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Interview

„Die Darstellung war objektiv“

Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 28.09.16
… urteilt Birgitta Weber, Redaktionsleiterin von Report Mainz und stellvertretende Chefredakteurin Fernsehen SWR, über den SWR-Beitrag „Der Kampf um die Windräder“, der nach der Erstausstrahlung am 1. August eine kontroverse Debatte ausgelöst hat. Nach der Ausstrahlung habe Report Mainz „eine beispiellose Kampagne von interessierter Seite erlebt“.

neue energie: Sind Sie der Ansicht, dass die Sendung den Zuschauer durchgehend objektiv, ausgewogen, umfassend und präzise über die darin aufbereiteten Themen informiert?

Birgitta Weber: Ja, und das will ich gerne erläutern. Die Darstellung war objektiv, weil Kritikpunkte auf Recherche gründen und weil allen Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wurde. Ausgewogen war unser Film insofern, als dass auch die Adressaten von Kritik darin zu Wort kamen. Selbstverständlich sind unsere Recherchen präzise und umfassend. Wie alle Beiträge in der Reihe „Exklusiv im Ersten“ hatte der Film „Der Kampf um die Windräder – die Auswüchse der Boombranche“ natürlich einen inhaltlichen Fokus, eine auf Recherche gründende Haltung und eine Leitfrage – genauso wie der Film „Der große Atom-Deal – die Lüge vom billigen Strom“, der eine Woche zuvor auf dem gleichen Sendeplatz in der ARD lief. Die „Stuttgarter Zeitung“ attestierte uns übrigens „journalistischen Anstand“. Dass unser Bemühen um kritische, aber journalistisch faire Berichterstattung wahrgenommen wird, freut uns sehr.

neue energie: An manchen Stellen der Sendung klingt die Stimmlage des Sprechers nach Empörung, an anderen Stellen hört man dramatische Hintergrundmusik und es werden wiederholt rhetorische Fragen gestellt, die wie indirekte Vorhaltungen oder Verdächtigungen verstanden werden können. Das kann bisweilen suggestiv wirken, wie eine Kommentierung des Dargestellten. Sind Sie der Meinung, dass die für die Sendung gewählten Stilmittel einer objektiven, seriösen Berichterstattung dienen? Bitte begründen Sie Ihre Sichtweise.

Weber: Ihren Eindruck kann ich nicht nachvollziehen. Auf mich wirkt die Sprechhaltung professionell, wie bei anderen Dokumentationen auch – und sogar eher zurückgenommen. Der Film muss – auch zugespitzt – die Fragen verbalisieren, die sich beim Zuschauer stellen, wenn er unsere Recherchen sieht. Wir erlauben uns, die Dinge beim Namen zu nennen. Auch am Musikeinsatz kann ich nichts Verwerfliches erkennen. Fanden Sie die düsteren Klänge zu den Bildern mit den Atomfässern beim Film „Der große Atom-Deal“ übrigens genauso schlimm? Oder passt Ihnen schlicht nicht, dass unser Film Auswüchse des Windkraftausbaus beleuchtet? Wenn nun schon die Musik herangezogen wird, um den Film zu kritisieren, erweckt das den Eindruck, dass man Argumente konstruieren will, weil man in der Sache nichts wirklich zu erwidern hat.

neue energie: Viele Journalisten, so etwa der ehemalige SWF-Chefreporter Gerhard Hofmann, haben sich kritisch zu der Sendung geäußert. ARD-Energieexperte Jürgen Döschner hat auf Twitter einen entsprechenden Kommentar des Online-Portals Klimaretter.de gelobt. Bei der Kritik ging es oftmals nicht nur um die getroffenen inhaltlichen Aussagen, sondern auch um die Art der Aufbereitung („reißerisch“), die man offenbar von einer Report-Mainz-Sendung nicht erwartet hatte. Wie stehen Sie dazu?

