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Atomenergie

Japan fährt Reaktoren wieder hoch

Rebecca Raspe – energiezukunft.eu, 11.08.15
Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Japaner gegen die Atomkraft. Dennoch ist am heutigen Dienstag zum ersten Mal seit der Katastrophe von Fukushima – und kurz nach den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestags des Atombombenabwurfs über Hiroshima – wieder ein Atomreaktor zur Energieerzeugung hochgefahren. Die japanische Bevölkerung hatte im Vorfeld vergeblich dagegen protestiert.

Bürger hatten versucht, das Wiederanfahren des ersten Blocks des Atomkraftwerks (AKW) Sendai zu stoppen und sind dafür sogar vor Gericht gezogen. Die Regierung hat inzwischen reagiert und die Sicherheitsauflagen für AKWs deutlich erhöht – mit dem Ziel, sie gegen mögliche Schäden durch Naturkatastrophen sicherer zu machen. Der Atommeiler Sendai steht allerdings in einer Region mit zahlreichen aktiven Vulkanen, was bei den Menschen vor Ort Sorgen auslöst.

Nach der Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011 hatte Japan damit begonnen, seine insgesamt 48 kommerziell genutzten Reaktoren abzuschalten. Im Herbst 2013 ging der letzte Meiler vom Netz. Nun hat die Regierung unter Shinzo Abe entschieden, die Kernkraft wieder zur Energieerzeugung zu nutzen, obwohl sich die Mehrheit der Japaner Umfragen zufolge gegen die Atomkraft ausspricht. Der Ministerpräsident will dadurch die Energieimporte einschränken und die heimische Wirtschaft stärken. Schon bei seiner Amtsübernahme hatte Abe angekündigt, wieder auf die Atomkraft setzen zu wollen. Japans neuer alter Mann, der das Amt des Regierungschefs bereits 2006 bis 2007 innehatte, ist ein klarer Befürworter der Kernenergie. Gleich einen Tag nach dem Wahlgewinn erklärte Industrieminister Toshimitsu Motegi dann offiziell den Ausstieg aus dem Ausstieg. Gleichzeitig kündigte er den Ausbau Erneuerbarer Energien an – man wolle sich von Energieimporten aus dem Ausland so unabhängig wie möglich machen.

Atomkraft deckte vor dem Unglück von Fukushima 30 Prozent des Strombedarfs des Landes – aktuell wird ihr Wegfall durch Importe fossiler Brennstoffe aus dem Ausland ausgeglichen. Lediglich etwas mehr als vier Prozent seines Stroms gewann Japan im März 2011 aus grünen Quellen. Ende 2014 betrug ihr Anteil etwa zehn Prozent. Dabei sind die Voraussetzung für die Erzeugung von Ökostrom durchaus gut: Die Windwerte an den Küsten sind hoch, so dass Offshore-Parks für den Inselstaat eine sehr aussichtsreiche Option darstellen. Wasserkraftwerke in Flüssen und nicht zuletzt im Meer wären ebenfalls umsetzbar. Und auch die Anwesenheit aktiver Vulkane hat Vorteile, die genutzt werden könnten: Laut der in Bochum ansässigen International Geothermal Association verfügt Japan über die weltweit drittgrößten Reserven an nutzbarer Erdwärme. Das regierungsunabhängige Institut für Nachhaltige Energiepolitik (Isep), der WWF, Greenpeace und die renommierte Standford Universität haben errechnet: Selbst ohne Geothermie braucht Japan keine Atomkraftwerke – wenn es seine Erneuerbaren Energien stark ausbaut und den Energieverbrauch senkt.

Rebecca Raspe – energiezukunft.eu

Kommentare (1)

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  • 19.08.15 - 23:45, R.Lorentzen

    Das ist doch wenigsten mal ein offenes Statemant in die Richtung, das es momentan doch nicht ohne die verteufelten Atomkraft geht. Deutschland subventioniert Atomkraftwerke im Ausland, unterstützt Bauvorhaben solcher Werke in Finnland, die über die EU ihr "GO" benötigen und interveniert nicht, wenn ein völlig überaltertes und vorher schon stillgelegtes Atomkraftwerk an der deutsch, französischen Grenze wieder den Betrieb aufnehmen muss, um als Schattenkraftwerk zu fungieren. Außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik, ist es ja nicht mehr unser Atomkraftwerk. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Augenwischerei!

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