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Interview

„Bei der Energiewende von mangelnder Sozialverträglichkeit zu sprechen ist unangemessen“

Foto: Roland Horn

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Felix Matthes ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut.

Interview: Astrid Dähn und Jörg-Rainer Zimmermann, 08.02.18
… sagt Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut. Er hält es für entscheidend, den Strukturwandel möglichst ohne berohliche Brüche zu gestalten. Von der künftigen Regierung verlangt er deshalb klarere Handlungsstrategien – für den Übergang zu Erneuerbaren und für die Einhaltung der Klimaziele.

neue energie: In den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD wurde das Klimaziel, unsere Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, als unhaltbar eingestuft und seine Erfüllung auf die „frühen 2020er Jahre“ verschoben. Hat Deutschland sich damit ein Stück weit vom Pariser Klimaabkommen verabschiedet?

Felix Matthes: Der Pariser Vertrag ist sehr langfristig angelegt. Deshalb kann man das jetzt nach den Sondierungsgesprächen noch nicht entscheiden. Das Oberziel des Pariser Abkommens ist ja, die Erderwärmung auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Das bedeutet: Es geht nicht darum, bestimmte CO2-Minderungsziele zu bestimmten Jahren zu erreichen, sondern es kommt darauf an, welche Menge an CO2 über die Zeit insgesamt in der Atmosphäre deponiert wird. Deshalb gilt es, die Emissionen zunächst möglichst rasch zu senken, um das Gesamtbudget nicht kurzfristig auszuschöpfen, sondern beim Übergang zu einer vollständigen Dekarbonisierung mittel- und langfristig noch ein bisschen Flexibilität zu haben. Mit den Sonderungsergebnissen der Groko sind wir nicht auf einem guten Weg, dass Deutschland dabei seinen fairen Anteil am Einsparsoll einhält.

ne: Wäre das mit einer Jamaika-Koalition besser gewesen?

Matthes: Nein, der Unterschied war: Das Jamaika-Zwischenergebnis beschäftigte sich vielleicht zu viel mit den Schritten bis 2020 und zu wenig mit dem danach notwendigen Pfad in Richtung 2030 und 2050. Der Fokus lag vor allem darauf, die Emissionsentwicklung kurzfristig zurück auf den vorgegebenen Kurs zu bringen. Bei den jüngsten Sondierungen war es andersrum: Aus meiner Sicht ist da genug über die Ziele bis 2030 geredet worden, aber zu wenig über 2020.

ne: Können Sie das konkretisieren: Was ist richtig an dem, was in den Gesprächen zwischen CDU/CSU und SPD vereinbart wurde?

Matthes: Zunächst einmal wurde bestätigt, dass der Klimaschutzplan die Grundlage der Agenda bleibt. Eine Minderung der CO2-Emissionen um 55 Prozent bis 2030 – das ist für Deutschland schon ein relativ ambitioniertes Ziel. Für positiv halte ich deshalb, dass die Ziele zum Ausbau der Regenerativenergien vorgezogen und auf einen Anteil am Strommix von 60 bis 65 Prozent angehoben werden sollen. Und dass es Sonderausschreibungen für die drei zentralen Ökoenergiequellen, Onshore-Wind, Offshore-Wind und Photovoltaik, geben soll.

Dieser Artikel ist gekürzt - eine ausführlichere Version des Interviews mit Felix Matthes finden Sie in der ePaper-Ausgabe 02/2018 von neue energie.

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