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Interview Volker Quaschning

„EEG 2014 - das Ziel ist Verunsicherung“

Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 27.06.14
...sagt Volker Quaschning zur EEG-Novelle, die heute (27.6.) vom Bundestag abgesegnet wurde. Der Energieexperte warnt: Nach Photovoltaik und Bioenergie könnte es bei der nächsten Reform verstärkt die Windkraft treffen.

neue energie: Herr Quaschning, die EEG-Novelle 2014 ist mit der heutigen Bundestagsentscheidung weitgehend abgeschlossen. Wer sind die Gewinner?

Volker Quaschning: Man erkennt ganz deutlich die Handschrift der großen Energiekonzerne. Bekanntlich haben RWE und Co massive Probleme. Deren Geschäftsmodelle bröseln und die Gewinne brechen ein, weil der Zubau der Erneuerbaren so schnell verlief. Damit leiden natürlich auch diejenigen, die an den Konzernen beteiligt sind, Kommunen etwa, aber auch Renten- und Pensionskassen. Die Politik hat also klare Gründe, weshalb sie den Konzernen eine Verschnaufpause verschafft, damit die sich an die neuen Gegebenheiten anpassen können.

neue energie: Diesen Verdacht hatten wir an dieser Stelle bereits vor einem Jahr geäußert. Man möchte den großen Konzernen Zeit für den nötigen Umbau verschaffen…

Volker Quaschning: Viele Beispiele zeigen, dass es momentan nur darum geht, das Tempo der Energiewende zu drosseln. Betrachten wir die letzten Episoden der Diskussion um die Eigenverbrauchsregelung, bei der die Bagatellgrenze wegfallen sollte. Hier geht es um mögliche Erlöse von deutlich unter zehn Millionen Euro. Dieses Geld müsste von tausenden privaten Anlagenbetreibern eingesammelt werden, ein enormer Bürokratieaufwand, der sich niemals gerechnet hätte. Diese Diskussion ergibt nur Sinn, wenn dahinter das Ziel steht, zu verunsichern und den Ausbau zu verlangsamen.

neue energie: Kommen wir zur anderen Seite, den Erneuerbaren. Welche Konsequenzen sehen Sie für die Branche durch die Novelle?

Volker Quaschning: Es wird alle hart treffen, den einen mehr, den anderen weniger. Die Photovoltaik hat bereits 2013 insgesamt 42.000 Jobs verloren, mittlerweile dürften es über 50.000 sein. Wenn die Zubau-Prognosen bis Ende des Jahres zutreffen, wird sich die Zahl der Firmen wahrscheinlich nochmals fast halbieren. Von der deutschen PV-Branche bleibt also kaum etwas übrig. Mit der Eigenverbrauchsregelung pendelt sich wahrscheinlich der Zubau bei tendenziell gut einem Gigawatt (GW) jährlich ein. Damit wird das Ziel von 2,5 GW sogar unterschritten. Für die Biogasbranche könnte es sogar noch schlimmer kommen. Im Windenergiebereich hat man es über die SPD-regierten Länder immerhin geschafft, Gegendruck aufzubauen. Der erste Entwurf zur Novellierung hatte ganz klar einen schrumpfenden Windmarkt als Ziel. Von dem konstanten Brutto-Ausbaukorridor sollte das Repowering abgezogen werden. Dieses Brutto-Netto-Problem wurde aber abgewendet. Jetzt bleibt die Frage, ob der Zielkorridor für den Ausbau überhaupt erreicht werden kann. In Bundesländern wie Bayern, wo ja die Diskussion um Abstandsregeln für weitere Hürden sorgt, macht man es der Windenergie gezielt schwer. Und es sind ebenfalls Vergütungskürzungen hinzunehmen.

neue energie: Als Grund für die Beschneidung der Erneuerbaren wurde immer wieder die Entlastung der Bevölkerung angesichts explodierender Energiekosten angeführt. Ist dieses Ziel erreicht worden?

Volker Quaschning: Eine echte Entlastung der Endkunden findet nicht statt. Wir werden am Jahresende zwar eine Entlastung sehen, aber nur deshalb, weil die EEG-Umlage zuletzt zu hoch angesetzt worden war und das EEG-Umlagekonto ohnehin ins Plus läuft. Am Jahresende wird man also die EEG-Umlage leicht senken können, was die Energiekonzerne als Dankeschön für die Novelle auch an die Verbraucher durchreichen werden. Das kann Herr Gabriel dann als persönlichen Erfolg seiner Novelle verkaufen, ohne dass diese überhaupt signifikant zur Entlastung beigetragen hat. Politisch ist das schon sehr geschickt eingefädelt. Würde man wirklich sozialpolitisch argumentieren, dann müsste man an die Industrierabatte ran.

neue energie: Man gewinnt den Eindruck, die SPD zeichnet sich durch knallharte Industriepolitik aus…