Weber: Mit Verlaub, dass Ex-Journalisten, die inzwischen selbst für die Erneuerbare-Energie-Lobby arbeiten, oder dass Journalisten, die mit einem Journalistenpreis der „Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien Eurosolar“ bedacht wurden, diesen kritischen Film nicht besonders ins Herz geschlossen haben, überrascht uns nicht. Und dass die Art der filmischen Aufbereitung für Report Mainz ungewöhnlich wäre, kann man auch nicht gerade behaupten. Wir haben das gemacht, was wir immer tun – mit fundierter Recherche an konkreten Fällen Missstände aufgezeigt. Einziger Unterschied, diesmal haben wir nach der Ausstrahlung eine beispiellose Kampagne von interessierter Seite erlebt, die zeigt, wie die Windkraftbranche offenbar mit Kritik umgeht – nicht indem sie sich mit Kritikpunkten auseinandersetzt, sondern indem sie versucht, kritische Journalisten durch konzertierte Angriffe zu diskreditieren und mundtot zu machen.

neue energie: Verstehe ich Sie richtig, möchten Sie sagen, dass Meinungsäußerungen zu der Sendung, geäußert von Journalisten, denen der Eurosolar-Preis verliehen wurde, nur eingeschränkt ernst zu nehmen sind? Und wen meinen Sie mit dem Hinweis auf den Eurosolar-Preis genau?

Weber: Nein, da verstehen Sie mich falsch, lieber Herr Zimmermann. Wir nehmen alle Meinungsäußerungen zu unserem Film ernst. Man muss sie aber einzuordnen wissen. Und manches, was man im Internet lesen konnte, war eben wenig überraschend, wenn man den Absender kennt. Wer beispielsweise sein Geld in der Lobby der erneuerbaren Energien verdient, wird einen Film, der die Windlobby kritisch beleuchtet, mit anderen Augen sehen als ein normaler Zuschauer. Und wer als Journalist einen Preis der Erneuerbaren-Lobby explizit dafür erhalten hat, dass er das EEG – Zitat – als „erfolgreiches und weltweit oft kopiertes Instrument der Energiewende“ verteidigt, der scheint ganz offensichtlich eine Agenda zu verfolgen. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich damit sagen.

neue energie: Sie betonen in einer Stellungnahme auf der SWR-Homepage, dass der „Film selbstverständlich weder die Energiewende noch die Windkraft in Frage gestellt hat“. Die Wahl der Stilmittel und einige zentrale Aussagen haben bei einem Teil der Zuschauer jedoch genau diesen Eindruck entstehen lassen – sonst wäre es wohl nicht zu dieser Form der Kritik gekommen. Wie erklären Sie es sich, dass offensichtlich nicht wenige Zuschauer den Eindruck hatten, dass der Film die Energiewende und die Windkraft in Frage stellt – darunter auch Journalisten, die nicht für Fachmagazine aus dem Erneuerbare-Energien-Bereich arbeiten?

Weber: Diesen – falschen – Eindruck haben vor allem Blogs und Lobby-Portale aus dem Erneuerbare-Energien-Bereich nach Ausstrahlung des Films zu vermitteln versucht, womöglich um gezielt einen Proteststurm anzufachen. Im Film werden Sie keinen Beleg dafür finden. Im Gegenteil, die Autoren haben im Fazit ausdrücklich vor „falschen Anreizen“ gewarnt, weil diese „die Akzeptanz der Energiewende“ gefährden. Bemerkenswert finden wir, dass uns nach dem Film neben zahlreichen positiven Rückmeldungen von Zuschauern tatsächlich eine Flut von kritischen E-Mails mit teilweise identischen Textbausteinen erreichte und dass der Großteil der negativen Rückmeldungen von Personen stammte, die in der Windkraft-Branche oder der Lobby aktiv sind. Man schreckte sogar nicht einmal davor zurück, eine ursprünglich gegen Fracking gerichtete und schon seit Langem laufende Petition im Internet auf unseren Film umzumünzen. Insofern hat die Massivität der Kampagne gegen den Film die darin getroffene Feststellung zur besonders massiven Lobbyarbeit der Windbranche auf eindrückliche Weise noch übertroffen.


