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US-Regierung

Klimaschutz fordern, Arktis-Öl fördern

Isaac Bah / Clemens Weiß – energiezukunft.eu, 02.09.15
Wasser predigen, Wein trinken? Bei der „Conference on Global Leadership in the Arctic“ fordert US-Präsident Obama mit deutlichen Worten, den Kampf gegen den Klimawandel aufzunehmen und ein ehrgeiziges Klimaschutzabkommen Ende des Jahres in Paris zu beschließen. Nur wenige Wochen zuvor hatte die US-Regierung dem Ölkonzern Shell die Genehmigung erteilt, in den arktischen Gewässern vor der Küste Alaskas mit Probebohrungen zu beginnen.

Einen treffenderen Namen hätten die Organisatoren der „Conference on Global Leadership in the Arctic: Cooperation, Innovation, Engagement and Resilience“ ihrer Veranstaltung kaum geben können: Glacier, zu Deutsch Gletscher, lautet die Abkürzung für das Treffen von mehr als 400 Politikern, Wissenschaftlern und weiteren Interessensvertretern in Alaskas größter Stadt Anchorage. Angesichts rapide abschmelzender Eismassen, nicht nur in Alaska, und aktuellen Warnungen vor einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels im Laufe dieses Jahrhunderts kam der zweitätigen Konferenz auch ein gewisser Symbolcharakter in Sachen Klimawandel zu. Nicht zuletzt, weil auch Barack Obama als erster amtierender US-Präsident überhaupt dem nördlichsten Bundesstaat seines Landes einen Besuch abstattete, um an der Konferenz teilzunehmen.

„Es ist ein Fakt, dass sich das Klima schneller verändert als unsere Bemühungen, darauf zu reagieren“, sagte Obama in seiner Rede vor den Konferenzteilnehmern aus mehr als 20 Ländern. Gleichzeitig stellte er klar, dass er den Klimawandel für eine der größten Bedrohungen der Menschheit hält und die USA Verantwortung übernehmen wollen. „Ich bin heute als Anführer der größten Volkswirtschaft und des zweitgrößten Treibhausgasemittenten der Welt hierhergekommen, um zu sagen: Die Vereinigten Staaten erkennen ihre Rolle bei der Verursachung des Problems an und wir werden unserer Verantwortung gerecht, bei der Lösung zu helfen.“

Temperaturen steigen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt

Aufgrund des Klimawandels schmelzen das Meereis und die Permafrostböden in Alaska deutlich schneller als erwartet und benötigen im beginnenden Winter mehr Zeit, um sich wieder auszubilden. Für etliche Dörfer und Städte wird diese Entwicklung immer mehr zur Bedrohung, denn sie sind den Herbststürmen schutzlos ausgesetzt. Vor Jahren noch schützten das Eis und gefrorene Böden Dörfer und Inseln vor den Stürmen, wegen der Klimaveränderungen bildet sich das Eis nun erst später im Jahr. Die Folgen sind etwa im Nordwesten Alaskas zu beobachten: Die kleine Insel Kivalina mit ihren 400-Einwohnern, die meisten von ihnen indigene Inupiat, erodiert. Die Erde und somit die gesamte Insel wird weggespült und abgetragen. Die Dorfverwaltung organisiert den Rückzug, die Bewohner müssen umsiedeln und die Insel aufgeben.

In Alaska sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu sehen. Die Wintertemperaturen liegen fast 3,5 Grad höher als in den 1950er Jahren, die Temperaturen steigen doppelt so schnell wie die globalen Durchschnittswerte. Nicht nur schrumpfende Eismassen und Gletscher, auch der Schwund der Artenvielfalt bedeuten für die Bewohner, die größtenteils vom Jagen und Fischen leben, große Veränderungen. Es sei ein Vorgeschmack dessen, was uns allen passieren wird, wenn wir nicht sofort handeln, sagte US-Präsident Obama bei dem Arktis-Gipfel.