Volker Quaschning: Von den Wurzeln her ist die SPD der Kohle und den Energiekonzernen eng verbunden. Das lässt sich nicht von heute auf morgen einfach abschütteln. Man wird nicht vermeiden können, dass die Energiewende kommt. Aber die großen Konzerne sollen dabei künftig den Ton angeben, nicht mehr die Bürger, von denen der dezentrale Ausbau bisher getragen war. Deshalb hat man ja auch Instrumente wie Ausschreibungen in das EEG eingearbeitet. Das hat in anderen Ländern regelmäßig für höhere Strompreise gesorgt. Aber genau diese Instrumente sollen nun bei uns zu mehr Markt führen. Ziel dieser Aktion ist vor allem, die kleineren Player abzudrängen. Das Geschäft sollen wieder die Großen machen.

neue energie: Die nächste Novelle könnte schon in eineinhalb bis zwei Jahren anstehen. Kann man an dieser Stelle noch von gesicherten gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vertrauensschutz sprechen?

Volker Quaschning: Nach der EEG-Novelle ist vor der EEG-Novelle, das trifft leider schon seit einigen Jahren zu. Tatsächlich gelingt es bislang keiner Bundesregierung zu definieren, wo man überhaupt hin will und welchen Weg man dafür einschlägt. Stattdessen wird entlang der Entwicklung geflickt und repariert – und so geht es jetzt weiter. Wenn wir die übergeordneten Ziele betrachten, funktioniert nichts. Beispiel Klimaschutz: Die deutschen CO2-Emissionen steigen derzeit wieder an. Und man müsste klären, ob der Ausbau zentral oder dezentral erfolgen soll. Viele zentrale Offshore-Parks benötigen einen enormen Netzausbau. Das wird die Bevölkerung vor Ort aber nicht mittragen und der Ausbau wird zum Stocken kommen. Wir werden also auch in zwei Jahren sehen, dass die Großkonzerne mit ihrem Umbau immer noch nicht wirklich vorangekommen sind, während die globalen Herausforderungen immer größer werden.

neue energie: Mit welchen Einschnitten müsste die Branche bei einer Novelle 2016 rechnen?

Volker Quaschning: Als ernstzunehmende Konkurrenz bleibt ja eigentlich nur noch Wind an Land, weil Offshore-Wind gar nicht so schnell vorankommt. Man wird versuchen, den Zubau beim Onshore-Wind ähnlich wie bei der Photovoltaik auf deutlich unter zwei Gigawatt zu drücken.

 

Das vollständige Interview mit Volker Quaschning lesen Sie in Ausgabe 07/2014 von neue energie – ab 10. Juli im gut sortierten Bahnhofskiosk oder hier im Abo.

 

Kommentare (7)

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  • 28.06.14 - 07:24, Ulrich Konrad S...

    Man kann es drehen und wenden wie man will, die Energiewende führt zu einem riesigen Wohlstandsverlust für praktisch alle. Wer je etwas anderes geglaubt hat, ist als sehr naiv einzustufen.

  • 29.06.14 - 12:29, Roger Kanzenbach

    Ich glaube, dass nur Konzerne die notwendige Infrastruktur aufbauen können, um die kleinen dezentralen Anlagen in ein funktionierendes Netz zu integrieren. Die Fotovoltaik-Installation und der Handel mit Fotovoltaik-Technik hätte niemals eine eigene Branche werden dürfen. In der Baubranche war die Infrastruktur vorhanden. Es gibt Elektrobetriebe und Technikgroßhändler. Die Fotovoltaik ist eine Standardtechnologie. In Billiglohnländern ist die Massenproduktion rentabler als in Deutschland. Dies hätten Unternehmer wissen können. Ich vermute, dass momentan die Fehler der Vergangenheit bezahlt werden. Die Energiewende ist für mich richtig und konsequent. Die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen muss verringert werden. Deutschland ist ein Technologieland und wir haben das Geld. Unsere Kinder werden es uns danken.

  • 30.06.14 - 15:45, maria anna dewes

    Antwort auf Konrad S: Energiewende =Wohlstandsverlust für alle?

    "In Deutschland beziffere sich der Schaden durch unproduktive Atomprojekte auf über 150 Milliarden US-Dollar. Als Beispiele für solche Fehlinvestitionen in Deutschland nennt der WDR den "Schnellen Brüter" in Kalkar, den Hochtemperatur-Reaktor in Hamm-Uentrop und die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf". Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/WDR-Schaeden-durch-Atomkraft-summieren-sich-auf-eine-Billion-Dollar-2140104.html

    In diesen 150 Milliarden sind die Subventionen an die Stromkonzerne und die Ausgaben für die Forschung zur friedlichen Nutzung der Atomenergie genausowenig enthalten, wie die Kosten für zukünftige Endlagersuche, die giftigen Atommüll für die nächsten 1000 Jahre konservieren sollen. Weltweit beziffern sich die Folgekosten auf über eine Billion US-Dollar!!