„Jedem Medienjournalisten steht es frei, unseren Film positiv oder negativ zu rezensieren.“


neue energie: Auch an dieser Stelle möchte ich Missverständnissen vorbeugen. Bei der Betrachtung, wer die Sendung kritisiert hat und welcher Eindruck entstanden ist, dürfte auch wichtig sein, welchen Ruf die jeweiligen Redaktionen und welche Reichweite sie haben. Die Sendung wurde beispielsweise in zwei Veröffentlichungen der Kontext Wochenzeitung kritisiert. Bei der Kontext Wochenzeitung handelt es sich um ein Medium, das mit der Taz kooperiert und dem Sie kaum eine Nähe zur Windbranche nachweisen können dürften. Auch den Portalen Meedia.de und Kress.de, auf letzterem hat Wolfgang Michal seine Kritik veröffentlicht, könnte man wohl kaum vorwerfen, Windkraft-Lobbyismus zu betreiben. Richtig ist, dass das Portal klimaretter.de, wo ebenfalls Kritik an der Sendung geübt wurde, für erstklassigen Umweltjournalismus steht. Joachim Wille, der Chefredakteur, arbeitet auch für die Frankfurter Rundschau. Er wurde als „Wegbereiter des Umweltjournalismus“ im Juni 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. 2012 war das Portal für einen Grimme-Preis nominiert. Auf Jürgen Döschner von der ARD hatte ich schon hingewiesen. Die Kritik an der Sendung kam – nach meiner Wahrnehmung – demnach nicht „vor allem“ von „Blogs und Lobby-Portalen“, wie Sie sagen, sondern zu großen Teilen auch aus renommierten und seriös arbeitenden Redaktionen, denen es mit großer Wahrscheinlichkeit doch wohl nicht um einen „gezielten Proteststurm“ gegangen sein dürfte. Sehen Sie dies anders? Und um meine vorangegangene Frage zu wiederholen, wie denken Sie, konnte bei den benannten renommierten Journalisten beziehungsweise Redaktionen der oben beschriebene Eindruck entstehen, dass der Film die Energiewende oder die Windkraft in Frage stellt?

Weber: Lieber Herr Zimmermann, auch wenn Ihre Fragen inzwischen länger sind als meine Antworten und Sie damit eher in die Rolle eines BWE-Kommentators schlüpfen als in die eines Interviewers, werden die von Ihnen aufgestellten Behauptungen dadurch nicht richtiger. Ich hoffe sehr, dass Sie mich womöglich nicht sogar missverstehen wollen? Ich bleibe dabei: Die meisten kritischen Mails kamen – teils kampagnenartig organisiert und gesteuert – aus der Erneuerbaren-Branche. Und ich bleibe dabei, vor allem Blogs und Lobby-Portale haben unmittelbar nach Ausstrahlung unseres Films den falschen Eindruck zu erwecken versucht, er stelle die Energiewende und die Windkraft grundsätzlich in Frage. Die von Ihnen angeführten Artikel von Medienportalen sind erst Tage nach der Ausstrahlung und damit auch nach dieser Protestwelle auf Lobby-Internetseiten erschienen – sie beziehen sich wie beispielsweise „Meedia“ oder die „Kontext Wochenzeitung“ sogar explizit auf diese Proteste aus der Windbranche. Aber abgesehen von durchsichtigen Versuchen einer Industrielobby, einen kritischen Film zu diskreditieren, steht es jedem Medienjournalisten natürlich frei, unseren Film positiv oder negativ zu rezensieren. Wir stellen uns seit jeher mit jedem ARD-Feature der Kritik und – da kein Film jemals perfekt ist – können wir auch meist noch etwas dazulernen. Schade übrigens, dass in Ihrer Aufzählung jede positive Besprechung des Films wie etwa in der „Stuttgarter Zeitung“ unerwähnt bleibt. Zufall?

