Solarzölle

Streit um China-Importe

Sascha Rentzing, 12.05.15
Die Europäische Union (EU) und China haben sich aus Wettbewerbsgründen Ende 2013 in einem sogenannten Undertaking auf Mindestimportpreise und Einfuhrbeschränkungen für chinesische Solarhersteller verständigt. Ende des Jahres soll diese Vereinbarung planmäßig auslaufen. Um die künftigen Importbedingungen chinesischer Solarprodukte ist nun in der europäischen Solarindustrie eine offene Auseinandersetzung entbrannt.

Im Dezember endet das so genannte Undertaking, das derzeit einen Mindestpreis für China-Module von 56 Eurocent pro Kilowattstunde vorsieht. Während der Verband der europäischen Solarindustrie Epia auf ein Ende der Vereinbarung drängt, um zu einem „freien und fairen Handel“ zurückzukehren, fordert die Industrieinitiative EU Prosun schärfere Bedingungen. Sie wirft den chinesischen Herstellern vor, die Importregeln systematisch zu verletzen. „Bis zu 30 Prozent der chinesischen Solarimporte werden über Drittländer am Zoll vorbeigeführt. Der europäischen Industrie ist damit bereits ein massiver Schaden zugefügt worden, ganz zu schweigen von den Einnahmeausfällen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten“, erklärt Milan Nitzschke, Präsident von EU Prosun und Sprecher des deutschen Solarunternehmens Solarworld.

Als Reaktion auf die Zollumgehung habe die Initiative nun eine Antiumgehungsklage gegen Importe aus Taiwan und Malaysia bei der EU-Kommission eingereicht. Außerdem hat EU Prosun nach Informationen des Fachblatts PV Magazine bereits per Antrag an die EU-Kommission erreicht, dass die EU die Mechanismen zur Ermittlung der Mindestimportpreise überprüft. Diese werden in einem speziellen Verfahren vom Informationsdienstleister Bloomberg festgelegt, das EU Prosun für ungeeignet hält. So sei die Zahl der chinesischen Hersteller in der Bloomberg-Datenbank zuletzt beträchtlich gestiegen. Deshalb hätten die Chinesen ein zu großes Gewicht und drückten die Modulpreise im Bloomberg-Index.

Künstlich teure Module?

Die EU hat für die Untersuchung nun bis August 2016 Zeit. Epia-Präsident Oliver Schäfer argumentiert indes gegen China-Sanktionen: Durch Mindestimportpreise würden die Modulpreise in Europa künstlich hoch gehalten, was ein entscheidender Faktor für das verlangsamte Wachstum der Photovoltaik in Europa sei. „Wir glauben, dass eine Rückkehr zu Chancengleichheit Marktwachstum fördern und helfen würde, die Emissionsreduktionsziele in Europa zu erreichen. Außerdem könnten Kunden so Qualitätsprodukte wieder zu bestmöglichen Preisen kaufen, so Schäfer.

In der deutschen Solarbranche findet die Epia-Forderung durchaus Unterstützung: „Wir wollen die Photovoltaik als günstigste erneuerbare Energieform etablieren, doch unter den gegebenen Voraussetzungen ist das nicht möglich“, sagt Oliver Partheymüller vom bayerischen Solarprojektierer IBC Solar. Mit günstigen China-Komponenten ließen sich bei großen Freilandanlagen bereits Solarstromkosten von sieben Cent pro Kilowattstunde avisieren. Aufgrund der Mindestimportpreise liege man derzeit aber noch bei mehr als neun Cent.

 

Kommentare (0)

Kommentar verfassen»

Kommentar verfassen

Anzeige

Advertisement

Anzeige