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Klimawandel

Al Gore: Republikaner fürchten ausbleibende Wahlkampf-Sponsoren

Isaac Bah, 14.05.14
Die Wahl des nächsten US-Präsidenten ist noch mehr als zwei Jahre entfernt, doch schon jetzt ist klar, dass der Klimawandel ein zentrales Thema im Kampf ums Weiße Haus sein wird. Bei einer Podiumsdiskussion an der Universität von Chicago hat der frühere US-Vizepräsident und Nobelpreisträger Al Gore schwere Vorwürfe gegen prominente Vertreter der Republikanischen Partei erhoben: Den möglichen Präsidentschaftskandidaten gehe es nicht um wissenschaftliche Argumente, sondern vor allem um Spenden für ihre Wahlkampfkassen.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 versuchten die Republikaner noch mit Angriffen auf die amerikanische Außenpolitik und die allgemeine Gesundheitsversicherung, eine zweite Legislaturperiode Barack Obamas zu verhindern. Zwei Jahre vor der Entscheidung um Obamas Nachfolge richtet sich der Fokus der „Grand Old Party“ dagegen auf den durch Menschen verursachten Klimawandel – beziehungsweise dessen Nicht-Existenz. Denn für zahlreiche prominente republikanische Politiker, darunter aussichtsreiche Präsidentschaftskandidaten, steht fest, dass der Mensch keinesfalls für die klimatischen Veränderungen verantwortlich ist, die sich weltweit beobachten lassen.

„Ich kann mich an keine Epoche der Weltgeschichte erinnern, in der das Klima stabil war“, sagte unlängst Marco Rubio, republikanischer Senator im Bundesstaat Florida. Er glaube nicht, dass menschliche Aktivitäten die dramatischen Veränderungen des Klimas verursachen würden. Mit dieser Meinung steht Rubio innerhalb seiner Partei alles andere als alleine da. Insbesondere im stark von Anhängern der sogenannten Tea-Party-Bewegung durchsetzten rechten Flügel der Republikaner ist diese Ansicht keine Ausnahme, sondern die Norm. Dass diese Haltung weniger auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung  mit der Thematik beruht, als auf handfesten finanziellen Interessen, hat der frühere demokratische Vizepräsident Al Gore den Republikanern bei einer Veranstaltung des „Institute of Politics“ an der Universität von Chicago in ungewohnt scharfer Form vorgehalten.

„Jeder, der sich für 2016 Hoffnungen auf die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat macht, weiß bereits, dass man es sich nicht mit den Koch-Brüdern und anderen Mitgliedern dieser Gruppe verscherzen darf“, sagte Gore. Er spielte damit auf den Einfluss reicher, konservativer Unternehmer an, die mit ihren Spendengeldern für einen Großteil der Wahlkampfbudgets aufkommen, das den Präsidentschaftskandidaten zur Verfügung steht. Zu dieser Gruppe zählten die großen CO2-Verschmutzer und ideologischen Staatsgegner, die sich davor fürchteten, dass die Regierung in Bezug auf den Klimawandel aktiv werde, warnte Gore. Spätestens seit seiner Aufsehen erregenden Klimawandel-Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“, die 2007 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, und der Verleihung des Friedensnobelpreises, den er im selben Jahr gemeinsam mit dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) erhielt, gilt Gore als einer der prominentesten Umwelt- und Klimaschützer der USA.

Erst in der vergangenen Woche hatte die US-Regierung den dritten und bislang umfangreichsten Nationalen Klimabericht vorgestellt, der detailliert die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels auf die unterschiedlichen Regionen der USA auflistet. „Klimawandel, der früher als Problem einer fernen Zukunft angesehen wurde, ist unverrückbar in der Gegenwart angekommen”, heißt es darin – ein Fakt, an dem auch die Millionenspenden republikanischer Großsponsoren nicht rütteln können.

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