neue energie: Ein Kritiker bemängelt, dass viele in der Sendung zitierte Gegner der Windenergie aus dem Umfeld bundesweit agierender Netzwerke wie Vernunftkraft und Windwahn stammen, dies in der Sendung aber nicht erwähnt wird, während andererseits der Windenergie-Branche vorgeworfen wird, in Netzwerken aktiv zu sein. Was antworten Sie auf den Vorwurf des Kritikers, an dieser Stelle wichtige Informationen wegzulassen?

Weber: Welchen Kritiker und welche Gegner meinen Sie? Ihre Frage ist nicht klar gestellt. Dennoch versuche ich auch darauf zu antworten: Bei Familie Schmidt aus Ostfriesland handelt es sich um alles andere als erbitterte Windkraftgegner. Sie waren mal begeistert von dieser Form der Energiegewinnung und fanden die Windräder schön. Inzwischen wachsen aber bei ihnen die Zweifel angesichts der vielen Windräder in ihrer Heimat. Sie fragen sich, warum dort weiter zugebaut wird, obwohl Speichermöglichkeiten fehlen und die Netze den Strom oft nicht mehr aufnehmen können. Auch die Bürger aus dem bayerischen Rannungen waren für Windkraft. Sie wollten sogar selbst einen Windpark bauen und betreiben – bis sie feststellen mussten, dass bei ihnen zu wenig Wind weht, um Windräder wirtschaftlich betreiben zu können. Auch die Alleinerziehende Nina Albig ist eigentlich für erneuerbare Energien – aber sie leidet unter den steigenden Stromkosten und fragt sich, ob das gerecht ist. Im Übrigen haben wir im Film an keiner Stelle den Vorwurf formuliert, dass die Windenergie-Branche in Netzwerken aktiv ist. Das ist per se nicht kritikwürdig. Vielmehr zielte der Film auf die massive Einflussnahme der Windlobby auf das EEG-Gesetzgebungsverfahren aus wirtschaftlichem Eigeninteresse.

neue energie: Da Sie in Ihrer Antwort nicht von selbst auf Enoch zu Guttenberg zu sprechen kommen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal nachhaken. Herr zu Guttenberg spricht in der Sendung ausführlich über Verflechtungen zwischen Wind-Branche und BUND. Auf der Seite windwahn.de finden sich Texte und Videos von Herrn zu Guttenberg, er tritt in diesem Umfeld auch als Redner auf Veranstaltungen auf. Diese aus meiner Sicht wichtige Information erhält der Zuschauer aber nicht. Warum? Denken Sie, diese Information ist unwichtig? Oder muss ich Ihre Antwort so verstehen, dass Report Mainz dieses Detail verborgen geblieben ist?

Weber: Die Aufzählung der Orte und Podien, an denen Herr zu Guttenberg Vorträge hält, wäre vermutlich ein abendfüllendes Thema und würde unsere Sendezeit übersteigen. Aber im Ernst: Für seine Einschätzung als BUND-Gründungsmitglied, das intime Kenntnisse dieser Naturschutzorganisation hat, und das mehr als 80 personelle Verflechtungen zwischen BUND und Windkraftbranche recherchiert hat, ist die Information, wo er Vorträge hält, auch nicht relevant. Wenn Sie mit Ihrer Frage unterstellen wollen, wir hätten nicht deutlich gemacht, dass Herr zu Guttenberg die Windkraft kritisch sieht, kann ich das nicht nachvollziehen. Glauben Sie wirklich, dass man Herrn zu Guttenberg angesichts seiner Äußerungen in unserem Film versehentlich für einen glühenden Befürworter der Windkraft halten könnte? Er ist als Windkraftkritiker bundesweit inzwischen ja so bekannt, dass er – wie er sagt – schon Morddrohungen wegen seiner Reden zum Windkraftausbau bekommen hat.