    Wer hat das bezahlt? Sie und ich und alle anderen Bürger!!

    Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Verantwortlichen für o.g. Kosten sind die Stromkonzerne sowie die Politik. Die Verantwortlichen für eine eventuell teure Energiewende sind die Stromkonzerne und die Politik, weil sie nicht handeln wollen!!
    Umgerechnet minimum 2,5 Milliarden pro Jahr hat uns die Atomenergie in den letzten 60 Jahren zusätzlich gekostet!! Und jetzt jammern Sie über Wohlstandsverlust????!!!

  • 30.06.14 - 17:56, Fredolin

    Die erste Antwort ist sehr aufschlussreich. Die Gewinne der großen Stromkonzerne sind wichtig für die Rentenkassen.

    Wenn die Befürworter des Ausschreibungsmodells dafür bürgen müssten, dass es zu keinen Mehrkosten käme, gäbe es diesen Vorschlag wohl nicht.

    Ich hätte es für konstruktiver gehalten, den großen Stromkonzernen und vor allem Netzbetreibern gute Aufträge für Bereithaltung von Ersatzkraftwerken, gut regelbaren Kraftwerken und Speichertechnologien zu erteilen.

    Ein wünschenswertes Fernziel, dass einmal Dachkonstruktionen mit integrierten Solarzellen als selbstverständlicher Massenartikel sogar billiger sein könnten als ein Nischenprodukt ohne Solarzellen rückt damit leider in weitere Ferne.

    Es regt sich heutzutage niemand mehr auf, der Handy und PC nutzt, dass ein Taschenrechner in den 1960ern mindestens 500 DM kostete. Ähnlich werden die nächsten Generationen nicht mehr verstehen können, warum sich ein paar Leute unserer Generation so aufregen, weil sie während des Entwicklungszeitraums einer essentiellen Technologie über den Zeitraum von 20-30 Jahren 5 EUR/Monat pro Person zahlen mussten.
    Die Nachkriegsgeneration hat sich noch abgerackert, damit es ihren Kindern besser geht. Beschwert man sich heute allen Ernstes über übergangsweise 5 Eur im Monat für die langfristige Energiesicherheit, Entschärfung von Ressourcenkonflikten und Entschärfung Nuklearwaffenverbreitung - möchte man seinen Kindern lieber 1000 jährige Atommüll-Lagerung und ein erhöhtes Risiko für Klimakatastrophen hinterlassen?!

  • 04.07.14 - 12:06, Stefan

    @Fredolin
    100% richtig.
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • 08.07.14 - 12:05, Thomas Hager

    Wohlstandsverlust - das ist unglaublich.
    Fallende Strompreise seit 2008/9 von 9 auf 3,x cent je kWh, die nicht von den Energiekonzernen an die Verbraucher weitergereicht werden. Offshore Wind für 16 cent pro kWh als Geschenk an die Konzerne, dass AKWs abgeschaltet werden. Im Gegenzug trotz Offshore-Wind wird der Staat verklagt. Dann wird auch noch das Haftungsauschlussgesetz letzten Sommer verabschiedet, dass für entgangene Gewinne aus nicht angeschlossenen Offshore-Windparks an Energiekonzernen und Übertragungsnetzbetreiber zahlt, weil Sie zu doof sind dies technisch umzusetzen.

    Danke Anna Maria für die Beispiele technischer Irrläufer bei den AKWs.

    Ulrich Konrad, Sie sollten den Wohlstandverlust alleine durch nicht-weitergegebene fallende Strompreise, AKW Förderung/Endlagersuche, Schäden aus massiv gestiegener Kohleverbrennung und Haftungsauschlussgesetz berechnen.

    Wohlstandsverlust in wirtschaftlich boomenden Zeiten für D oder eine vertane Chance der schnellen Energiewende hin zu einer regionalen, erneubaren und bürgernahen Energieversorgung? Wollen wir den Wohlstandsverlust einiger falsch berechneter €cent einer lebenswerten Zukunft/Umwelt/Natur für unsere Kinder gegenüberstellen?!

    Es ist sehr schade, dass die Wähler nicht bemerken, wie die Stellschrauben (EEG-Umlage) eingesetzt werden, um das Thema erneuerbare Energien madig zu machen. Ein kleiner Trost ist, dass die Bürger in D immer noch AKW Gegner sind. Denn ohne Fukushima hätte Schwarz-Gelb längst das Abschalten rückgängig gemacht.

  • 06.08.14 - 11:14, Linda Marie Holm

    Laut einer Umfrage von YouGov erwarten 83% der Deutschen sogar weiter steigende Strompreise trotz EEG-Reform http://relinx.de/ygov6xt

    Das ZDF Politbarometer hatte im Juni ein ähnliches Ergebnis veröffentlicht.

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