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Kohlekraftwerke

China heizt wieder ein

Foto: Andy Wong/AP/picture alliance

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Zurück zu den Wurzeln? Seit 2017 steigt der CO2-Ausstoß in China wieder.

Joachim Wille, 21.08.18
Die Hoffnung, künftig würden die globalen CO2-Emissionen sinken, hat sich vorerst nicht erfüllt. Ein wichtiger Faktor ist der größte Erzeuger China: Dort feiert die Kohle ein Comeback.

China als Retter des Weltklimas? Drei Jahre lang sah es so aus, von 2013 bis 2016, als hätte der globale Ausstoß des Treibhausgases den „Peak“ erreicht – das Plateau, ab dem die mehr als 150 Jahre lang fast nur nach oben zeigende Kurve wieder nach unten geht. Vor allem Chinas restriktive Politik beim Neubau von Kohle-Kraftwerken hatte dazu beigetragen. Klimaexperten sendeten Signale der Hoffnung. Doch bereits 2017 stieg der CO2-Ausstoß wieder, da Chinas Wirtschaft stark wuchs. Und nun zeigt sich: Peking hat seinen Kurs in der Kohlepolitik erneut geändert – die Kohle kommt wieder.

Das Land ist Obereinheizer der Welt. China stößt rund 28 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen aus, gefolgt von den USA mit 16 Prozent. Entsprechend groß ist sein Einfluss auf das Gesamtbudget. In den vergangenen zwei Jahren verfolgte die Zentralregierung in Peking das Ziel, den rasanten Zubau von Kohlekraftwerken einzudämmen. Vor allem zwei Gründe gab es dafür. Wegen einer Wirtschaftsflaute waren Überkapazitäten im Strommarkt entstanden, zudem hatte die Luftverschmutzung in vielen dichtbesiedelten Regionen des Landes gerade auch wegen der Kohle-Energie extrem hohe Werte erreicht.

Ein Schritt vor, ein Schritt zurück

Chinas Regierung gab im Frühjahr 2016 eine Anweisung an die Provinzen heraus, die Kohlekapazitäten zu begrenzen, und 2017 Jahr stoppte sie die Arbeiten an 100 im Bau befindlichen Kraftwerken – ein spektakulärer Schritt. Inzwischen ist dieser Schritt offenbar revidiert worden. Viele gestoppte Projekte sind ohne große Ankündigung wieder aufgenommen worden, wie die Umweltpublikation „China Dialogue“ jetzt meldete. Fast 47.000 Megawatt neuer Anlagen erzeugen danach entweder bereits Strom oder gehen bald in Betrieb – das entspricht in etwa der gesamten deutschen Kohlekapazität. Arbeiten alle neuen Kraftwerke, werde das die Kohleverstromung in China um vier Prozent erhöhen. Peking war unter Druck gekommen, die Restriktionen zu lockern. Erstens trat Stromknappheit in mehreren Regionen auf. Zweitens drängten Kraftwerksbetreiber darauf, ihre fast fertiggestellten Anlagen ans Netz nehmen zu dürfen – sie bringen keine Einnahmen, doch die Kredite laufen.

Ironischerweise dürfte der Kurswechsel Pekings der Branche zusätzliche ökonomische Probleme bringen. Derzeit macht die Hälfte der Kraftwerke Verluste, weil die Anlagen wegen der in vielen Regionen fortbestehenden Überkapazitäten insgesamt nur schlecht ausgelastet sind und die Kohlepreise erhöht wurden. Nun neue Kapazitäten aufzubauen, um nur wenige Stunden Spitzenlast abzudecken, werde die Kosten zusätzlich erhöhen, warnen chinesische Energieexperten. Und Greenpeace schätzt, dass Peking im Kohlesektor wieder restriktiver werden wird, wenn der aktuelle Aufschwung an Kraft verliert.

Daran, dass der dringend erwartete globale CO2-Peak sich verschiebt, ändert das nichts – zumal andere Länder mit viel Kohlekraft wie die Türkei, Pakistan oder Indonesien den Ausbau dieser klimaschädlichsten Energieform ebenfalls weiter vorantreiben. China ist zwar inzwischen unangefochten weltweit führend beim Ausbau der erneuerbaren Energien; so sollen bis 2030 rund 20 Prozent der Energieerzeugung nicht-fossil sein. Doch die neue Entwicklung zeigt: Die Kohle ist noch längst nicht abgemeldet – im Inland genauso wie im Ausland, wo chinesische Konzerne vor allem  in Entwicklungsländern ebenfalls viele Kraftwerke bauen.

 

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