„Ein energiewirtschaftliches Proseminar würde eher in ein Telekolleg passen und sprengt den Rahmen eines Fernsehfeatures.“


neue energie: In der Sendung wird Frau Nina Albig zitiert, die beklagt, dass aufgrund der Energiewende ihre Stromrechnung immer teurer wird. Sofort im Anschluss erklärt der Sprecher: „Steigende Strompreise wegen des Booms bei der Windkraft – dagegen will die Politik jetzt einschreiten.“ Die Passage kann den Eindruck erwecken, die Windenergie trage die Hauptschuld an steigenden Strompreisen. Dieser Eindruck kann auch deshalb entstehen, weil genaue Angaben zu den Gründen beziehungsweise Bestandteilen der steigenden Stromrechnungen fehlen. Weshalb wird in dieser Passage darauf verzichtet, den Anteil der EEG-Umlage und speziell der Windenergie an Frau Albigs Rechnung aufzuschlüsseln und auch andere Faktoren für die von Ihnen benannte Preissteigerung zu nennen, wie etwa die Ausnahmen für energieintensive Unternehmen? Hätte das nicht zur Aufklärung und korrekten Einordnung des an dieser Stelle aufgezeigten „Auswuchses“ beigetragen?

Weber: Der Film behauptet an keiner Stelle, die Windkraft trage die „Hauptschuld“ an steigenden Strompreisen. Wenn aber Menschen in diesem Land ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, auch weil sie – das ist unstreitig – durch erneuerbare Energien wie die Windkraft teurer wurde, dann erlauben wir uns, dies zu thematisieren. Im Übrigen handelt es sich beim Fall von Frau Albig nicht um einen Einzelfall. Die Zahl der Stromsperren betrug in Deutschland rund 300.000. Schon 2012 hatte Report Mainz berichtet, dass die Stromrechnung gerade für Hartz-IV-Empfänger zur Schuldenfalle wird. Titel des Beitrags damals: „Luxus Strom“.

neue energie: Sie gehen mit Ihrer Antwort meinem Eindruck nach nur teilweise auf die gestellte Frage ein. Natürlich ist es beklagenswert, dass es Menschen gibt, die von Energiearmut betroffen sind. Und natürlich können Sie dies thematisieren. Wenn Sie dies tun, wäre es meiner Meinung nach aber erwähnenswert gewesen, dass der Börsenstrompreis durch die erneuerbaren Energien bekanntlich sinkt. Davon profitieren private Endkunden aber kaum beziehungsweise nur in starker Abhängigkeit von dem gewählten Versorger. Ihren Hinweis auf rund 300.000 Stromsperren in Deutschland – in welchem Zeitraum? – interpretiere ich so, dass der jährliche, starke Anstieg der Stromrechnung von Frau Albig von 2008 bis heute als exemplarisches Beispiel zu verstehen ist. Auch deshalb wiederhole ich meine Frage, warum in der Sendung die dargestellte Steigerung der Stromrechnung nicht mit präzisen Euro- und Prozent-Angaben nach Einzelposten und Jahren aufgeschlüsselt wurde, und nicht gezeigt wurde, wie hoch der Anteil der Windenergie beziehungsweise der Erneuerbaren-Anteil an dieser aufgezeigten Preissteigerung konkret war. Würden Sie dies hier bitte nachholen, damit nachvollziehbar wird, weshalb die Stromrechnung von Frau Albig als Beleg für einen preistreibenden „Auswuchs“ der Windenergie herangezogen wurde?