„Wir handeln nicht schnell genug“

Mittlerweile sieht die Mehrheit der Amerikaner den Klimawandel als reales Problem an. Die Obama-Administration nimmt das Thema ernst und drängt auf schnelle Lösungen. Mit dem „Clean Power Plan“ will die US-Regierung die CO2-Emissionen der amerikanischen Kraftwerke drastisch senken und den Gesamtausstoß der USA bis 2025 um 28 Prozent senken. Der US-Präsident drückte beim Kampf gegen den Klimawandel in den vergangenen Monaten merklich aufs Tempo. „Wir handeln nicht schnell genug“, so Obama. Er sei entschlossen sicherzustellen, dass die internationalen Bemühungen unter amerikanischer Führung weitergingen. Dabei weiß er mittlerweile die Mehrheit der Amerikaner hinter sich, die nach immer verheerenderen Hurrikanes mit Sturmfluten, Tornados, Wasserknappheit und Hitzewellen in großen Regionen des Landes den Klimawandel als reales Problem begreift. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der Washington Post belegt sogar, dass 57 Prozent der Republikaner die Einschränkungen der Kraftwerks-Emissionen unterstützen, bei den Demokraten sind es 79 Prozent.

Gleichzeitig setzt Obama aber auch auf die Ausbeutung heimischer fossiler Energiequellen und genehmigte erst vor wenigen Wochen Probebohrungen des Öl- und Gas-Konzerns Shell vor der Küste Alaskas – eine Entscheidung, die er mit Verweis auf seinen Vorgänger George W. Bush begründete, der dem Konzern 2008 für 2,1 Milliarden US-Dollar die Pachtrechte in der Tschuktschensee verkaufte. So erntete Obama für seinen Auftritt in Alaska bei Umwelt- und Klimaschutzaktivisten vor allem eines: beißende Kritik – trotz seines deutlichen Bekenntnisses zum Klimaschutz. „Präsident Obamas Besuch in Alaska stellt seine Klima-Heuchelei ins Rampenlicht“, sagte „Friends of the Earth“-Klimaaktivistin Marissa Knodel. Shells rücksichtsloses Streben nach arktischem Öl und Gas sei antithetisch zu Obamas Aufruf für mehr Klimaschutzmaßnahmen. „Es ist im wahrsten Sinne schmerzhaft, Obamas starke Worte aus Alaska zu hören und zu wissen, dass sie nach seiner Entscheidung, Shell bohren zu lassen, so wenig wert sind“, kritisierte auch Bill McKibben, Gründer der Klimaschutzorganisation 350.org. Das dürften die meisten Bewohner Alaskas ähnlich sehen. Nur allzu gut erinnern sie sich noch an die riesige Umweltkatastrophe des Öl-Tankers Exxon Valdez, der 1989 havarierte. Die Auswirkungen sind noch heute zu sehen und für die Region ebenso schmerzhaft wie der Klimawandel selbst.

 

Isaac Bah / Clemens Weiß - energiezukunft.eu

Kommentare (1)

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  • 03.09.15 - 22:54, sven m

    Umweltschützer müssen unterstützt werden in ihrem Kampf gegen den Raubbau. Zumal die neuen Energien & Technologien im Kommen sind, wie mir der Hauptaktionär der Berliner Neutrino Inc., der promovierte Mathematiker H.T.Schubart,  bestätigte. N-Cell, der Prototyp zur Wandlung in solare Neutrino-Energy wurde 2014 entwickelt, womit nach Nikola Tesla, der vor über 100Jahren bereits Cosmic Radiation als Energiequelle zu nutzen wusste, zukunftsweisende Energienutzung durch Neutrinos eingeleitet ist. Politisch die alten Strukturen wandeln und vor allem Konzerne wie Shell zwingen in diese neuen unermesslichen Ressourcen zu investieren, anstelle wieder mit Alten Fracking-Methoden zu riskieren uns alle in Gefahr zu bringen. Der Mensch muss von Fehlern Lernen und Handeln - so verlangt es die Evolution. Obama sollte eigentlich informiert sein, das US Department of Energy investiert 3stelligen Mio-Betrag in Neutrino Baseline - da geht auch was. Jeder Einzelne muss dazu seinen Beitrag leisten.

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