten ließ er Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen nicht gelten: „Ich kann mich an keinen Streik in der Bundesrepublik erinnern, wo Piloten, Lokführer oder Gewerkschaftler das in ihrer Freizeit getan hätten. Das finde ich absurd.“

Volker Quaschning, Energieexperte von der HTW Berlin, betonte, dass zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzvertrags die Bemühungen zur Emissionsreduktion hierzulande um den Faktor fünf gesteigert werden müssten, „und zwar rasch“. Deshalb sollte die Braunkohleverstromung möglichst bis zum Jahr 2030 beendet werden – die Kohlekommission der Bundesregierung hatte sich vor kurzem auf 2038 als Ausstiegsdatum geeinigt. Zugleich müsse auch die Nutzung von Erdöl und -gas auslaufen, so Quaschning. Er plädierte dafür, auf den Aufbau einer Infrastruktur zu verzichten, die auf den Einsatz von Erdgas noch bis 2070 ausgelegt wäre – ein Seitenhieb unter anderem auf die geplante Pipeline Nord Stream 2*.

Luisa Neubauer von #fridaysforfuture äußerte mit Blick auf die in der Vergangenheit regelmäßig verfehlten Klimaschutzziele erhebliche Zweifel an einem von der Politik vorangetriebenen Wandel. Für den kommenden Freitag kündigte sie Streiks an rund 170 Orten in Deutschland gleichzeitig an – ein weltweiter Rekord, „was sehr viel über den Zustand unserer Klimapolitik aussagt“, erklärte die 22-jährige Studentin. Zudem forderte sie gemeinsam mit dem Klima-Aktivisten Jakob Blasel, die anstehenden Europawahlen zu Klimawahlen zu machen.

 

*Lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserer aktuellen Ausgabe.

Kommentare (1)

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  • 16.03.19 - 17:44, Carlo Reeker

    Wir können stolz darauf sein, dass sich aktuell so viele junge Menschen gegen Ausländerhetze, für ein vereintes Europa und für mehr Klimaschutz einsetzen. Das zeigt, dass diese Generation nicht aufgibt, sondern die Zukunft gestalten will. Unsere Pflicht ist es, die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Engagement zu unterstützen. Ich erinnere mich noch gut an die einschüchternden Kommentare von Politikern als wir gegen die Nutzung der Atomkraft, gegen Nazis oder für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung auf die Straße gegangen sind. Einige Anmerkungen haben uns damals in unseren Protesten ehr ermuntert, aber leider nicht zu einem konstruktiven Dialog beigetragen. Zum Glück gibt es heute wissenschaftliche Profis wie Claudia Kemfert und Volker Quaschning, die unseren Kindern mit Scientists for Future den notwendigen Rückenwind für ihre Aktionen geben.

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