Weber: Ganz im Ernst? Sie erwarten von einer Reportage eine Aufschlüsselung der Stromrechnung nach Einzelposten und Jahren in Euro- und Prozent-Angaben und eine Aufschlüsselung des Anteils der Windenergie beziehungsweise des Erneuerbaren-Anteils an der Preissteigerung? Sie wissen doch ganz genau, dass ein solches energiewirtschaftliches Proseminar, wie es Ihnen vorschwebt, eher in ein Telekolleg passen würde und den Rahmen eines Fernsehfeatures sprengt. Eine Reportage versucht, komplexe Themen anhand lebendiger Beispiele zu veranschaulichen. Dafür ist – wie im Medium Fernsehen generell – eine Beschränkung aufs Wesentliche erforderlich. Auch wenn die Strompreisbildung im Film nicht so detailliert erläutert werden konnte, wie Sie es gerne hätten, so war die Schilderung des Falles von Frau Albig dennoch völlig korrekt und in der Quintessenz zutreffend. Sie werden ja wohl kaum bezweifeln wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger den Windkraftausbau am Ende über die EEG-Umlage mitbezahlen müssen. Und angesichts des aktuellen Booms – die Branche schließt ja sogar ein Rekordjahr nicht aus – ist wohl kaum zu hoffen, dass die Kosten sinken.

neue energie: Bei der Vergütung, die über das EEG an Anlagenbetreiber gezahlt wird, handelt es sich nicht um Subventionen. Subventionen sind Leistungen aus Steuermitteln. Dieser Fehler wird zwar oft gemacht – auch von Politikern. Sie betonten jedoch die Gründlichkeit Ihrer Recherche. Weshalb ist dann in der Sendung ebenfalls die Rede davon, dass die Windenergie über das EEG mit acht Milliarden Euro subventioniert wird?

Weber: Das ist doch Wortklauberei. Es gibt keine allgemeingültige verbindliche Definition des Begriffs „Subventionen“. Juristen verstehen etwas anderes darunter als Ökonomen, und der allgemeine Sprachgebrauch weicht davon wiederum ab. Der lateinische Wortkern besagt vor allem, dass es sich hier um „Hilfen“ handelt. Im Film wurde zudem ausdrücklich klargemacht, dass es um acht Milliarden Euro geht, die in diesem Jahr über die EEG-Umlage aufgrund staatlicher Regelung in die Windkraft fließen. Aus den Rückmeldungen zum Film wissen wir übrigens, dass unsere Zuschauer, die diese EEG-Umlage über ihre Stromrechnung schließlich schon seit Jahren zahlen müssen, ganz gut verstanden haben, wo das Geld herkommt. Sogar die Mitarbeiter der Windkraftkonzerne, die als bezahlte Demonstranten bei der „Energiewende retten“-Demonstration waren, sprachen im Interview übrigens unaufgefordert von „Subventionen“.

Hinweis zum Interview: Die Redaktion hat ihre Fragen schriftlich an den SWR übermittelt und zu einigen der Antworten noch einmal direkte Rückfragen gestellt, ebenfalls schriftlich. Geantwortet hat uns jeweils Birgitta Weber, stellvertretende Chefredakteurin Fernsehen SWR und zugleich Redaktionsleiterin von Report Mainz.

Der Beitrag „Der Kampf um die Windräder“ (Erstausstrahlung 1.8.2016) ist noch bis 3.8.2017 in der ARD-Mediathek verfügbar.

 

Wir freuen uns über Ihre Gedanken und Kommentare zu dem SWR-Beitrag und zu unserem Interview, möchten Sie allerdings bitten, Kritik sachlich zu äußern. Die Redaktion.

Kommentare (6)

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  • 29.09.16 - 19:15, Rüdiger Hanisch

    Frau Albig ist vermutlich eine von vielen Energiekunden deren Energieverbrauch auf grund eines alten Ferrari-Zählers falsch abgerechnet wird, der sich je älter der Zähler wird immer mehr erhöht. Bekannt wurde mittlerweile dass Fehlberechnungen ins negative wie ins positive sich bis 35% auswirken können. Frau Weber wird dies nicht wissen wie viele andere auch. Man kann dies aber nachprüfen lassen und wer hier in dieser Richtung solches vermutet sollte sich unbedingt kundig machen und eine Überprüfung auf jeden fall anstreben. Es kann sehr lohnend sein. Dass der Energiekunde für die Überprüfung zahlen muss wie daies von einigen Energieanbietern behauptet wird ist schlicht falsch. Tun Sie was damit Ihre Rechnung nicht noch weiter steigt.
    R.H.

