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Menschen der Energiewende

Der Robin Hood der Energiewirtschaft

Bernward Janzing, 09.10.15
Aribert Peters legt sich immer wieder mit den Energiekonzernen an. Der Verbraucherschützer hat sie schon Millionen gekostet – zugunsten der Bürger.

Er wandelt zwischen den Welten. Als Physiker, der einen Hang zu Sozialthemen hat. Als Städtebauer, der sich für Verbraucherthemen interessiert. Als Beamter auf Lebenszeit, der sich lieber selbst einen eigenen, spannenden Job schafft, als
im öffentlichen Dienst zu versauern.

Als der in Südbaden aufgewachsene Aribert Peters im Revoltejahr 1968 zum Physik-Studium nach Berlin geht, hat er mit der Politik noch nicht viel am Hut. Nur Ungerechtigkeiten und die Marktmacht des Stärkeren beschäftigen ihn früh. Auch ganz persönlich: Als er während seines Studiums für ein Marktforschungsinstitut arbeitet, dieses ihn und seine Kollegen anschließend aber nicht bezahlen will, führt er die Auseinandersetzung vor Gericht an. „Man muss für sein Recht kämpfen“, sagt er. Und das sollte später zu seinem Lebensmotto werden.

Nach dem Physikstudium promoviert er auf dem Gebiet des Städtebaus an der TU Berlin, lehrt empirische Sozialforschung für Städtebauer und Psychologen. Energiepolitisch ist er nicht sozialisiert, die frühe Umweltbewegung, der Kampf gegen die Atomkraft sind für ihn weit weg. Er lehrt gerne, hat Spaß mit den Studenten und beschäftigt sich nebenbei mit der Kartografie, speziell mit Weltkartenprojektionen. Seine erste Stelle erhält Peters bei der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung (BfLR) in Bonn. Der Tag seines Dienstantritts ist auch bundespolitisch bedeutend: Helmut Kohl wird just an jenem 1. Oktober 1982 zum Bundeskanzler gewählt – was für Peters´ Job bald unerfreuliche Konsequenzen haben wird.

Denn der Städteplaner entwirft bei der BfLR örtliche und regionale Energiekonzepte. Es ist die Zeit, als die Kommunen anfangen, sich für ihre Energiebilanzen zu interessieren – einerseits ökonomisch bedingt durch die nunmehr zweite Ölkrise, andererseits ökologisch motiviert unter dem Einfluss der aktiver gewordenen Umweltbewegung. Doch solche Energiekonzepte, sagt Peters heute, wurden „politisch unter Helmut Kohl beerdigt“.

Er bleibt in der Bundesanstalt, wird Beamter auf Lebenszeit, arbeitet vorübergehend einige Monate im Bauministerium – aber sein Job macht ihm immer weniger Spaß. Und weil er die Energie zwischenzeitlich als „bahnbrechendes Thema für Verbraucher, Umwelt und Gesellschaft“ erkannt hat, gründet er 1987 – einstweilen ehrenamtlich – an seinem Wohnort Rheinbreitbach in Rheinland-Pfalz den Bund der Energieverbraucher. Bis heute ist er dessen Vorsitzender. 11 000 Mitglieder, darunter viele Energieberater, aber auch Städte und Gemeinden und so mancher bekannte Umweltpreisträger, geben dem Verband inzwischen Gewicht. In den Anfangszeiten seien Verbraucherinteressen dagegen „in der Politik völlig unterbelichtet“ gewesen, erzählt Peters. „Die Verbraucher mussten nur zahlen.“

 

 

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