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Interview

„Das ist ein Tanker, den man jetzt umsteuern muss“

Foto: Stefan Boness/Ipon

Foto: Stefan Boness/Ipon

Interview: Tim Altegör, 06.04.17
Berlins neue Umweltsenatorin Regine Günther ist angetreten, den Klimaschutz in der Hauptstadt voranzubringen – vor allem beim Verkehr. Dafür hat sie nach mehr als 15 Jahren beim WWF die Seiten gewechselt.

neue energie: In Ihrer alten Funktion beim Umweltverband WWF haben Sie die Politik viele Jahre kritisch begleitet, Forderungen an sie gerichtet. Jetzt sind Sie als Berliner Umweltsenatorin vor einigen Monaten selbst auf die Seite der politisch Verantwortlichen gewechselt. Was hat Sie dazu bewogen?

Regine Günther: Das Reizvolle ist genau dieser Perspektivwechsel vom Ideen-entwickeln und Fordern zum Selbst-Verantwortung-tragen und Umsetzen. Zu sehen, was geht und wo stößt man an seine Grenzen? Und natürlich ist es mein Bestreben, möglichst viel von unseren Forderungen Realität werden zu lassen. Mein Verantwortungsbereich ist ein Gestaltungsressort mit sehr vielen Möglichkeiten, Dinge auch in die Tat umzusetzen.

ne: Hat Sie das denn frustriert, immer wieder beispielsweise Klimakonferenzen zu kommentieren und sagen zu müssen, es wäre mehr nötig gewesen – ohne wirklich etwas daran ändern zu können?

Günther: Paris war ja keine frustrierende Erfahrung auf internationaler Ebene, ganz im Gegenteil. National waren die letzten vier Jahre in der Klimapolitik sicherlich hartes Brot. Kanzlerin Merkel lässt viel laufen, der bis vor kurzem verantwortliche Minister war sehr stark auf Kohle ausgerichtet. Das war sehr mühsam. Die Arbeit selbst hat mir aber immer sehr viel Freude gemacht, weil man eben doch einiges bewegen und Weichenstellungen beeinflussen konnte.

ne: Im Vorfeld Ihrer Ernennung gab es bei den Berliner Grünen, die Sie als Parteilose nominiert haben, intern einiges Gerangel um den Posten. Dadurch entstand zumindest nach außen der Eindruck, dass Sie nicht die allererste Wahl waren für die Besetzung. Hatten Sie eigentlich Zweifel, zuzusagen?

Günther: Es liegt in der Natur der Sache, dass ich zu dem Gerangel gar nichts sagen kann. Ich habe keine Informationen, über wen noch diskutiert wurde. Es ist eine große Freude für mich, dass ich ausgewählt wurde, man mir dieses Amt zugetraut hat, und ich habe es sehr gerne angenommen.

ne: Sie waren also sofort überzeugt?

Günther: Ich habe mir natürlich sehr genau angeschaut, wie ambitioniert der Koalitionsvertrag ist. Das ist die Grundlage unseres Handelns. Das fand ich so reizvoll, dass ich gesagt habe, ja, das kann ich mir gut vorstellen.

ne: Denken Sie eigentlich darüber nach, den Grünen beizutreten? Ihnen fehlt ja so etwas wie eine „Hausmacht“ innerhalb der Partei.

Günther: Es gibt zurzeit keinen Anlass dafür. Es läuft sehr gut, ich arbeite vertrauensvoll mit Fraktion und Partei zusammen, wir stimmen uns eng ab. Unter anderem bin ich ja auch gefragt worden, weil ich parteilos bin. Ich würde aber nicht für alle Zeiten ausschließen, dass ich der Partei beitrete.

ne: Nun ist die Erwartungshaltung natürlich besonders hoch, dass mit Ihnen beim Klimaschutz in Berlin wirklich etwas passiert. Bei Ihrer Amtsübergabe haben Sie gesagt, es seien schon „unheimlich viele Wünsche“ an Sie herangetragen worden. Wie gehen Sie damit um? Manche werden Sie enttäuschen müssen…

Günther: Meine Erfahrung ist augenblicklich, dass die Menschen schon sehr gut verstehen, dass nicht alles sofort umgesetzt werden kann. Es wird zugleich aber auch wahrgenommen, dass wir Berlin zu einer lebenswerteren Stadt machen wollen und dafür ein ambitioniertes Programm vorgelegt haben, das wir versuchen, in den nächsten fünf Jahren hoffentlich abzuarbeiten.

Das komplette Interview mit Regine Günther finden Sie in der aktuellen ePaper-Leseprobe von neue energie.

 

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