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Interview der Woche

„Jeder kann mitreden“

Interview: Tim Altegör, 01.08.14
…beschreibt Organisatorin Kathrin Hoffmann von den Energiebloggern das Prinzip des „Barcamp Renewables“. Mit der Offline-Veranstaltung im September will das Online-Netzwerk auch ein breiteres Publikum für Energiewende-Themen begeistern.

neue energie: Am 19. und 20. September findet in Kassel bereits zum dritten Mal das „Barcamp Renewables“ statt. Organisiert wird es zum ersten Mal von den Energiebloggern. Sie sprechen auch von einer „Unkonferenz“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Kathrin Hoffmann: Bei einer normalen Konferenz stehen Programm und Redner schon im Vorfeld fest. Bei einem Barcamp entsteht die Agenda erst am Tag der Veranstaltung. Die Teilnehmer bringen Themen, Projekte und Diskussionsbedarf mit. Dann entscheiden alle zusammen, welche Themen am meisten Interesse finden.

neue energie: Es wird also abgestimmt?

Kathrin Hoffmann: Genau. Es laufen aber immer drei Sessions parallel, dadurch findet eigentlich jedes Thema seinen Platz. Kleinere Gruppen können sich auch separat zusammensetzen, wenn sie unbedingt ein bestimmtes Thema diskutieren wollen. Es gibt genug Raum und Flexibilität für alles. Themen können zwar bereits im Vorfeld online vorgeschlagen werden, oft bringen Teilnehmer aber erst vor Ort Themen ein, die ihnen auf den Nägeln brennen. Oder sie entwickeln sich noch im Laufe des Barcamps aus den Diskussionen.

neue energie: Besteht nicht die Gefahr, dass die Gespräche bei der Vielzahl möglicher Themen ausfasern und am Ende der Fokus fehlt?

Kathrin Hoffmann: Die Gefahr sehe ich nicht, das ist bisher auch nicht passiert. Die Zeiträume für die Sessions sind vorgegeben, außerdem hat immer jemand den Hut auf. Derjenige, der ein Thema vorschlägt, weil er selbst Input dazu geben kann oder weil er eine Diskussion anregen möchte, moderiert sie dann auch.

neue energie: Halten Sie die Ergebnisse fest?

Kathrin Hoffmann: Nicht zentral, aber die meisten Teilnehmer sind sehr aktiv im Internet mit eigenen Blogs oder über Social-Media-Kanäle und dokumentieren das Geschehen bereits während der Konferenz. In diesem Jahr planen wir zusätzlich, einige Eindrücke per Video aufzuzeichnen.

neue energie: Ist das Ihre Zielgruppe, Blogbetreiber und andere, die sich online mit erneuerbaren Energien befassen?

Kathrin Hoffmann: Nicht nur. Die fühlen sich meist als Erste angesprochen, weil ihnen das Veranstaltungsformat vertraut ist und sie über unsere Online-Kommunikation davon erfahren. Es sind aber wirklich alle herzlich willkommen, die sich für erneuerbare Energien und die Energiewende interessieren, mehr dazu erfahren oder sich austauschen wollen. Wer Interesse hat, soll vorbeikommen und mitdiskutieren.

neue energie: Warum haben Sie sich für dieses Format entschieden?

Kathrin Hoffmann: Die Energiewende ist dezentral, viele Menschen sind beteiligt und können mitmachen. So ist es auch beim Barcamp: Alle können mitreden, mitbestimmen, es können Ideen und Projekte diskutiert und auf den Weg gebracht werden. Das Format passt unheimlich gut zu diesem Themenspektrum.

neue energie: Welche Themen wurden denn bei den bisherigen Barcamps besprochen?

Kathrin Hoffmann: Im letzten Jahr wurde zum Beispiel der Film „Welcome to the Energiewende“ vorgestellt, der ein paar Monate später online gegangen ist. Darüber hinaus gab es ein breites Spektrum, vom Wälzungsmechanismus im EEG, über Smart Grids und die private Energiewende bis zur Frage, wie  Wissen über erneuerbare Energien in der Bildungsarbeit  besser vermittelt werden kann.

neue energie: ‚Wälzungsmechanismus‘, das klingt eher nach einem Expertentreffen…

Kathrin Hoffmann: Es sind viele Experten da, die viel Hintergrundwissen haben. Der Austausch unter Experten ist gut, aber Wissen über bestimmte Themen muss auch eine breitere Masse erreichen. In den Massenmedien wird oft einseitig über Energiewende-Themen berichtet, viele wichtige Aspekte bleiben dabei außen vor. Daher ist es genauso wichtig, dass auch Menschen kommen, die sich noch nicht so gut auskennen und sich einfach informieren wollen. Es gibt drei zentrale Bereiche beim Barcamp: Austausch und Diskussion, Networking und Wissensvermittlung.

neue energie: Die Energieblogger haben das Format in diesem Jahr vom Solarunternehmen SMA übernommen. Sie sind ein Zusammenschluss von Experten, die sich online mit der Energiewende auseinandersetzen und ein Gegengewicht zu den besagten Massenmedien setzen wollen. Wie gelingt es Ihnen, zu den Menschen durchzudringen?

Kathrin Hoffmann: Insgesamt entwickelt sich das Netzwerk sehr positiv, im Blog-Ranking von e-buzzing stehen immer mehr Energieblogger auf den vorderen Rängen im Bereich Energie und Umwelt. Über die Blogs und die Social-Media-Kanäle erreichen wir aber vor allem Leute, die sich bereits mit unseren Themen auseinandersetzen. Es ist tatsächlich schwieriger, den einfachen Bürger zu erreichen. Der interessiert sich zunächst einmal nicht für diese Themen, sie sind zu komplex und viel zu weit weg – mit Ausnahme des Strompreises. Da ist noch ein bisschen Kreativität gefragt.

neue energie: Welche Wege können Sie sich vorstellen?

Kathrin Hoffmann: Das könnte heißen, dass wir künftig mehr bei Offline-Veranstaltungen präsent sind, die sich an ein breiteres Publikum richten. Wir waren zum Beispiel schon bei den Berliner Energietagen. Mit dem Barcamp folgt jetzt unsere erste eigene Veranstaltung.

Mehr Infos:

www.energieblogger.net

www.energie-experten.org

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