  • 04.10.16 - 17:37, Ludwig Kirschstein

    "Wenn Sie mit Ihrer Frage unterstellen wollen, wir hätten nicht deutlich gemacht, dass Herr zu Guttenberg die Windkraft kritisch sieht, kann ich das nicht nachvollziehen. Glauben Sie wirklich, dass man Herrn zu Guttenberg angesichts seiner Äußerungen in unserem Film versehentlich für einen glühenden Befürworter der Windkraft halten könnte? Er ist als Windkraftkritiker bundesweit inzwischen ja so bekannt, dass er – wie er sagt – schon Morddrohungen wegen seiner Reden zum Windkraftausbau bekommen hat."

    Dass Herr zu Guttenberg die Windkraft "kritisch" sieht, ja ein erklärter Gegener davon ist, ist unstrittig. Dass Frau Weber dies Ihrerseits thematisiert, ist als durchschaubarer Versuch zu werten, die ihr gestellte Frage nicht zu beantworten, sondern ihre Eigene. Ein journalistisches Foulspiel.

    Grüße von interessierter Seite.

  • 05.10.16 - 15:33, Joe

    Was für armselige Antworten! Dieser Frau Weber wurden konkret die Fehler in vielen Leserbriefen aufgelistet, die Kritikpunkte wurden also angesprochen. Doch Weber labert nur drum herum.
    In D hat man das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber bitte keine [...] Propaganda bezahlt mit meinen Zwangsgebühren. Soll sie doch zu einem Privatsender rübermachen, da ist sie besser aufgehoben.
    [von der Redaktion gekürzt, siehe Hinweis oben]

  • 08.10.16 - 06:55, Thomas

    Die Antworten und der Film waren ein guter Beitrag zu verstehen, dass die Windkraft viel zu unkritisch gesehen wird und wir als nächstes die Netz- und Speicherprobleme lösen müssen.

  • 12.10.16 - 17:19, Nicole Knudsen

    Danke und dickes Lob an die Redaktion. Ich finde es sehr gut, dass die ne den Beitrag thematisiert hat, diese Form des Interviews war klug gewählt und die Erläuterungen im Anschluss hilfreich. Respekt vor dieser sehr guten, transparenten und fairen Arbeit! Der Nachgeschmack wegen des SWR-Beitrags bleibt natürlich und wird auch nicht weniger durch die Erläuterungen von Frau Weber. Aber: Ja! Es gibt schwarze Schafe in der Branche und ja, vielleicht werden diese mehr. Wer als Investor mit einem Ferrari zur Einwohnerversammlung fährt darf sich nicht wundern, dass die Bürger ihm das Motiv "Gegen den Klimawandel" nicht abkaufen. Wenn wir vor Ort authentisch bleiben, erzielen wir die größte Akzeptanz. Bei uns haben die Menschen kein Problem mit der Windenergie, sondern mit den Windmüllern. Wir müssen uns ehrlich machen und manche Vorwürfe auch aushalten.

  • 03.11.16 - 12:50, Ralf

    Na wenn da mal nicht ein Lobbyist schreibt :-) eher die Fragen als die Antworten waren daneben. Kritik kann darf und muss wenn schon von beiden Seiten kommen. Stimmt mit der Propaganda aber die wird durchgehend von der Windkraftlobby betrieben. Ja die Lobby beglückt sogar schon die kleinsten Kinder in der Schule um Ihre Propaganda voran zu bringen.....
    Es ist vollkommen richtig das Wind energie nie Grundlast fähig ist war und es auch niemals sein wird.

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