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Wohngebäude

Bezahlbar bauen, aber öko

Foto: Werner Dieterich/Westend61/picture alliance

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In Heidelberg entsteht zur Zeit die größte Passivhaussiedlung der Welt, die Bahnstadt. Bis zu 6800 Menschen werden dort leben.

Joachim Wille, 23.01.19
Eine Kommission empfiehlt ambitionierte ökologische Standards für die „Wohnraumoffensive“ des Bundes. Bei den Kosten falle das kaum ins Gewicht, profitieren würden Klimaschutz und Lebensqualität.

Die Wohnungsnot ist groß, besonders in Ballungsräumen. Vor allem bezahlbare Unterkünfte sind Mangelwahre. Fachleute schätzen, dass pro Jahr in Deutschland 400.000 Wohnungen gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken, tatsächlich gebaut wurden im Schnitt der letzten Jahre aber nur 260.000. Entspannung ist nicht in Sicht, obwohl im Groko-Koalitionsvertrag das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis 2021 fixiert wurde.

Nicht wenige Politiker und Vertreter der Wohnungs- und Baubranche fordern, die Baustandards zu senken, um Wohnungen billiger zu machen. Das ginge vor allem zu Kosten des Klimaschutzes. Umweltexperten sagen nun: Genau andersherum wird ein Schuh daraus. Die „Wohnraumoffensive“ des Bundes solle genutzt werden, um ambitioniertere ökologische Standards festzuschreiben, so der Appell der „Kommission Nachhaltiges Bauen“ beim Umweltbundesamt (Uba). Ein Papier mit Empfehlungen dazu für Bund, Länder und Kommunen hat sie soeben veröffentlicht.

Aktuell biete sich die „einmalige Chance“, klimaschonendes Bauen und zukunftssicheren Städtebau in der Breite zu verankern, argumentiert die Kommission. „Mit öffentlichen Geldern gefördertes Bauen muss – auch wenn es in manchen Ballungsräumen augenscheinlich großer Eile bedarf – im Einklang mit unseren internationalen Klima-Vereinbarungen sein“, sagt Burkhard Schulze Darup, Vize-Vorsitzender der Kommission. Das Gremium besteht aus Fachleuten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis, es berät das Uba.

Bis 2050 muss der Bestand klimaneutral sein

Die Kommission warnt davor, wegen der Wohnraumkrise nun Einfacharchitektur mit überholten Energiestandards aus dem Boden zu stampfen. Schließlich werden heute gebaute Häuser auch Mitte des Jahrhunderts noch stehen – und bis dahin muss der gesamte Gebäudebestand „klimaneutral“ sein, also ohne fossile Energien auskommen. Die Experten weisen darauf hin, dass das durchaus machbar sei: Erfahrene Planer könnten hochwertige, extrem energiesparende Gebäude mit Passivhaus-Technologie für nur 50 bis 100 Euro Zusatzkosten pro Quadratmeter Wohnfläche realisieren. Das fällt in der Tat bei üblichen Baukosten von 2500 Euro und mehr pro Quadratmeter (ohne Grundstück) kaum ins Gewicht – und spart dauerhaft Energiekosten.

Doch den Experten geht es nicht nur um den Klimaschutz und eine „hohe gestalterische und Aufenthaltsqualität“ in den neuen Gebäuden. Sie schlagen auch vor, Wohnraumreserven in bestehenden Gebäuden zu mobilisieren – etwa über eine Besteuerung von Leerständen und Zweitwohnungen. Das würde den Druck auf den Wohnungsmarkt lindern und zugleich die, so die Kommission, „für lebenswerte Städte notwendige, qualitätsvolle Dichte erhalten“. Überhaupt fordern die Experten als Leitlinie für die Stadtplanung, kompakte Stadtquartiere mit gemischten Nutzungen – Wohnungen, Geschäfte, Büros, Gewerbe – zum Standard zu machen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Wohnqualität dieser Viertel ist höher als in neuen Stadtteilen auf der „grünen Wiese“ und sie sind auch besser zu Fuß, per Fahrrad oder öffentlichem Nahverkehr erschließbar als zersiedelte Gebiete. Auch das spart übrigens nachhaltig Geld – den Kommunen, die weniger für Straßenbau ausgeben müssen, und den Bewohnern, die aufs Auto verzichten können, wenn sie wollen.


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